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Ein Veteran verliert seine Flügel

Ein Veteran verliert seine Flügel

Seit 1988 drehten sich direkt an der Hunsrückhöhenstraße bei Kell die Flügel eines 30 Meter hohen Windrades. Jetzt steht nur noch der Mast. Rudolf Schieffer, der private Betreiber, hat die Anlage aus Altersgründen stillgelegt. Denn zur Wartung von Generator und Getriebe will der 76-Jährige nicht mehr hinaufklettern. Mit dem Abbau der Rotoren endet ein jahrelanger Streit mit den Nachbarn wegen Lärmbelästigung.

Es war eine Auseinandersetzung, die 2006 ihren Anfang nahm. Grund war ein zu diesem Zeitpunkt bereits 18 Jahre altes Windrad, das direkt an der Hunsrückhöhenstraße steht. Ludwig Neumann, Sprecher einer Initiative genervter Anlieger der Kapellenstraße, beklagte sich mehrfach, dass die Anlage merkwürdige Geräusche erzeugt. Deswegen lag er mit Rudolf Schieffer, dem Besitzer des Rads, im Clinch (der TV berichtete mehrfach).

Jetzt hat Schieffer die drei Flügel und den Generator abbauen lassen. Die Begründung ist einfach: "Ich habe die 30 Meter hohe Anlage immer selbst gewartet. Das will ich mir mit meinen 76 Jahren nicht mehr zumuten", sagt er. Die drei Flügel und der Maschinenkopf liegen jetzt auf dem Parkplatz des ehemaligen Busunternehmers.
Und genau dieses Maschinenhaus mit Getriebe und Generator war der Stein des Anstoßes. Nach einem Brand im Jahr 2002 wurde die Anlage immer lauter. Versuche nachzubessern schlugen zunächst fehl. Erst ein komplett neuer Generatorkopf verschaffte den Anliegern ringsum wieder mehr Ruhe.Abbau noch unklar


Ludwig Neumann und seine Mitstreiter in der Kapellenstraße sind erleichtert: "Der Geräuschpegel hat uns jahrelang zu schaffen gemacht." Endlich könne man sich wieder im Garten aufhalten und nachts ruhig schlafen. Dem TV zeigt er seine erste Eingabe über den Missstand an die Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Nord in Trier aus dem Jahr 2006. Der Schriftverkehr füllt mittlerweile einen dicken Aktenordner.
Das Geräusch, so Neumann weiter, sei mit den Autos auf der Hunsrückhöhenstraße nicht zu vergleichen: "Da nerven nur extrem laute Motorräder."

Geräusche von Windrädern sind derzeit ein großes Thema. Während Forderungen von Bürgerinitiativen von 1500 Meter Abstand und mehr diskutiert werden, fing die Anlage in Kell gerade mal 50 Meter von den nächsten Häusern entfernt den Wind ein. Aus heutiger Sicht kamen dabei bescheidene 50 Kilowatt heraus, aber nur, wenn der Wind stark genug war.
"Die Leute haben mich 1988 belächelt", weiß Schieffer noch gut, denn so lange stand die Anlage des Windenergie-Pioniers schon. "Wir haben nie etwas gegen Windenergie gehabt, aber gegen den Krach", macht sein Kontrahent Neumann klar.

Ob der Mast auch abgebaut wird, ist noch unklar. Dort befindet sich auch eine Mobilfunkantenne, die Handys der Keller Bürger mit dem Rest der Welt verbindet. Schieffer zeigt dem TV noch eine runde Plattform aus Blech. "Vielleicht bauen da oben ja ein Storchenpaar oder Greifvögel mal ein Nest", lautet sein Wunsch.Extra

Das sagt der Kreis: "Wenn der Mast genehmigt ist, gibt es keine Verpflichtung, diesen abzubauen", informiert Thomas Müller, Sprecher des Landkreises Trier-Saarburg, der Genehmigungsbehörde von Windrädern. Es bestehe auch keine Verpflichtung, ein neues Windrad zu errichten. doth