"Ein Wolf schaut dir in die Seele" - Kinder lernen im Hunsrückhaus fürs Leben

"Ein Wolf schaut dir in die Seele" - Kinder lernen im Hunsrückhaus fürs Leben

Das Hunsrückhaus bietet einen Workshop für Kinder ab sechs Jahren an. Die Kleinen können lernen, wie wichtig der Wolf für die Natur ist.

Erbeskopf Vor 140 Jahren fiel bei Deuselbach ein Schuss. Getroffen wurde der letzte im Hunsrück frei lebende Wolf. "Verfolgt wurden diese Tiere seit dem 15. Jahrhundert, weil sie vom Menschen als Nahrungskonkurrent angesehen wurden", erzählt Tamara Kalmbach. Die Diplom-Biologin und Zoopädagogin bietet rund ums Hunsrückhaus für Kinder ab sechs Jahren einen Workshop an, in dem die Kleinen den Wolf und seine Bedeutung für die Natur besser verstehen lernen.
"Rotkäppchen und der böse Wolf, dieses Märchen der Gebrüder Grimm kennt jedes Kind", sagt die 46-Jährige. Sie will mit den jungen Kursteilnehmern mit anderen Geschichten, Fangspielen, Bastelaktionen und Spurensuche ein anderes Bild des Wolfes in die Köpfe bringen.
"Für die Viehzüchter vor 140 Jahren war erst einmal ein Problem gelöst. Aber langfristig fehlt der Natur ein großer Fleischfresser", sagt die Fachfrau. Wo es wieder Wölfe gibt, in Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen, wurde der Rotwildbestand gesünder und stabiler, weil kranke und schwache Tiere dem Wolf als Nahrung dienen.
In Rheinland-Pfalz wurden bislang nur "Durchwanderer" gesichtet, die teilweise auch nicht viel weiter kamen. Wieder fielen Schüsse oder Autos erfassten die Tiere beim Versuch, die Straße zu überqueren (der TV berichtete mehrfach). Dabei stehen Wölfe bereits seit 1992 europaweit unter besonderem Schutz.
Die Kinder sollen sich in die Lage des Wolfes versetzen können. Dabei hilft Roxy, der 14-jährige Pudel-Terrier-Mischling von Tamara Kalmbach: "Auch hier steckt noch Wolf drin, was an den Krallen und Zähnen gut zu erkennen ist." Der frei lebende Wolf meidet den Menschen aus gutem Grund, denn er bedeutet für ihn Gefahr. Der Hunsrück könnte ein guter Lebensraum für Wolfsrudel werden, denn genügend Wild ist ja vorhanden.
Bereits 2015 äußerte sich Jägerpräsident Kurt A. Michael im TV zuversichtlich, dass Wölfe bereits 2016 in Rheinland-Pfalz auftauchen könnten: "Ich halte den Frühsommer für wahrscheinlich." Sie sind also eigentlich schon überfällig. Echte Wölfe erleben kann man bislang nur in Wolfsfreigehegen an der Wildenburg bei Kempfeld und im saarländischen Merzig.
Warum ist das Wissen um den Wolf für Kinder wichtig? "Die Kinder sind die Naturschützer von morgen", das ist das zentrale Ziel von Tamara Kalmbach. So früh wie möglich sollten ihnen die Zusammenhänge erklärt werden.
Die Biologin bietet diese Kurse schon im dritten Jahr an: "Die Kinder verstehen das problemlos." Es gebe aber immer noch Leute, die dabei um ihre Kinder Angst haben. Die will die Zoopädagogin beruhigen: "In Italien, Spanien und Polen war der Wolf nie weg. Da klappt das Zusammenleben mit dem Menschen ja auch." Die Umweltpädagogin hat ihren Workshop selbst entwickelt. Sie findet diese Tiere selbst "cool".
Die Wölfe könnten sich auch im Hunsrück wohlfühlen, wenn der Mensch sie in Ruhe lässt. Dazu gehört, in jungen Jahren Vorurteile abzubauen. Ihr bereite der Anblick dieser Tiere immer eine besondere Freude: "Ein Wolf schaut dir in die Seele."Extra: ANMELDUNG ZUM WORKSHOP


Maximal 20 Kinder ab sechs Jahren können beim Workshop zum Thema Wolf mitmachen. Anmeldungen nimmt das Hunsrückhaus am Erbes kopf noch bis zum Dienstag, 25. Juli unter der Telefonnummer 06504/778 oder per Mail info@hunsrueckhaus.de entgegen. Bitte festes Schuhwerk und wetterangepasste Kleidung mitbringen. Die Kursgebühr beträgt fünf Euro pro Person. Über weitere Naturbildungsangebote informiert das Hunsrückhaus im Internet unter der Adresse www.hunsrueckhaus.de