Einblicke ins Gepäck und auf fremde Kulturen

Einblicke ins Gepäck und auf fremde Kulturen

Pascale Eberhard, Mihaela Dink lage und Khaled el Gawady leben in Deutschland, sind aber in fremden Kulturräumen aufgewachsen. Auf der Veranstaltung "Heimat im Gepäck" haben sie am Donnerstagabend über ihre Heimat gesprochen und erzählt, wie sie sich in Deutschland eingelebt haben.

Saarburg. Der Arbeitskreis Integration in der Verbandsgemeinde Saarburg hatte zu seiner fünften Auflage der Reihe "Heimat im Gepäck" die Französin Pascale Eberhard, die Rumänin Mihaela Dinklage und den Ägypter Khaled el Gawady eingeladen. Sie berichteten vor 25 Zuhörern aus ihrer Heimat und darüber, wie sie sich in Deutschland eingelebt haben.
Eberhard lebt seit über 20 Jahren in Wawern. Sie hat Germanistik studiert und lehrt als Dozentin für Kommunikation an der Universität Saarbrücken. Außerdem forscht sie zum jüdischen Leben in der Region zur Zeit des Nationalsozialismus.
Im Gepäck hat sie das Modell eines Citroën 2 CV, auch "Ente" genannt: "Das Auto symbolisiert für mich die französische ,art de vivre\'", erklärt sie. "Robust, gemütlich und zuverlässig - Eigenschaften, die auch auf Frankreich zutreffen." Diskriminierung in Deutschland habe sie nicht erlebt.
Wütend macht sie, dass der französische Präsident Nicolas Sarkozy versuche, mit der nationalistischen Rechten anzubandeln und in Frankreich Minderheiten zum Teil offen diskriminiert werden dürften.
Dinklage kam vor sechs Jahren aus Rumänien nach Wawern. Auch sie hat Germanistik studiert, heute arbeitet sie als Lehrerin an der Realschule plus in Saarburg.
In ihrem Gepäck hat die Rumänin Musik mitgebracht: "Musik ist Ausdruck unserer Lebensfreude", sagt sie. Sich mit der Familie und mit Freunden zu treffen, spiele in der rumänischen Gesellschaft eine große Rolle. "Leider ist die Berichterstattung über meine Heimat von vielen Klischees geprägt - etwa der Armut vieler Bevölkerungsteile oder der Zustand von Kinderheimen." Hier habe sich vieles deutlich verbessert.
In ihrer Heimat gebe es zwar keine offene Diskriminierung der Roma - anders wie etwa in der Slowakischen Republik oder in Ungarn. Trotzdem sei es ein empfindliches Thema, weil hier oft verschiedene Lebensvorstellungen aufeinandertreffen.
Der Ägypter el Gawady hat als Kind in London gelebt, als Jugendlicher die Deutsche Schule in Kairo besucht und in Kairo Ägyptologie studiert. Nach seinem Studium hat er in Trier promoviert und ist nach einem kurzen Zwischenstopp in Kairo zurück nach Trier gekommen, wo er Ägyptologie unterrichtet.
Er hat eine Nachbildung von Nofretete in seinem Gepäck. "Sie steht für mich für die ägyptische Kultur, auf die ich sehr stolz bin." Allerdings würde diese Einschätzung nur eine kleine Minderheit in Ägypten mit ihm teilen. "Deutschland ist ein Paradies für Ägyptologie, dessen Herz in Trier schlägt."
In der Wahrnehmung der Ägypter seien Deutsche pünktlich, ordentlich und zuverlässig. "Eine Einschätzung, die ich teile." Nach seiner Promotion habe er drei Monate in Kairo gearbeitet: "Länger habe ich es nicht ausgehalten, dass verbindliche Regeln für ein Miteinander so wenig gelten."
Die aktuelle Entwicklung in Ägypten beobachtet er besorgt: "Das Militär hat immer noch das Sagen. Die Stützen der Revolution im Frühjahr werden als feindliche Agenten diskreditiert." Die zwischen Ägyptern und Kopten in den vergangenen 30 Jahren auftretenden Konflikte seien politisch geschürt worden. "Bis das Klima zwischen beiden Gruppen wieder stimmt, muss noch viel Arbeit geleistet werden." Bei den aktuellen politischen Verhältnissen sei das aber nicht zu erwarten. itz