Dorfentwicklung : Ockfen will eine eigene Flagge

Der Ort an der Saar muss für dieses Symbol über einige Hürden gehen und lange Wartezeiten in Kauf nehmen.

Ein kleiner Traum von Ortsbürgermeister Gerd Benzmüller wird sich bald schon erfüllen: Eine eigene Flagge für sein Dorf. Während der Fußballweltmeisterschaft 2014 sei ihm die Idee gekommen. Die Länder identifizieren sich schließlich mit der Flagge, da wäre ein Identifikationsmerkmal für sein Dorf doch auch nicht schlecht.

Er fing an zu recherchieren und kam zu folgendem Ergebnis: Eine Ortsgemeinde kann der Gemeindeordnung nach eine Flagge führen, wenn sie ein eigenes Wappen hat. Ockfen hat ein solches bereits seit 1952. Es zeigt „in Schwarz auf einem grünen Gestein einen silbernen rotbewehrten Bock, der mit dem rechten Vorderbein einen goldenen Abtstab und mit dem linken eine goldene Traube hält“. So heißt es in der offiziellen Wappenbeschreibung, die sich im Fachjargon Blasonierung nennt.

Die Flagge muss sich am Wappen orientieren. Nur Farben, die auch im Wappen vorkommen, können sich auch auf der Fahne widerspiegeln. Zusätzlich muss das Gemeindewappen auf der Flagge sein. Benzmüller schickte drei Entwürfe an die Landesarchivverwaltung, zu Händen von René Hanke, der dort kommunales Schriftgut betreut und in dieser Funktion auch neue Wappen- und Flaggenentwürfe prüft.

Nach einer zweieinhalbjährigen Prüfphase bekam der Ortschef eine Rückmeldung. Alle Entwürfe funktionieren demnach nicht. Hanke schickte aber Regeln mit. Es gibt in der Heraldik nur vier zulässige Farben, nämlich schwarz, rot, grün und blau. Dazu gesellen sich zwei Metalle, die durch Gelb für Gold und Weiß für Silber dargestellt sind. Metall darf nicht auf Metall und Farbe nicht auf Farbe treffen. Daher ist das schwarze Wappen, zur Hälfte auf grünem Grund, wie es Benzmüllers favorisierte, unzulässig.

Ein neuer Entwurf muss also her. Hoch im Kurs steht eine Flagge, im Aufbau ähnlich jener Spaniens. Die schmalen roten Streifen weichen Grünen, der breite gelbe Streifen einem Weißen, oder genauer gesagt Silbernen. Auf letzterem soll auch mittig das Ockfener Wappen positioniert werden. Dies würde dann die sogenannte Hissflagge, also eine, die am Mast hochgezogen werden kann und im Wind weht. Die Gemeinde darf jedoch auch eine Bannerflagge führen. Dafür wird die Flagge um 90 Grad gedreht und lang gezogen. Das Wappen bleibt in dem Fall natürlich hochkant.

Diese Regeln beschrieb Benzmüller auch dem Gemeinderat und erklärte dabei die grün-weiß-grünen Varianten zu seinen Favoriten. „Grün für den Weinbau“, sagt er. Weiß passe gut dazu und sei schließlich auch die dominierende Farbe im Wappen. Benzmüller überzeugte den Rat von seinem Vorhaben auch mit dem Verweis darauf, dass Prüfung und Genehmigung dafür ohnehin gratis seien. Für die Anschaffung der Flaggen könne im Ort gesammelt werden. „Außerdem hat Irsch auch eine“, scherzt der Ortschef. Die Nachbargemeinde führt ihre rot-gelbe Flagge bereits seit dem Jahr 2007.

Der Rat beschloss, die Flagge einzuführen, über das konkrete Design wird allerdings erst in einer der nächsten Sitzungen entschieden. Ideen für künftige Verwendungszwecke wurden ebenfalls geäußert. Zu allen Festen und auch bei einem besonderen Flaggenfest könnte das Symbol gehisst werden.

René Hanke vom Landeshauptarchiv Koblenz sagte auf TV-Nachfrage, dass in den ehemaligen Regierungsbezirken Trier und Koblenz durchschnittlich vier Flaggen im Jahr beantragt würden. Ein Verzeichnis, welche Gemeinden Flaggen führten, gebe es allerdings nicht.

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