Eine Frage des Standpunkts

"Man kann es nicht riechen, man kann es nicht schmecken, man kann es nicht sehen", hat Mathias Engelbrecht gesagt und damit beschrieben, wie schwer es ist, eine klare Aussage über die gesundheitlichen Auswirkungen des Mobilfunks zu treffen.

Die Netzbetreiber hierzulande werden nicht müde, zu betonen, dass die Emissionen weit unter dem Grenzwertbereich liegen, die gesundheitliche Gefährdung zu vernachlässigen sei. Für diese Annahme führen sie Aussagen anerkannter Institutionen wie der Strahlenschutzkommission des Bundes an. Tatsächlich gibt es bis heute keinen - nach wissenschaftlichen Kriterien - haltbaren Beweis für einen Zusammenhang zwischen Mobilfunkstrahlung und Erkrankungen wie Krebs. Internationale wissenschaftliche Untersuchungen legen gleichwohl zumindest Indizien offen. Wer - was häufig in der Diskussion geschieht - einen eindeutigen wissenschaftlichen Beweis fordert, sollte fairerweise auch den Forschungszeitraum berücksichtigen. Mobilfunk ist für die Forschung vielleicht gerade mal seit zehn Jahren ein Thema. Für eindeutige Rückschlüsse ist es also - nach wissenschaftlicher Zeitrechnung - ohnehin zu früh. In Könen berufen sich diejenigen, die die Antenne im Kirchturm zu verantworten haben, darauf, nach den gesetzlichen Bestimmungen gehandelt zu haben. Zu Recht. Keiner der Herren hat offenkundig am Gesetz vorbei gearbeitet. Auch die Tatsache, dass sich der Gemeinde so eine zusätzliche Einnahmenquelle auftut, ist in Anbetracht der Finanzsituation der Kirche(n) verständlich und keineswegs verwerflich. Es mag ja sein, dass die Pro-Antennen-Entscheider, wie sie beim Info-Abend mehrfach betonten, nach bestem Wissen gehandelt haben und sie die gesundheitliche Gefährdung vernachlässigungswürdig finden. Es gibt aber auch Menschen, die darüber anders denken und gerade, weil es keine Beweise gibt, einen zurückhaltenderen Umgang mit Techniken fordern, deren Konsequenzen für die Gesundheit nicht eindeutig geklärt sind. Die haben sich jetzt in Könen zu Wort gemeldet, die Kirche sollte ihre Ängste ernst nehmen. Eine Annäherung beider Seiten auf sachlicher, nicht auf emotionsgeladener Ebene wäre wünschenswert. Die Könener allerdings müssten sich erst einmal entscheiden, zu welcher Sichtweise sie tendieren. Denn eine Bürgerinitiative aus vier Personen hat in jedem Fall einen schweren Stand. s.windfuhr@volksfreund.de