Eine jüdische Familie auf Spurensuche in Konz

Eine jüdische Familie auf Spurensuche in Konz

Drei Israelis haben sich in Konz auf die Suche nach ihren Vorfahren gemacht. Ihr Großvater war vermutlich ein Zigarettenfabrikant aus Konz-Könen. Der Vater ist vor den Nazis nach Israel geflohen. Der TV hat die Familie Cohen auf der Suche nach ihren Wurzeln begleitet.

Edna Shefer ist ein wenig aufgeregt. Die Israelin will mehr über ihre Familie erfahren und hat sich deshalb auf den Weg nach Konz gemacht. Zusammen mit ihrer Schwester Maayan Erez, ihrem Bruder Elisha Cohen und ihrem Mann Isaac Silber ist sie aus Israel angereist, um auf Spurensuche zu gehen. Die Geschwister wollen herausfinden, wo ihre Vorfahren gelebt haben. Die Reise haben die beiden anderen Edna Shefer zum 70. Geburtstag geschenkt.
Durch jüdische Friedhöfe


Die Spurensuche gestaltet sich schwierig. Ihr Vater (Siegfried Kahn) habe nur wenig über seine Kindheit geredet, sagt Shefer. "Er hat uns nur erzählt, dass er als Kind an der Mündung der Saar in die Mosel gelebt hat." Um mehr herauszufinden, ist Shefer mit etlichen Fotos, Dokumenten und Akten, die sie in Israel gesammelt hat, nach Konz gekommen. Dort führen sie der Könener Ortsvorsteher Detlef Müller-Greis und Willi Körtels herum - zu den jüdischen Friedhöfen in Konz, Könen und Oberemmel, zur ehemaligen Synagoge in Wawern und zu Stolpersteinen in Wiltingen.
Körtels, ehemaliger Religions- und Deutschlehrer, ist Experte für jüdische Geschichte im Raum Trier. Sein erstes Fazit: "Es sieht nach erster Durchsicht der Akten danach aus, dass der Vorfahr ein Zigarettenfabrikant aus Konz-Könen war." In den Dokumenten aus Israel werde der Großvater der Drei, Hermann Kahn, als Zigarettenfabrikant bezeichnet.
Dass die Spur nach Könen führt, ist nicht überraschend. Dort war vor der Schreckensherrschaft der Nazis die größte jüdische Gemeinde in der heutigen Verbandsgemeinde Konz angesiedelt. Um 1900 waren von den etwa 600 Einwohnern 110 jüdisch. Selbst 1936 lebten noch 48 Juden in Könen. 39 von ihnen wurden laut Körtels von den Nazis getötet. Die Familie Kahn zog weg, bevor es zu spät war.
Flucht über Italien nach Israel


In Könen gab es früher fünf Familien Kahn. Siegfried Kahn hat in Israel den hebräischen, gleichbedeutenden Namen Cohen angenommen. "Rufst du in Israel Cohen, dreht sich die Hälfte der Menschen um", witzelt Elisha Cohen.
Der Weg von Siegfried Kahn (geboren am 13. April 1912) nach Israel verläuft nicht direkt. Die Familie zieht es nach dem Tod von Hermann Kahn, der 1918 im Ersten Weltkrieg gefallen ist, von Konz nach Sötern im Saarland, wo Siegfrieds Mutter Flora herkommt. Siegfried geht später nach Mannheim, wo er als Bankier arbeitet.
Kurz, nachdem die Nazis 1933 die Macht ergreifen, flüchtet Siegfried Kahn über Italien nach Israel. 1935 lernt er am Gardasee seine spätere Frau Hildegard Friedländer kennen. Später treffen sie sich im Kibbuz Hazorea (siehe Extra) wieder, wo ihre Kinder geboren werden. Edna Shefer lebt heute mit ihrem Mann in der Stadt Kfar Saba an der Grenze zum Westjordanland. Ihre Geschwister wohnen noch immer in Hazorea.
Jetzt sind sie acht Tage unterwegs, um Spuren ihrer Vorfahren zu suchen. Shefer war zwar schon häufiger in Deutschland, aber noch nie in Konz, dem Geburtsort ihres Vaters. Sie sei überrascht, dass alle so interessiert seien, sagt die 70-Jährige. Die mitgebrachten Akten hat sie für Körtels kopiert.
"Diese Dokumentfülle hätte ich gar nicht erwartet", schwärmt er. Zum Beispiel der Hinweis auf die Zigarettenfabrik sei ihm neu. An der Spur will er dranbleiben.Extra

Ein Kibuzz ist eine ländlich geprägte Agrarkommune in Israel. Die Bewohner eines Kibuzz orientieren sich an sozialistischen und basisdemokratischen Werten. Die Kibuzzim spielten bei der Besiedlung Israels eine wichtige Rolle. Der erste Kibuzz, Degania Aleph, wurde 1910 von einer Gruppe zionistischer Einwanderer aus Weißrussland gegründet. Hazorea liegt 22 Kilometer von der Hafenstadt Haifa entfernt und wurde 1936 von der jüdisch-deuschen Jugendbewegung Werkleute gegründet. Diese Bewegung bestand hauptsächlich aus Intellektuellen, die ihre Studien aufgegeben haben, um einen Neuanfang als Pioniere in Israel zu machen. Die Cohens waren von Anfang an dabei. (Quellen: hazorea.org.il, wikipedia.org) cmk

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