Eine Karte für die besten Wege

Die Verbandsgemeinden (VG) Hermeskeil, Kell und Ruwer haben erstmals eine gemeinsame Wanderkarte für die ganze Region erstellt. Dabei setzen sie bewusst auf das Motto "Mehr Klasse statt Masse". Auf nur selten genutzten Wegen wurden die alten Markierungen entfernt, so dass sich das Streckennetz in den drei VG von 800 auf 550 Kilometer reduziert hat. Geblieben sind nur die besten und beliebtesten Routen.

Der Saar-Hunsrück-Steig und die dazugehörigen Traumschleifen haben den Hochwald und das Ruwertal zu zunehmend beliebten Zielen für Wandertouristen gemacht. Daher mutet es auf den ersten Blick erstaunlich an, dass künftig in diesem Gebiet etwa ein Drittel der bislang bestehenden Wanderwege verschwindet.
Die Mitglieder im dafür verantwortlichen Verein Erholungsgebiet Hochwald (siehe Extra) haben sich aber ganz bewusst dazu entschieden, das Streckennetz weitmaschiger zu stricken und es von einer Gesamtlänge von 800 auf fortan 550 Kilometer zu reduzieren.

Denn: "Weniger ist mehr. Wir setzen auf hohe Qualität", sagt der Hermeskeiler VG-Chef Michael Hülpes. Und sein Keller Kollege Werner Angsten fügt hinzu: "Wir konzentrieren uns auf die Strecken, die von den Wanderern auch angenommen werden. Was hingegen an Wegen überholt ist und nicht mehr genutzt wird, fällt weg. Wir wollen die Besucher dorthin lenken, wo unsere Region besonders attraktiv ist."
Mit diesem Leitgedanken hat der Verein ein Projekt umgesetzt, "bei dem wir eine Vorreiterrolle im Land gespielt haben", betont Günther Schuh, Chef der Tourist info Ruwer.

Deshalb gab es aus Mainz auch einen hohen Zuschuss für den Naturpark Saar-Hunsrück. Dieser leitete das Geld - und zwar 80 Prozent der Gesamtkosten von 132 000 Euro - an den Verein Erholungsgebiet Hochwald weiter. Carmen Fischer von der Naturpark-Geschäftsstelle in Hermeskeil begründet das so: "Dieses Vorhaben passt sehr gut zu unserem Handlungsfeld der naturnahen und naturverträglichen Erholung."
Doch wie bringt der Verein konkret sein Streckennetz auf Vordermann? Zunächst hat Wegewart Andreas Ludwig seit Sommer 2012 mit Hilfe von Geografie-Studenten die Schilder an den alten, nur noch selten genutzten Pfaden von den Bäumen entfernt. Diese Wege wurden somit zurückgebaut.

"Es ist ja Unsinn, Strecken dort auszuweisen, wo fast parallel eine Traumschleife verläuft" sagt Ludwig. Deshalb sind gerade im Umfeld dieser Premium-Rundkurse mehrere alte Wanderwege weggefallen. Das gilt beispielsweise für Rascheid, wo Ludwig Ortsbürgermeister ist. "Auch bei uns gibt es jetzt drei Wege weniger", sagt der Kaseler Gemeindechef Karl-Heinrich Ewald.

Im April 2013 ist die zweite Phase angelaufen. Ludwig und die Studenten bringen auf den noch übrig gebliebenen Strecken neue Markierungen an, damit sich die Wanderer dort noch besser orientieren können. "Wir werden insgesamt rund 15 000 Schilder aufhängen", sagt Ludwig. Bis Herbst sollen diese Arbeiten abgeschlossen sein.

Auf der Grundlage des künftigen Streckennetzes haben die drei VG zudem eine neue, völlig aktualisierte Wanderkarte herausgebracht.
"Das Besondere ist, dass sie erstmals die gesamte Gebietskulisse des Vereins abbildet", betont Hülpes. Bisher gab es zwei getrennte, aus dem Jahr 2002 datierende Karten, die zum einen den Bereich Hermeskeil/Ruwer und zum anderen die VG Kell abbildeten. Wanderer mussten diese Karten bisher auf größeren Touren nebeneinander aufklappen.

Auf der neuen Karte ist nun auf einen Blick der Verlauf des Steigs und aller neun Traumschleifen in den drei VG ersichtlich. Die Ortsverbindungswege sind mit den neuen Markierungen eingezeichnet. "Früher hatten wir auf den Schildern Symbole wie Fische oder Eulen. Das hat sich aber nicht bewährt. Wir markieren die Wege jetzt mit dem abgekürzten Ortsnamen und einer Zahl", so Ludwig. Wer also beispielsweise auf den drei Strecken rund um Schöndorf unterwegs ist, muss auf die Schilder "Sd 1, 2 oder 3" achten.
Extra-Faltblätter hat der Verein zudem zu den sechs Themenrundwanderwegen entlang der Ruwer veröffentlicht. Die neue Wanderkarte Erholungsgebiet Hochwald und Ruwertal im Maßstab 1: 35 000 ist in einer Auflage von 6000 Exemplaren erschienen.
Sie ist zum Preis von 5,95 Euro bei den Tourist-Informationen in den drei VG oder im Buchhandel erhältlich.Extra

Der Verein Erholungsgebiet Hochwald zwischen Mosel und Saar wurde 1967 gegründet. Mittlerweile gehören ihm die drei Verbandsgemeinden Ruwer, Kell am See und Hermeskeil, 46 Ortsgemeinden und 50 private Mitglieder - zum Beispiel Gastronomiebetriebe - an. Der Verein deckt ein 363 Quadratkilometer großes Gebiet ab. Er kümmert sich unter anderem in der Person des Wegewarts Andreas Ludwig um die Pflege und Unterhaltung der regionalen Wanderwege im Hochwald und im Ruwertal, des Saar-Hunsrück-Steigs sowie der daran angedockten Traumschleifen und zum Beispiel auch des Ruwer-Hochwald-Radwegs zwischen Hermeskeil und Trier-Ruwer. cweb