Eine Königin für die wilden Narzissen

Schillingen · Erstmals repräsentiert eine Narzissenkönigin die botanischen Kostbarkeiten beim rheinland-pfälzischen Narzissenfest in Schillingen. Wenige Tage nach seinem Start haben rund 3000 Besucher den Frühling bei der siebten Auflage der Feier genossen. Die auch Osterglocken genannten Blumen sind in freier Natur zur Seltenheit geworden.

Schillingen. "Ich werde die Schönheit dieser Blumen ein Jahr lang im Herzen tragen", verspricht die erste Narzissenkönigin, Andrea I., die bei der Eröffnung des Festes zu Ehren der Wildblume in Schillingen ihr Amt antrat. Der Bürgermeister der Verbandsgemeinde Kell, Werner Angsten, und Ortsbürgermeister Markus Franzen legen der 26-Jährigen die Schärpe um.
Rund fünf Kilometer von der Freizeitanlage mit Weiher und Spießbratenhalle entfernt, liegt die Blumenwiese mit den wilden Narzissen. Kleinbus oder die eigenen Füße bringen die rund 3000 Besucher an diesen besonderen Ort, wo der Frühling hautnah zu erleben ist. "Hier ist der Boden mager und sauer. Nur so gedeiht die wilde Narzisse", erklärt Förster Michael Marx. Strenge Auflagen sind vom Gesetzgeber erlassen worden, damit das so bleibt. Pflücken oder auch die Blumenzwiebeln aus der Erde holen, ist streng verboten.
"Wir müssen in jedem Jahr etwas Neues anbieten", findet Walburga Meyer, Geschäftsführerin des Vereins Hochwald- Ferienland. Die neue Narzissenkönigin passe gut ins Gesamtkonzept mit der Vermarktung von gesunder Natur und Freizeiterlebnis.
Wie viel Arbeit Narzissen in der Nachzucht machen, weiß Andrea Henn nur zu gut aus der Aufzucht dieser Blumen im elterlichen Betrieb: "Und hier wachsen die einfach so auf der Wiese."
Das freut ganz besonders Manfred Weishaar vom NABU Region Trier, der seit 20 Jahren Wanderungen zu den Narzissenwiesen anbietet. "Das ist jedes Mal ein Erlebnis und der schönste Gruß des Frühlings", sagt der Naturschützer.
Ein Erlebnis ist auch das Angebot an den 15 Ständen im Freizeitzentrum. "Wir legen großen Wert auf natürliche Produkte und kunstvolle Handarbeit", erklärt Walburga Meyer. Eine weitere Attraktion ist das Falknerpaar Anne und Dieter Stief aus Schöndorf mit seinen gefiederten Freunden. Besonders Moritz, der achtjährige Uhu, hat es den rund 3000 Besuchern des Tages angetan.
Der Musikverein aus dem saarländischen Buweiler spielte abwechslungsreiche Stücke. Die gesamte Region feierte mit dem Narzissenfest den Beginn der neuen Urlaubssaison.
Das Narzissenfest ging aus dem Ruwer-Randstreifenprogramm der Landesregierung hervor. "Wir wollten mit dem Fest eine nachhaltig wirkende Bewusstseinsförderung betreiben", erklärt Bürgermeister Angsten und fügt hinzu: "Wenn anderswo die Mandelblüte gefeiert wird, feiern wir die Narzisse." Das sei ein Alleinstellungsmerkmal, mit dem die Natur dem Menschen nähergebracht werden kann.
Stammgast beim Narzissenfest ist Margit Karges aus Schillingen, die stolz auf die heimische Blume ist: "Die Narzisse, das ist ein Stück Heimat."

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