Eine Regentschaft im Rückblick

15 Jahre - und damit länger als alle ihre Vorgänger - regierte Ilona König als Stadtbürgermeisterin in Hermeskeil. Am 7. Juli geht mit der konstituierenden Sitzung des neu gewählten Stadtrats, an dessen Spitze Udo Moser von der BFB stehen wird, die Amtszeit der 60-jährigen CDU-Politikerin zu Ende. Der TV zieht eine Bilanz. Hochwaldhalle, Ruwer-Hochwald-Radweg, Hochwaldmuseum, H-Town, Hela-Markt - die Liste der erfolgreichen Vorhaben in der Amtszeit von Bürgermeisterin Ilona König ist lang. Sie selbst stellt 18 Vorhaben heraus.

Hermeskeil. Wenn Ilona König auf ihre Regentschaft in der Stadt zurückblickt, dann fasst sie dieses Wirken wie folgt zusammen: "Im Ganzen war es eine interessante, manchmal schwierige, aber überwiegend gute Zeit." 15 Jahre lang hat die gebürtige Berlinerin die politischen Geschicke Hermeskeils bestimmt. Ein überraschender Sieg über den damaligen Amtsinhaber Albert Kampmann von der SPD sicherte der CDU-Frau 1994 den Posten als Stadtbürgermeisterin. Zwei Mal (1999 und 2004) wurde sie wiedergewählt, bevor König schon im Dezember 2006 ankündigte, dass sie sich nach dem Ende ihrer dritten Amtszeit aus der Politik zurückziehen würde.

Dieser Moment ist nun gekommen. Der 7. Juli ist Ilona Königs letzter Arbeitstag als "Frau Bürgermeisterin". Ihre letzte Aufgabe in der Stadtratssitzung wird es sein, ihren frisch gewählten Nachfolger Udo Moser in sein Amt einzuführen. Dass sie sich einen anderen "Erben" als ihren langjährigen politischen Widersacher gewünscht hätte, versteht sich fast von selbst. Die 60-Jährige betont jedoch: "Die Sache ist gelaufen, und ich trete nicht nach. Dem neuen Stadtbürgermeister wünsche ich im Sinne der Weiterentwicklung Hermeskeils, dass er die schwierige Aufgabe schafft, auch Mehrheiten für seine Ideen zu finden."

Ihr selbst sei das als Stadtbürgermeisterin zumeist gelungen, so die Selbsteinschätzung der gelernten Erzieherin. "Natürlich habe ich nicht alles, was ich mir vorgenommen habe, auch umsetzen können. Mit den großen und wichtigen Projekten hat es aber geklappt." 18 aus ihrer Sicht erfolgreiche Vorhaben weist die Liste aus, die sie am Ende ihrer Amtszeit für sich selbst aufgestellt hat.

Auf die Frage nach Fehlern, die sie in ihrer Amtszeit gemacht habe, antwortet König: "Man kann sicher nicht alles richtig machen. Es gibt aber keine Entscheidung, die ich bereuen würde". Zurück weist sie auch die zuletzt von der SPD geäußerte Kritik, dass in ihrer Amtszeit der Schuldenberg auf Vier Millionen Euro angewachsen sei und König der Stadt damit ein "langfristiges Abschiedsgeschenk" beschert habe. Zum einen, betont König, basieren die die Schulden verursachenden Investitionen auf Beschlüssen, die der Stadtrat zumeist mit "breiten Mehrheiten" auf den Weg gebracht habe. Zum anderen seien in ihrer Amtszeit auch Werte geschaffen worden. Auf 36 Millionen Euro wird in der neuen Haushaltssystematik der Doppik das Vermögen der Stadt Hermeskeil taxiert, und die scheidende Stadtbürgermeisterin betont: "Auch das gehört zu meinem Erbe mit dazu."

Juni 1994: Sieg in der Stadtbürgermeister-Stichwahl mit 55,05 Prozent über Albert Kampmann (SPD).

August 1994: Amtseinführung als neue Stadtbürgermeisterin von Hermeskeil.

1998: Eröffnung des neuen Jugendzentrums in der Schulstraße.

1998: Die Distributa GmbH kündigt als Besitzer des Hela-Markts das Verlassen des bisherigen innerstädtischen Standorts in der Donatusstraße an. Der Hermeskeiler Stadtrat beschließt mehrheitlich die Ausweisung eines Sondergebiets im Stadtteil Abtei.

Juni 1999: Wiederwahl als Stadtbürgermeisterin mit 59,2 Prozent. Udo Moser (damals SPD) unterliegt mit 40,8 Prozent.

September 2000: Einweihung der neuen Hochwaldhalle.

Herbst 2002: Der Hela-Markt zieht von der Innenstadt in das Sondergebiet Abtei um.

Juni 2003: Eröffnung des Hochwaldmuseums.

Juni 2004: Sieg in der Stichwahl mit 53,92 Prozent über Udo Moser von der neu gegründeten BFB.

November 2004: Das Bundesverteidigungsministerium kündigt die Schließung der Hochwaldkaserne zum 31. Dezember 2006 an.

September 2006: Eröffnung des neuen Einkaufszentrums auf dem alten Hela-Gelände in der Innenstadt.

Dezember 2006: Ilona König erklärt, dass sie sich nach Ablauf ihrer dritten Amtszeit im Sommer 2009 aus der Politik zurückziehen will.

Dezember 2008: Rückschlag beim vorgesehenen Bau des Feuerwehrmuseums am "Neuen Mark". Der bisherige Planer und Gastronomie-Betreiber springt ab.

Meinung

Zu viele Baustellen

Ich hätte es gerne einfacher gehabt", sagte Ilona König einst in einem TV-Interview über ihre Aufgabe als Stadtbürgermeisterin. Damit hat die CDU-Politikerin selbst eingestanden, dass es in ihrer Regierungszeit nicht immer glanzvoll in Hermeskeil zuging und ihre Regentschaft auch Schattenflecke aufweist. In den 15 Jahren ihrer Amtszeit hat die Hochwaldstadt zwar sehr wohl einige neue Einrichtungen - etwa die Hochwaldhalle und das jedoch nicht unumstrittene Heimatmuseum - hinzugewonnen, die Hermeskeils Funktion als Mittelzentrum aufgewertet haben. Zudem kann König für sich in Anspruch nehmen, dass sie einige private Investoren anlocken konnte, die beispielsweise mit dem Bau der Seniorenresidenz am Stadtpark oder dem neuen Einkaufszentrum in der Donatusstraße das Stadtbild auch architektonisch bereichert haben. Dennoch gibt es in Hermeskeil einfach noch zu viele Baustellen und zu viele ungelöste Probleme, um die Ära König als "Erfolgsgeschichte" bezeichnen zu können. Wohlgemerkt: Für manche Negativ-Entwicklung kann man sie nicht haftbar machen. So ist es der Stadtbürgermeisterin nicht anzulasten, dass der Bund das Aus für die Hochwaldkaserne besiegelt hat. Dass aber aus den beiden wichtigsten Projekten in der Innenstadt, dem Bau des Feuerwehrmuseums und der Umgestaltung des Bahnhofsvorplatzes, Hängepartien geworden sind und der Start der Bauarbeiten weiter auf sich warten lässt - diesen Schuh muss sich König aber anziehen. Ihr Nachfolger Udo Moser hat das in der Vergangenheit ausgiebig angeprangert. Er hat nun die Gelegenheit zu beweisen, dass er es nicht nur kritisieren, sondern auch besser machen kann. a.munsteiner@volksfreund.de