"Eine saubere Sache"

HERMESKEIL. Großer Andrang herrschte am Infotag des Hermeskeiler Krematoriums. Rund 1300 Besucher ließen sich Vor- und Nachteile der Einäscherung erklären.

Die zahlreichen Autokennzeichen aus anderen Kreisen im Industriegebiet Grafenwald lassen darauf schließen, dass der Tag der offenen Tür im Hermeskeiler "Ignarium" überregional auf Interesse stößt. In Gruppen werden die Besucher durch das Gebäude geführt und von Manfred und Axel Baumann mit Informationen rund um die Feuerbestattungsanlage versorgt. Mit Muffensausen zum Tag der offenen Tür

"So etwas wird sich durchsetzen", prophezeit Fredi Hubertus aus Hermeskeil nach einer Führung. "In Amerika ist das schon lange gang und gäbe." Ein komisches Gefühl im Bauch verspürt die 13-jährige Geisfelder Schülerin Helena: "Ich hatte zu Hause schon Muffensausen und muss das alles einmal verdauen." Cornelia Wahlen aus Geisfeld ist durch den Besuch im "Ignarium" in ihrem Beschluss, eine Feuerbestattung zu wählen, bestätigt worden. "Ich habe mich vor 20 Jahren bereits dafür entschieden, und ich habe Recht behalten", sagt sie. Vor- und Nachteile dieser Bestattungsart werden bei den Besucher hin und her diskutiert. "Viele Friedhöfe sind sowieso schon überlagert. Wie soll das in den kommenden Jahren dort weitergehen? Die Zukunft liegt in der Feuerbestattung", erklärt Klaus Klink aus Konz. Am frühen Nachmittag nimmt der Andrang weiter zu, aber die Besucher nehmen die Wartezeiten geduldig in Kauf. Positiv gestimmt verlässt Martina Stürmer aus Morbach-Rapperath die Räumlichkeiten: "Ich finde so was sehr gut. Das ist eine saubere Sache", sagt die Altenpflegerin. Ihre Mutter Gertrud hingegen befindet sich im Zwiespalt "Das ist eine andere Art der Verabschiedung. Seit meiner Kindheit habe ich Beerdigungen auf den Friedhof miterlebt. Es ist noch alles so fremd für mich", sagt die 76-jährige Rentnerin. Dass bei dieser Bestattungsform die Grabpflege entfällt, ist für viele Interessenten ein dicker Pluspunkt. Für Waltraud Prümm aus Wittlich-Wengerohr hat sich der Rundgang in jeglicher Hinsicht gelohnt: "Mir persönlich hat es die Angst genommen. Wenn ich dagegen sehe, wenn ein Sarg in die Erde hinab gelassen wird - furchtbar", schildert sie ihre Eindrücke. Auch jüngere Leute wie Jens Schwind aus Reinsfeld sehen die Feuerbestattung als Schritt in die richtige Richtung. Der 22-Jährige empfindet die herkömmliche Art der Friedhofsbestattung als "überholt". "Mich hat die Technik sehr interessiert, und ich bin gut informiert worden", sagt Ali Muzak aus Hermeskeil. Zufrieden ist Geschäftsführer Manfred Baumann, der mit einem derartigen Besucherandrang nicht gerechnet hatte. "Mit 1300 Besuchern hatten wir eine riesige Resonanz", resümiert Baumann nach dem Infotag im "Ignarium".