Eine Trüffelplantage für Nittel

Eine Trüffelplantage für Nittel

Erfolgreich Trüffel suchen an der Mosel? Dank zweier Forscher und eines findigen Försters könnte das bald Realität sein. In einem Waldstück bei Nittel wollen sie Trüffel-Eichen pflanzen. Langfristig birgt der Plan sogar eine Einnahmemöglichkeit für die Gemeinde.

Nittel. (cmk) Denkt der Mensch an Trüffel, hat er ein schnüffelndes Schwein vor Augen. Es rennt durch den Wald und durchwühlt den Boden, um die teure Delikatesse freizulegen. Trüffel sind die teuersten Speisepilze der Welt. Wer sie findet, kann viel Geld verdienen (siehe Extra). Das ist ein romantisch verklärter Blick auf die Trüffelsuche. Statt der Schweine wühlen inzwischen speziell ausgebildete Hunde nach den Pilzen. Sie wachsen auch nicht mehr nur wild, sie werden auch angebaut - im März auch in einem Waldstück bei Nittel.

Dass der Obermoselort bald zu einem von drei Standorten in Deutschland wird, an dem eine wissenschaftlich betreute Trüffelplantage entsteht, verdankt die Gemeinde ihrem Revierförster. Peter Strupp ist wegen eines Vortrags auf eine Geschäftsidee von zwei Forschern aus Freiburg gestoßen. Ludger Sproll und Ulrich Stobbe erforschen seit drei Jahren den Anbau von Burgundertrüffeln. Die Forscher züchten Stiel-Eichen. Das Wurzelsystem jedes einzelnen Baumes behandeln sie mit Trüffelsporen. Die Bäume, bei denen sie die Ausbreitung der Trüffelsporen mikroskopisch nachgewiesen haben, stehen für 25 Euro pro Stück zum Verkauf. "Wir wollen das richtig als Wirtschaftszweig aufleben lassen", sagt Sproll. Der Anbau von Trüffeln sei profitabel. In Frankreich würden bis zu 400 000 Trüffelbäume pro Jahr gepflanzt. Deutschland habe hingegen seine Trüffeltradition, die im 19. Jahrhundert begründet liege, aus den Augen verloren.

Chance für Tourismus und Gastronomie



"Der Muschelkalkboden an der Obermosel ist besonders für den Trüffelanbau geeignet", sagt Sproll. Er sieht in der Trüffelplantage bei Nittel eine nachhaltige Chance für die Gemeinde und die ganze Region - vor allem für den Tourismus und die Gastronomie. Er hält es für möglich, dass die Gemeinde langfristig mit den Trüffeln Geld verdient.

Revierförster Strupp denkt zwar nicht, dass mit den Trüffeln Gemeindefinanzen aufpoliert werden können, aber er sieht darin einen interessanten zusätzlichen Aspekt in seinem Forst. Deshalb hat er dem Nitteler Gemeinderat vorgeschlagen, auf einer 0,6 Hektar großen Waldfläche, die im Februar 2010 vom Sturmtief Xynthia heimgesucht wurde, die Trüffelbäume der Freiburger Forscher anzupflanzen. Laut dem Beschluss des Nitteler Gemeinderats werden dort jetzt 350 Trüffelbäume gepflanzt. Die Trüffelplantage kostet die Gemeinde nicht mehr als ein normales neues Waldstück. Zwar sind 10 000 Euro für das Pilotprojekt vorgesehen, es ist aber förderfähig. Die Hälfte kommt aus dem Leader-Förderprogramm des Landes. Wenn alles nach Plan läuft, steht in sieben Jahren die erste große Trüffelernte an. Die Nitteler Trüffelart ist die drittkostbarste der sieben Speisetrüffelarten. Ein Kilo Burgundertrüffel kostet 300 bis 500 Euro. Auch die Geschäftsführerin der Saar-Obermosel-Touristik Stefanie Koch findet das Trüffelprojekt gut: "Alles, was außergewöhnlich ist, kommt bei den Leuten gut an." ExtraTrüffel: Von insgesamt rund 140 Trüffelarten sind laut Forscher Ludger Sproll sieben essbar. Am teuersten sind weiße Trüffel. Sie sind schon für 9000 Euro pro Kilo verkauft worden. Beliebt sind auch Produkte mit Trüffel-aroma - zum Beispiel Pralinen. Infos zu den Trüffelforschern im Internet unter www.deutsche-trueffelbaeume.de