Eine wertvolle Anlaufstelle
Betroffene und Angehörige haben das zehnjährige Bestehen des Gemeindepsychiatrischen Betreuungszentrums Hermeskeil gefeiert. Dieses stellt sich bereits auf die Probleme der Zukunft ein: intensive Persönlichkeitsstörungen durch Haschisch- und Cannabis-Konsum.
Hermeskeil. Ein wenig haftet ihm noch immer eine Art Modellcharakter an. Doch für Betroffene und deren Angehörige ist das Gemeindepsychiatrische Betreuungszentrum in Hermeskeil längst unverzichtbar. Unter der Leitung von Werner Quetsch betreut das Haus der Barmherzigen Brüder Schönfelder Hof derzeit 43 Menschen. Darunter auch Marlies Knorz, der es dort nicht nur an Festtagen wie der Feier des zehnjährigen Bestehens sehr gut gefällt.
Vielfältige Angebote für Betroffene
Die Begründung sprudelt nur so aus ihr heraus: "Weil wir alle zwei Wochen kegeln und einmal im Monat einen Ausflug machen und ich hier eine eigene Wohnung habe." Außerdem könnten sie sich alle jederzeit an jemanden im Haus wenden, schätzt auch Wilfried Langguth das Zentrum.
Die Angebote, die den Menschen dort zur Verfügung stehen, sind vielfältig. Gerade im ambulanten Bereich sei das mehr und mehr gewachsen, erklärt Quetsch. Laut Albert Maudler, verantwortlich für die Gemeindepsychiatrie-Angebote des Schönfelder Hofes, sind auch die Finanzierungsmöglichkeiten für die Betreuung in den privaten Wohnungen flexibler geworden. Jeder erhalte ein passgenaues, nach oben unbegrenztes, persönliches Budget - zugeschnitten auf die jeweiligen Bedürfnisse.
Denn die seien sehr unterschiedlich, da je ein Drittel ihrer "Klienten" gesundet sei oder "chronifiziert" oder phasenweise immer wieder erkranke. Das Ziel solcher Zentren mit ambulanten und teilstationären Angeboten ist laut Maudler, "weg von den Heimen, von den stationären Einrichtungen und den Kliniken".
Seine Bilanz zehn Jahre nach Gründung des Hochwald-Standortes - dem ersten von fünf des Schönfelder Hofes, der mehr als 450 Menschen betreut: "Wir sind richtig angekommen hier in Hermeskeil und haben auch sehr gute Kontakte in den Gemeinden." Die Gründung solcher Zentren basiere auf dem Landespsychiatriegesetz von 1996, das die Kommunen bei der nachklinischen Versorgung psychisch Kranker in die Pflicht nehme. Das Haus müsse Jedem helfen, der Hilfe wolle, erklärt Maudler. Und das unabhängig vom Grad der Erkrankung.
Was derzeit vermehrt festzustellen sei, seien "intensive Persönlichkeitsstörungen" bei jungen Menschen, die als Jugendliche Haschisch oder Cannabis konsumiert hätten. "Die Folgen bekommen wir immer mehr zu spüren - und die werden zunehmen, wenn da nichts passiert", prognostiziert Maudler. "Das ist ja schon Realität", bekräftigt Peter Mossem, beim Schönfelder Hof zuständig für Öffentlichkeitsarbeit. "Und mit unseren jetzigen Strukturen kommen wir bei den Klienten nicht mehr an", verweist er auf entsprechend "schlechte Prognosen". Extra Angebote des Zentrums: Kontakt- und Beratungsstelle mit Offenem Freizeitreff, Teestube, Einzelberatung, Kulturangeboten, Gesprächskreisen und Hilfsangeboten. Tagesstätte mit Ergo- und Arbeitstherapie, Förderung des Kommunikations- und Sozialverhaltens sowie der kognitiven Fähigkeiten, Haushaltstraining, Üben von Tages- und Wochenplanung, Thematisierung von Alltagsproblematik, gemeinsame Freizeit- und Urlaubsaktivitäten. Wohnangebote im Haus: Eine intensiv betreute Wohngruppe mit fünf Plätzen, Einzelappartements und Betreuung in der eigenen Wohnung. Ambulant: Eingliederungshilfe, Sozialtherapeutische Begleitung. (urs)