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"Einfach ein wenig Freude verschenken"

"Einfach ein wenig Freude verschenken"

Statt sich mit ihrem Abitur in der Tasche einen Faulenzer-Urlaub zu gönnen, flog Nina Philippi aus Kell nach Südafrika. In einem Kindergarten in der Nähe von Kapstadt packt sie im Rahmen von "Work-and-Travel"-Freiwilligenarbeit ehrenamtlich mit an.

Kell/Kapstadt. Strom nur gegen Vorauskasse und als einziges Spielgerät eine Schaukel, die so kaputt ist, dass sich Kinder ständig daran verletzen. Für Nina Philippi steht fest: Sie will das nicht einfach so hinnehmen und möchte helfen, was allerdings sehr schnell gehen muss. Denn die 19-Jährige aus Kell, die gerade ihr Abitur gemacht hat, leistet nur für zwei Monate Freiwilligenarbeit in einem Kindergarten nahe Kapstadt. Und da sie am 26. März in Südafrika ankam, geht es am 13. Mai schon wieder zurück nach Deutschland. Noch hofft sie, bis dahin erfolgreich die Spendentrommel schlagen zu können. Sie möchte den Kindern eine neue Schaukel kaufen und neue Matratzen statt ihrer löchrigen. Und sollte noch mehr Geld zusammenkommen, will sie Supermarkt-Gutscheine kaufen, um den Kindern zumindest für eine geraume Zeit zu einer täglichen warmen Mahlzeit zu verhelfen.
"Die Umstände hier sind sehr erschreckend, gefährlich und unhygienisch", schreibt sie in einer E-Mail an den Trierischen Volksfreund. Dabei brauche es oft gar nicht viel, dass Kinder sicherer spielen könnten. "Ein paar Euro sind für uns nur ganz wenig - doch für die Menschen hier sehr viel", hofft sie, zumindest ein klein wenig erreichen zu können. Kleinigkeiten kaufe sie auch zwischendurch mal selbst, nennt sie als Beispiel die statt einer durchlöcherten Plastiktüte für Stifte erstandene Kunststoffbox. Es fühle sich einfach gut an, Freude verschenken zu können. "Zusammen machen wir die Welt ein bisschen besser", appelliert sie an potenzielle Unterstützer, denen sie in ihrem Blog (npsa96.wordpress.com) Einblick in ihre tägliche Arbeit gewährt.
Vier Tage die Woche fängt der Tag für sie und eine weitere deutsche Ehrenamtliche sowie vier Betreuerinnen des Hauses damit an, Frühstücksbrei zu kochen. "Wenn nicht gerade das Elektrizitätsguthaben aufgebraucht ist", grenzt Nina ein. Die Älteren der Kinder im Alter von sechs Monaten bis sechs Jahren essen eigenständig, die Kleineren werden gefüttert. Danach spülen sie das Geschirr und beaufsichtigen bis zu 40 Kinder. Und das auf engstem Raum in einem Zimmer, in dem nicht nur gegessen und geschlafen, sondern auch gespielt, gesungen oder gebastelt wird. Einen Ausflug auf einen nahen Spielplatz hat sie in sehr schlechter Erinnerung behalten. Überall hätten Kondome herumgelegen und da Kinder ja gern alles anfassten oder auch in den Mund steckten, hätten sie extrem aufpassen müssen: "Da wird einem das HIV-Problem nochmal richtig bewusst", spricht sie von einem schockierenden Erlebnis.
Nina entschied sich bewusst für Afrika, als sie nach ihrem Abitur ins Ausland wollte. Sie sei sicher gewesen, dass ihre Hilfe hier gebraucht werde. Dass sie nun in Kapstadt ist, ergab sich aber eher zufällig aufgrund von Work-and-Travel-Angeboten, die solche Aufenthalte gegen Eigenbeteiligungen anbieten. Belohnt für ihr Engagement wird sie mit außergewöhnlichen Freizeiterlebnissen. Einmal seien sie auf den Tafelberg geklettert, schwärmt sie von der traumhaften Aussicht: "Das ist definitiv eines der Dinge, die man machen muss, wenn man in Kapstadt ist." Ganz zu schweigen von "Gänsehautmomenten" wie auf einer Safari im Addo-Nationalpark. Dort sah sie in freier Wildbahn Elefanten, Zebras, Büffel, Pinguine - und nur zwei Meter entfernt einen Löwen. Ihre beeindruckendsten Erlebnisse seien jedoch das Bungeejumping von der höchsten Bungeebrücke der Welt und das Tauchen mit Weißen Haien gewesen. In einem Käfig sei sie nur wenige Zentimeter von den "gigantischen und wundervollen Tieren" entfernt gewesen.
Wer Nina in ihrem Engagement unterstützen möchte, kann spenden an Agnes Philippi (ihre Mutter): IBAN DE22585501300002506558, Sparkasse Trier.