Einfach nur da sein

WELSCHBILLIG. (hme) Mit dem Senioren-Besuchsdienst der Caritas-Sozialstation Welschbillig soll älteren Menschen, die unter Einsamkeit oder Isolation leiden, geholfen werden. Die Seniorin Susanna Müller aus Zemmer ist von dieser Einrichtung begeistert.

Man merkt ihr die Freude an. Susanna Müller, 78 Jahre alt, möchte es nicht mehr missen, dass sie einen Menschen hat, der sie wöchentlich besucht, mit ihr spricht, zuhört und mit ihr vieles unternimmt. Nicht immer ist bei älteren Menschen die Familie dazu in der Lage. Ehepartner, Freunde oder Bekannte sind bereits verstorben. Die Kinder sind häufig weggezogen, und die eingeschränkte Beweglichkeit bindet zunehmend an die eigenen vier Wände. Maria Stark, 68, war schon immer sozial engagiert. Lange Zeit kümmerte sie sich um Demenzkranke. Doch dann schloss diese Gruppe. Nun war sie wieder auf der Suche nach einer sozialen Aufgabe. Da hörte sie von der Caritas-Mitarbeiterin Stephanie Neukirch-Meyer vom Senioren-Besuchsdienst. Für Maria Stark klang das sehr interessant. Über Umwege kam sie schließlich an Susanna Müller. Die beiden sind ein ideales Paar. Schon als Kinder haben sie sich gekannt, beide kommen aus Zemmer-Rodt. Für Susanna Müller war es daher viel einfacher, die fremde Hilfe anzunehmen. Zuerst war sie skeptisch. Heute sagt sie: "Ich war dann aber sehr froh, dass Frau Stark da war." Auch wenn Sozialarbeiterin Neukirch-Meyer anfänglich ein wenig Überzeugungskraft leisten musste, freut sich Susanna Müller heute umso mehr auf die wöchentlichen Besuche. "Wir gehen gemeinsam spazieren, auf den Friedhof, oder wir fahren nach Schleidweiler zur Kapelle." Die Gespräche drehen sich meist um gemeinsame Erfahrungen oder aktuelle Probleme. "Es sollen keine Versorgungsleistungen wie Hauswirtschaft oder Pflege übernommen werden", betont Sozialarbeiterin Neukirch-Meyer. "Uns geht es um Geselligkeit und gegebenenfalls Beaufsichtigung." Nicht alle betreuten Senioren sind so fit wie Susanna Müller. Roswitha Madertz zum Beispiel betreut eine 94-jährige Demenzkranke. "Sie erkennt mich zwar bei den Besuchen nicht wieder, doch ich merke, dass sie sich jedes Mal über den Besuch freut." Manchmal klappt es auch gar nicht miteinander. Schließlich müssen sich Besuchte und Besuchende verstehen, Vertrauen aufbauen. Damit das auch klappt, werden die ehrenamtlichen Mitarbeiter des Senioren-Besuchsdiensts von der Sozialarbeiterin ausführlich in ihre Aufgabe eingewiesen. "Besondere Voraussetzungen erwarten wir nicht von unseren Ehrenamtlichen", sagt Neukirch-Meyer. Natürlich solle Einfühlungsvermögen und Verständnis für ältere und kranke Menschen vorhanden sein. Auch Kommunikationsfähigkeit und psychische Stabilität seien gefragt. Für Maria Stark sind die Besuche bei Susanna Müller eine Bereicherung. Obwohl die 68-Jährige selbst mit Haushalt, Pferden und anderen Aufgaben gut ausgelastet ist, hat auch sie viel Freude an den Besuchen. "Ich mache das jetzt etwa seit einem Jahr. Solange wir beide das noch können, höre ich nicht auf, dafür macht uns das viel zu viel Spaß", sagt Stark. Wer beim Senioren-Besuchsdienst mitmachen möchte, kann sich an die Caritas-Sozialstation in Welschbillig, Sozialarbeiterin Stephanie Neukirch-Meyer, Telefon 06506/99049, wenden.

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