Eingemeißelte Warnung

Zur Berichterstattung über den jüdische Friedhof in Niederleuken (TV vom 5. Oktober):

Um dem Ansinnen unserer Vorfahren und der Bedeutung des Kriegerdenkmals gerecht zu werden, folgende Anmerkung: Dieses wurde in den Jahren 1931/32 uneigennützig, mit großem Opferwillen und mit eigenen Mitteln von der Dorfbevölkerung errichtet. Der Ort Niederleuken hatte vor dem Ersten Weltkrieg etwa 360 Einwohner, davon fielen 27 im Krieg, was einem Verlust annähernd einer gesamten männlichen Altersgruppe gleich kam. Der Plan, sich diesen blutjungen Menschen "ewig" zu erinnern und ein "Denkmal zu setzen", entwickelte sich schon bald nach dem Krieg. Kaplan Speicher hatte begonnen, Gelder zu sammeln. Die Ursprünge des Unterhaltungsverein (UV) Niederleuken liegen in der Gründung einer Theater-Gruppe (1925), welche, beginnend mit dem ersten öffentlichen Auftritt, Mittel erwirtschaften wollte, um ein "Dorfwahrzeichen zur Erinnerung an die gefallenen Helden" mit zu finanzieren. Leider zog sich die Entwicklung hin: das Geld war knapp, um den Standort gab es Diskussionen, es fehlte offensichtlich an einer bestimmenden Persönlichkeit. Zu allem Unglück wurde das vorhandene Geld auch noch Opfer der Inflation. Im Jahre 1930 gründete sich ein Kriegerverein, der unter anderem die Interessen der Kriegsgeschädigten und Hinterbliebenen wahren wollte. Aus diesem Kreis, dem des Unterhaltungsvereins und des Gemeinderates bildete sich eine Kommission unter Vorsitz von Herrn Petit, der erst am 1. August 1931 die Lehrerstelle in Niederleuken angetreten hatte. Mit ihm hatte man endlich den Organisator und Lenker gefunden, der das Bauvorhaben in unglaublich kurzer Zeit vorantrieb und realisierte! So konnte das Denkmal schon am 7. August 1932 feierlich eingeweiht werden. Herrn Petit gebührt im Nachhinein allergrößte Anerkennung. Auch der Umstand, dass er selbst im Jahre 1915 schwer verwundet wurde, mag dazu beitragen, dass er über jeden Verdacht erhaben ist, in einem Kriegerdenkmal etwas anderes als ein Denk- oder Mahnmal gesehen zu haben. Wohl keiner der Aktiven dürfte damals damit gerechnet haben, dass ein weiterer Krieg folgen sollte. Und auch nicht, dass die Gemeinde weitere 32 Opfer zu beklagen hatte. Unabhängig davon, wie in dieser Phase von gewissen Personen oder Parteien eine Verherrlichung des Krieges betrieben wurde und das "Ehrenmal" möglicherweise eine andere Interpretation erfuhr, ist festzustellen, dass es für die Bevölkerung ein Mahnmal war (und geblieben ist)! Dass der Sarkophag eine für heutige Verhältnisse makabre Inschrift aufweist, ist Tatsache. Sie fußt auf einem Satz des lateinischen Kirchenlehrers Tertullian ("Das Blut der Märtyrer ist der Same der Kirche"), wurde aber verfremdet! Nach meinem Wissen ist ungeklärt, wer (und wann) die modifizierte Inschrift verfasst wurde. Diese eingemeißelte Aussage spiegelt jedoch das damalige Denken wider und vermittelt den Nachfahren einen (warnenden) Eindruck! Ewald Kölling, Saarburg

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