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Einschränkungen wegen Corona - Gastgewerbe im Raum Konz Saarburg Hochwald sorgt sich um Zukunft

Schließungen wegen Corona : Große Sorgen bei regionalen Gastronomen

Verständnis für den Ernst der Lage trifft auf findige Ideen, Zukunftsängste und Unsicherheit. Was Disko-, Restaurant- und Barbetreiber über die große Abschottung denken.

Bars und Diskos bleiben vorerst geschlossen, Restaurants dürfen noch eingeschränkt öffnen, und zwar von 8 bis 18 Uhr. Bei Eiscafés und normalen Cafés hängt es von der Lizenz des Betreibers ab, welche Regeln gelten. Eine komplette Schließung scheint – mit Blick auf die anderen Länder in Europa – nur noch eine Frage der Zeit zu sein. Unabhängig davon, was letztlich gilt, wirkt sich die Corona-Situation fatal auf die ganze Gastro-Branche aus.

Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) fordert einen Schutzschirm für die Beschäftigten im Gastgewerbe. Das  Coronavirus treffe im Landkreis Trier-Saarburg die 270 Betriebe im Gastgewerbe besonders hart und damit auch die rund 2700 Arbeitnehmer der Branche, erklärt die NGG in einer Pressemitteilung. Klaus Schu von der NGG Region Trier sagt, dass die meisten Kellnerinnen, Köche und Hotelfachangestellten wohl zu Hause bleiben müssten. Sie bekämen Kurzarbeitergeld, das bei 60 Prozent des ohnehin oft geringen Einkommens liege. „Für viele Betroffene geht das an die Existenz“, folgert Schu. Die NGG setze sich gemeinsam mit den Arbeitgebern für eine Aufstockung des Kurzarbeitergeldes ein.

Viele Arbeitgeber sind sehr unsicher, was die Zukunft angeht – zum Beispiel Anil Vural aus Konz. Ihm gehören in Konz das Baran (Café, Bar und Lounge) und das Fischerhaus, ein Restaurant mit Biergarten, sowie ein Schnellrestaurant in Cochem. Insgesamt beschäftigt er laut eigener Aussage 30 Mitarbeiter. „Wir wissen noch nicht so richtig, wie wir weitermachen“, sagt Vural. „Das wird mit Sicherheit bis zu vier Monate dauern.“ Er müsse die laufenden Kosten nun mit Rücklagen bezahlen, die eigentlich für andere Dinge gedacht seien. Über das Kurzarbeitergeld (siehe Info) denke er nach.

 Das Café Baran in Konz hat schon geschlossen wegen Corona. Das Eiscafé Cortina in Saarburg ist zwar geöffnet, hat aber wenig Gäste.
Das Café Baran in Konz hat schon geschlossen wegen Corona. Das Eiscafé Cortina in Saarburg ist zwar geöffnet, hat aber wenig Gäste. Foto: TV/Marion Maier

Die Tenne, ein Club in Saarburg, ist seit Freitag geschlossen. Patrick Willbois hat sich schon an diesem Tag per Live-Video auf Facebook zu Wort gemeldet. „Wir wollen niemanden dem Risiko aussetzen, dass er sich hier infiziert, und haben deshalb auch schon dieses Wochenende geschlossen“, sagt er darin. Wenn die Tenne wieder öffnen dürfe, sei das Team bereit, von einem auf den anderen Tag wieder loszulegen, sagt Willbois und schließt sein Video positiv: „Wir hoffen, innerhalb der nächsten drei bis vier Wochen geht es bei uns in Saarburg weiter.“

David Fattor, Inhaber der Eisdiele Cortina in Saarburg, schaut auf leere Tische vor der Tür. Er sagt: „Seit einer Woche gehen die Umsätze bergab. Wir machen uns große Sorgen. Wir können nicht einfach das Personal auf die Straße setzen.“ Was ihn auch zermürbt, ist der Umstand, dass ihm keiner sagen kann, wie er sich verhalten soll. Kann er die Eisdiele offen lassen oder nur den Straßenverkauf? Er erwägt, nur noch an der Theke zu bedienen und lediglich ein paar Tische stehen zu lassen.

Für Katharina Dyck und Michael Konz vom Gasthaus Zum friedlichen Landmann in Kell am See ist Heimservice, wie ihn andere Betriebe nun anbieten, nicht so einfach umzusetzen. Zwar hätten sie eine Konzession als Speisegaststätte und dürften vorerst tagsüber öffnen, aber den Umsatz machten sie hauptsächlich abends und mit Getränken, sagt Dyck. Die Gaststätte haben die beiden erst kürzlich saniert und neu eingerichtet. Nun haben alle Vereine und Gruppen ihre Veranstaltungen und Feiern in dem Gasthaus abgesagt. Die Wirte haben Existenzängste. „Wir werden aber alles versuchen, um das zu überstehen“, sagt Dyck.

 Toni Heidi von der Pizzeria San Marco in Hermeskeil ist ebenfalls unsicher, was auf ihn zukommt. „So oder so, die da oben entscheiden. Wir müssen abwarten, was kommt“, sagt er. Die Pizzeria wolle jedenfalls den Heimservice aufrecht erhalten.

Dass die vielen selbstständigen Gastronomen nicht vor der Pandemie kapitulieren, sondern Ideen entwickeln, zeigt das Beispiel des Wirtshauses Roscheider Hof. Pächter Peter Kiefer hat das große Restaurant mit Biergarten erst Anfang März eröffnet. In den nächsten Tagen ist das Speiserestaurant weiter zu den erlaubten Zeiten offen. Allerdings falle der Abend weg, und alle Kommunions- und Familienfeiern seien storniert worden, sagt Kiefer. Mitarbeiter, die er Anfang April einstellen wollte, hätten nun doch keinen Job bekommen. Kiefer hat jedoch eine neue Idee: „Mit Hilfe meines Cateringzubehörs und der großen Küche habe ich vor, einen rollenden Mittagstisch für die Menschen in Roscheid aufzubauen.“ Vor allem wolle er die Menschen erreichen, die keine Möglichkeit hätten, auswärts zu essen. Infos gibt er unter 06501/9311997.

Und was sagen die Kunden? Es sind wenige, die sich am Dienstag noch in Cafés und Restaurants trauen. Doris Klassen und Lilly Winkler aus Konz, beide über 60 und damit zur Risikogruppe zählend, sind nach Saarburg geradelt. Sie sagen: „Wir dachten, wir müssen noch was unternehmen, so lange es noch geht.“ Vorsichtig sind sie dennoch. Sie haben sich am fast leeren Buttermarkt an den Rand gesetzt. Sich draußen aufzuhalten, sei ihnen wichtig gewesen. „Da fühlt man sich sicherer.“