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Einzelhandelskonzept nimmt erste Hürde

FOTO: (h_ko )
Wincheringen/Nittel. Der Gemeinderat von Wincheringen hat zehn Tage nach den Nitteler Ratsmitgliedern dem vom Ingenieurbüro ISU erstellten Entwurf eines interkommunalen Einzelhandels- und Zentrenkonzepts zugestimmt. Das könnte auch den Weg für eine Mehrzweckhalle anstelle der sanierungsbedürftigen Turnhalle öffnen. Alexander Schumitz

Wincheringen/Nittel. Mit seiner Entscheidung, dem Entwurf eines interkommunalen Einzelhandels- und Zentrenkonzepts zuzustimmen, könnte der Wincheringer Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung den Weg für einen Supermarkt freigemacht haben. Für viele Nitteler ist das eine gute Botschaft, denn sie träumen seit Jahren davon, dass sich ein Nahversorger in ihrem Dorf ansiedelt. Dass es - aus ihrer Sicht hoffentlich - bald so weit kommen könnte, liegt an dem Entwurf eines Konzepts, das für beide Dörfer ein großes Entwicklungspotenzial sieht (der TV berichtete am 20. November).
Bevor die Wincheringer Ratsmitglieder jüngst über einen entsprechenden Antrag abstimmten, kam es zu einer leidenschaftlichen Diskussion in dem Gremium. Matthias Walter von der Wählervereinigung Wincheringen 21 kritisierte das Gutachten als in wesentlichen Teilen mangelhaft. "Der Entwurf soll als Grundlage für die künftige Entwicklung der Orte Wincheringen und Nittel dienen. Aber in dem im Nitteler Bürgerhaus öffentlich vorgestellten Konzept fehlte beispielsweise eine Analyse, wie sich der Neubau eines Discounters in Temmels auf die Nahversorgung auswirkt."
Diesen Einwurf ließ der Wincheringer Ortsbürgermeister, Elmar Schömann, nicht gelten. Der Mangel sei zwischenzeitlich korrigiert, habe aber auch für die Beurteilung der Entwicklungspotenziale in Wincheringen keine Bedeutung.
Kritische Stimmen bleiben


Auch Walters Kritik am untersuchten Szenario ließ Schömann nicht gelten. Einkaufsströme nach Luxemburg und ins Saarland spielten nach den gesetzlichen Vorgaben, die bei der Erstellung solcher Konzepte zu beachten sind, keine Rolle.
Matthias Pinnel (Grüne), Inhaber des Wincheringer Dorfladens, ist mit dem bislang erstellten Konzept ebenfalls nicht zufrieden. "Wir müssen uns bereits jetzt detaillierter Gedanken über die Entwicklung unseres Dorfes machen. Dazu fehlen mir in dem Gutachten entsprechende Vorschläge", sagt Pinnel.
Auch diese Argumente überzeugen Schömann nicht. Er sieht in dem Entwurf eines Einzelhandels- und Zentrenkonzeptes für Wincheringen und Nittel einen wesentlichen Baustein für die Zukunft der Obermosel-Gemeinden. Nur so sei eine vernünftige städtebauliche Entwicklung in den beiden Dörfern möglich. Er wirbt im Rat um Zustimmung für den vorgelegten Entwurf zu einem Einzelhandelskonzept. "Bevor wir es endgültig beschließen, können sich noch die betroffenen Behörden und die Bürger mit dem Dokument beschäftigen und ihre Kritik vortragen", sagt Schömann. Der Entwurf wird demnächst für vier Wochen öffentlich ausgelegt. Erst nach Beratung der während dieser Zeit erhobenen Einwände soll das Konzept endgültig von beiden Gemeinderäten beschlossen werden.
Wäre dann das städtebauliche Instrumentarium in naher Zukunft vorhanden, würde auch Fördergeld fließen. Hier hatte der Bürgermeister der Verbandsgemeinde Konz, Karl-Heinz Frieden, jüngst auf der Ratssitzung in seiner Heimatgemeinde Nittel schon mal signalisiert, dass er den Bau einer Mehrzweckhalle in der Nachbargemeinde unterstützen würde. Auf TV-Nachfrage bestätigte er diese Aussage.
Frieden und der Nitteler Ortsbürgermeister, Peter Leo Hein, der zur Sitzung des Gemeinderats Wincheringen gekommen war, sind mit der Wincheringer Entscheidung zufrieden. Das sei ein guter Ausgangspunkt, um gemeinsam die Zukunft zu gestalten.Extra

Der Streit: Anfang des Jahres war ein Streit zwischen den Gemeinden Nittel und Wincheringen über die Ansiedlung eines Supermarkts im Nitteler Neubaugebiet Wiesengraben entbrannt. Die Nitteler wollen dort einen Supermarkt mit 1200 Quadratmetern Verkaufsfläche ansiedeln. Die Wincheringer hatten Angst um ihren Dorfladen und lehnten das Vorhaben zunächst ab. Das Gutachten zum Einzelhandel in Nittel und Wincheringen, das im November vorgestellt wurde, könnte die Wende bringen. Es kommt zu dem Ergebnis, dass beide Orte in Sachen Nah- und Grundversorgung, wozu Lebensmittel und Hygieneartikel gehören, deutlich unterversorgt sind. In Wincheringen und Nittel wird derzeit nur ein geringer Anteil der vorhandenen Kaufkraft abgeschöpft. Es könnte laut Gutachten in beiden Orten - unabhängig voneinander - im entsprechenden Marktsegment erheblich mehr Geld als bislang umgesetzt werden. Das Einzugsgebiet: Laut Gutachten zählen zum Nahbereich der Gemeinde Nittel die Ortsgemeinden Nittel, Wellen, Temmels und Onsdorf. Für Wincheringen ist der Nahbereich mit den Orten Wincheringen, Palzem und Merzkirchen festgelegt. Raumplanerisch wird immer nur Bezug genommen auf Kommunen innerhalb der gleichen Verwaltungskörperschaft. itz