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Einzigartiges europäisches Projekt: Auftaktveranstaltung mit Minister und Staatssekretär in Grevenmacher

Einzigartiges europäisches Projekt: Auftaktveranstaltung mit Minister und Staatssekretär in Grevenmacher

Auf der großen politischen Bühne tut sich Europa schwer. An der Grenze hingegen läuft die Zusammenarbeit. Auf der Princesse Marie-Astrid in Grevenmacher ist der symbolische Startschuss für das erste transnationale Konzept von Lokalen Aktionsgruppen in Europa gefallen. Die Gruppen Moselfranken und Miselerland wollen den ländlichen Raum mit Fördermitteln gemeinsam weiterentwickeln.

Grevenmacher/Saarburg. Mit einem Augenzwinkern bringt der Luxemburger Philippe Eschenauer auf den Punkt, warum Rheinland-Pfälzer und Luxemburger gerade in der Grenzregion zusammenarbeiten sollten: "Wir stehen morgens gemeinsam im Stau nach Luxemburg-Stadt. Das Problem löst man nicht alleine." Auf der Princesse Marie-Astrid am Quai Grevenmacher wird gelacht. 170 Passagiere sind dort zusammengekommen, um den symbolischen Startschuss für ein einzigartiges Projekt mitzuerleben. Es geht um das erste transnationale Entwicklungskonzept von Lokalen Aktionsgruppen (LAG) in Europa.
In den LAG werden Akteure und Ideen gebündelt, die Mittel aus dem europäischen Leader-Förderprogramm für den ländlichen Raum erhalten. In diesem Fall arbeiten die beiden Gruppen Moselfranken (Verbandsgemeinden Konz, Saarburg und Trier-Land) und Miselerland (luxemburgische Grenzregion zwischen Manternach im Norden und Schengen im Süden) zusammen.

Ihre Vorsitzenden, Jürgen Dixius und Marc Weyer, haben auf das repräsentative Moselschiff eingeladen. Dixius freut sich über den großen Zuspruch. Viele Entscheidungsträger aus der Wirtschaft, von Behörden und Kirche sowie aus den Ortsgemeinden sind gekommen. Gäste wie der rheinland-pfälzische Staatssekretär Andy Becht und der luxemburgische Landwirtschaftsminister Fernand Etgen unterstreichen die Bedeutung des Projekts. Die beiden loben in Grußworten die Zusammenarbeit über Ländergrenzen hinweg als wegweisend in Europa. "Was machen wir mit dem Geld in der Täsch?" Diesen Refrain der Gruppe Rhäifränsch, die an diesem Abend singt, greift Dixius auf, um zu erklären, worum es nun geht. Das transnationale Entwicklungskonzept (siehe Extra), das in Zukunftswerkstätten mit Bürgern erstellt wurde, umfasst 70 Maßnahmenbereiche. Nun werden Ideen und Akteure für die Umsetzung gesucht. Die Projekte sollten bestenfalls länderübergreifend sein, können aber auch nur eine Region betreffen.Verspätung wegen Gesetzgebung


2,7 Millionen Euro stehen dafür in Moselfranken, 2,3 Millionen im Miselerland zur Verfügung. Weyer sagt: "Mit den fünf Millionen im Topf sind wir nicht ganz zufrieden, aber vielleicht kann man über das ein oder andere noch reden." Die Förderperiode geht von 2014 bis 2020. Inoffiziell endet sie zwei Jahre später als festgelegt. Für die Luxemburger ist sie auch erst in diesem Jahr gestartet, denn sie mussten warten, bis das Agrargesetz ihres Landes im Sommer verabschiedet worden ist.

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Entgegen der Planung legt die Princesse Marie-Astrid an diesem Abend nicht ab, damit Abgeordnete aus dem Luxemburger Parlament noch an Bord gehen können. "Wir sind auf dem Wasser, fühlen sie sich wie bei einer Rundfahrt", lädt Dixius die Gäste ein. Für sie offensichtlich kein Problem, der deutsch-letzeburgische Austausch läuft. Zumal die Passagiere die Region an diesem Abend in Form von Wein und einem Büfett auch schmecken können.

Ansprechpartner für die LAG Moselfranken ist Thomas Wallrich, zu erreichen bei der Saarburger Verwaltung unter Telefon 06581/81280. Mehr Infos unter
www.lag-moselfranken.de/publikationen/2014/Extra

 Bedeutende Gäste zum Start: Die beiden LAG-Vorsitzenden Marc Weyer (links) und Jürgen Dixius (rechts) sowie der luxemburgische Minister Fernand Etgen (Zweiter von links) und Staatssekretär Andy Becht.
Bedeutende Gäste zum Start: Die beiden LAG-Vorsitzenden Marc Weyer (links) und Jürgen Dixius (rechts) sowie der luxemburgische Minister Fernand Etgen (Zweiter von links) und Staatssekretär Andy Becht. Foto: (h_sab )

90 Seiten ist die zweisprachige Broschüre (Link siehe links unten) dick, in der das gemeinsame Entwicklungskonzept von LAG Moselfranken und Miselerland vorgestellt wird. Erarbeitet haben sie es zusammen mit dem Institut für Regionalmanagement (IfR). Die Ausgangslage: Laut Matthias Rettermayer vom IfR haben Moselfranken und Miselerland vieles gemeinsam: die Sprache, die Kulturlandschaft, die geschichtlichen Wurzeln, die Herausforderungen im wirtschaftlichen und sozialen Bereich. Sie würden durch 42 Kilometer Mosel ebenso wie die große Zahl an Luxemburgpendlern verbunden. "Sie sind DER ländliche Raum zwischen den Ballungsräumen Trier und Luxemburg-Stadt", sagt Rettermayer. Die Inhalte: Drei große Handlungsfelder, sind im Konzept formuliert: "Lebensgrundlagen gemeinsam bewahren", "Wirtschaftlich zusammen wachsen" und "Sozialen Zusammenhalt stärken". 70 Maßnahmenbereiche wurden vor dem Hintergrund einer detaillierten Stärken- und Schwächenanalyse definiert. Beispielideen: Tresterpellets nennt Philippe Eschenauer, LAG-Beauftragter von Miselerland, als eine Idee. Demnach falle auf luxemburgischer wie auf rheinland-pfälzischer Seite nicht genügend Trester an, um Pellets herzustellen. Gemeinsam wäre die Menge groß genug. Weitere Ideen: eine Streuobst-Initiative, ein Taxiboot-Konzept für die Mosel, der Ausbau der Nachbarschaftshilfe mit Formaten wie Omasitting. mai