Eis-Skulpturen zum Dahinschmelzen

Eis-Skulpturen zum Dahinschmelzen

Rund 500 Besucher sind gestern zum Start des Kulturprogramms in die ehemalige Glockengießerei gekommen. Die Künstler Jean Charles Lemoy, Sylvain Divo und Cathleen Kelkel schnitten aus Eisblöcken Fabelfiguren. Louis Théobald zeigte sein Können in der Schmiede.

Saarburg. Die elfjährige Jule aus Serrig haut vorsichtig mit dem Stecheisen auf den Eisblock vor ihr ein. Sie will eine Kugel auf einem Sockel erstellen. "Das macht mir auf jeden Fall viel Spaß, aber meine Hände sind schon ganz kalt", sagt sie. Neben ihr steht der achtjährige Louis. Auch er konzentriert sich darauf, aus dem gefrorenen Wasserblock eine Kugel zu schnitzen. Eine andere Idee will der 73-jährige Konzer Willi Schmeer umsetzen. Er arbeitet an einem Elefanten. "Es ist das erste Mal, dass ich eine Skulptur schnitze", erzählt er.
Alle drei sind Teilnehmer des dreistündigen Eis-Bildhauer-Workshops, den die Kulturgießerei im Rahmen der Auftaktveranstaltung Eiskalt & Feurigheiß angeboten hat. Darin haben die Hobby-Eis-Bildhauer nicht nur etwas über den richtigen Umgang mit dem Stecheisen gelernt, sondern auch, dass die bearbeiteten Eisblöcke aus gefrorenen Flusswasser sind. "Nur dort wachsen Eiskristalle so dicht aneinander, dass man daraus Skulpturen schnitzen kann", erklärt Jean Charles Lemoy.Ein Weltmeister seiner Kunst


Lemoy wurde 2002 Weltmeister in dieser Kunst. Damals schnitzte er zusammen mit Michel Amann eine filigrane Meerjungfrau. Auch in Saarburg zaubert der Franzose in drei Stunden mit einer elektrischen Kettensäge und einer Elektroflex eine Meerjungfrau aus dem gefrorenen Wasser.
Neben ihm steht Cathleen Kelkel aus dem Saarland. Mit Axt und Stechbeitel bearbeitet sie ihren Eisblock. Am Ende wird es eine Fantasiemaske. Die Arbeit mit Eis ist für die gelernte Steinbildhauerin ungewohnt. "Auch weil mir der Block auf dem Schmelzwasser immer wieder davonschwimmt", sagt sie.
Eine Meerjungfrau formt Sylvain Divo. Mit dem Stecheisen führt er immer wieder kräftige Schläge gegen den Ausblick aus. Schon bald sind das Gesicht, die Brüste und die Fischflossen gut zu erkennen. Drumherum stehen die Zuschauer und staunen, wie aus dem Eisblock langsam eine Fantasiefigur wächst.
Den wärmsten Arbeitsplatz hat der Lothringer Louis Théobald. Er steht an der Esse in der alten Schmiede und formt aus Stahl einen Kreis. Beobachtet wird er dabei von einer von ihm geschmiedeten Kobra.
Zur Symbolik des Tieres sagt der Künstler: "In der buddhistischen Tantralehre verkörpert diese Schlange männliche und weibliche Prinzipien. Mir gibt sie bei meiner Arbeit mit den Elementen Feuer, Eisen und Wasser Kraft."
Bis zuletzt grübelt Théobald noch, wie er am Ende des Tages das Feuer in den Eisskulpturen zum Leuchten bringt. "Mir wird schon was einfallen. Und wenn nicht: Dahinschmelzen werden sie eh."
volksfreund.de/fotos

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