Ende eines Versteckspiels

MEHRING. Vor drei Jahren zog sich Larissa Ensch schwere Brandverletzungen zu. Heute geht es ihr gut. Beispielhaft setzt sich das neunjährige Mädchen für seinen Freund Kevin ein, der bei einem Grillunfall schwer verletzt wurde.

Den 1. Februar 2003 wird Familie Ensch niemals vergessen. Ein kurzer Moment, Larissa zieht den glühendheißen Wok herunter. Der Inhalt ergießt sich über sie. Michaela Ensch handelt geistesgegenwärtig. Sie reißt ihrer Tochter die Kleider vom Leib und braust das schreiende Kind mit kaltem Wasser ab. Minuten später bringt der Krankenwagen die schwer verletzte Larissa ins Mutterhaus der Borromäerinnen nach Trier... "Das war vor drei Jahren", sagt Michaela Ensch. Auf dem Tisch liegt ein Fotoalbum, dessen Bilder nur erahnen lassen, welches Leid das Mädchen durchstehen musste. Die Bilder zeigen Larissa mit verbrannter Brust und schwer verwundetem linken Arm. "Die Haut hing in Fetzen runter, es war schrecklich", sagt Michaela Ensch. "Ich habe damals nur gebrüllt", sagt das hübsche Mädchen mit den langen, blonden Haaren und den flinken Augen. "Am meisten Angst hatte ich vor der Spritze." Haut musste transplantiert werden

Larissas Glück: "Wir waren im Mutterhaus in den besten Händen", sagt ihre Mutter. Die Haut am Arm sei so tief zerstört gewesen, dass Haut vom Kopf transplantiert werden musste. Eine große Unterstützung seien auch die Mitarbeiter der Villa Kunterbunt während dieser schweren Zeit gewesen. "Sie haben mit mir gemalt und gesprochen", sagt Larissa. Von Tag zu Tag ging es ihr besser. Nach vier Wochen wurde sie entlassen. Drei Jahre später muss eine kleine Narbe am Brustkorb immer noch behandelt werden, und Larissa trägt zum Schutz eine Kompressionsjacke. Als hilfreich erlebte Familie Ensch auch das Treffen von "Paulinchen e.V.", einer Brandopfer-Selbsthilfegruppe, in Rummelsberg. Dort begegnete Larissa dem zwölfjährigen Kevin aus Herxheim. "Wir saßen im Gruppenraum, und die Leiterin sagte, dass Kevin fehlt. Sie sagte, dass er nicht kommen möchte, weil er Angst hat, dass er gehänselt wird", erzählt Larissa. Der Gedanke an den Jungen, der sich vor Menschen versteckte, ließ Larissa nicht mehr los. "Ich habe mich auf die Suche nach ihm gemacht." Kennst du Kevin?, habe sie eine Frau gefragt, die betrübt auf einem Sofa saß. "Sie war seine Mutter. Sie sagte, dass er schläft." "Am nächsten Tag saß Kevin neben seiner Mutter, und ich habe ihn angesprochen", erzählt Larissa. Ob er in die Schule geht, und wie alt seine Verbrennungen sind, habe sie ihn gefragt. Kevin erlitt bei einem Grillunfall Verbrennungen dritten Grades und musste nabelaufwärts 60 Prozent seiner Haut einbüßen. "Am Anfang war es schon komisch, ich musste immer wieder auf Kevin schauen, seine Verletzungen haben mich angezogen", sagt die Neunjährige. "Aber dann habe ich ihn nicht mehr so angeguckt, weil ich mir dachte, dass es sicher schlimm für ihn ist, so angesehen zu werden." Und: Larissa schaffte es, Kevin zu motivieren, dass er zur Kindergruppe ging. "Niemand wird dich dort hänseln", hat sie ihm versprochen. Kevin verließ sein Versteck und machte sich auf den Weg, zurück ins Leben. Heute sind die beiden dicke Freunde, sie schreiben SMS und Briefe und treffen sich regelmäßig. "Kevin ist ein lebensfroher Mensch, mit ihm kann ich viel Spaß haben, und ich mag an ihm, dass er immer sagt, was er denkt", schwärmt Larissa von ihrem Freund. "Vor kurzem haben wir uns bei McDonald's getroffen. Es war das erste Mal, dass er in die Öffentlichkeit ging." Spenden sollen Belastung mildern

Kevins Mutter ist allein erziehend und hat ihre Umschulung abgebrochen, weil sie ganz für das traumatisierte und schwer verletzte Kind da sein musste. "Spritkosten, oder Kosten, die von Versicherung und Kasse nicht abgedeckt werden, belasten das Portmonee von Kevins Mutter noch zusätzlich", sagt Michaela Ensch. Deshalb möchten sie und Larissa die Spendenaktion für Kevin unterstützen. "Ich habe in Schweicher Läden und in Mehring Spardosen aufgestellt", sagt Michaela Ensch. Larissa wünscht sich, dass viele Menschen helfen und ihre eindringliche Warnung ernst nehmen: "Bitte, hört auf eure Eltern, wenn sie sagen, das ist gefährlich. Und keine Experimente mit Feuer machen, so wie Kevins Freund, der das Grillfeuer mit einem Schuss Nitroverdünnung in die Glut entfachen wollte." Spendenkonto Kevin, Kontonummer 50 00 02 30, Raiffeisenbank Herxheim, Blz 54 86 73 90.