Ende nach mehr als 60 Jahren

SAARBURG. Ein traditionsreicher Einzelhändler steht vor dem Ende: Elektro "Schaller & Sohn" in der Graf-Siegfried-Straße hat Insolvenz angemeldet. Die Geschäftsräume sind geschlossen. Die fünf Mitarbeiter werden wohl gehen müssen.

Firmenchef Gert Schaller kann es immer noch nicht so richtig fassen. Nach über 60-jähriger Firmengeschichte - der 40-jährige führt seit 1993 das Geschäft in der dritten Generation - blieb ihm nichts anderes übrig, als den Gang zum Amtsgericht anzutreten. Seitdem hängen Hinweise von der "vorübergehenden" Schließung am Schaufenster. Vorübergehend, weil er aus rechtlichen Gründen nicht weiter verkaufen dürfe, das Insolvenzverfahren aber noch nicht abgeschlossen sei."Vor allem tut es mir leid um meine Mitarbeiter, die alle versucht haben, Kosten zu sparen", sagt Schaller. Der Insolvenzverwalter sei bestellt, und der Firmenchef hegt wenig Hoffnung, dass die Schließung noch abgewendet werden kann. Nach der Insolvenz der Bäckerei Wacht ist dies in kurzer Zeit die zweite Aufgabe eines traditionsreichen Hauses mit zentraler Lage in Saarburgs Haupteinkaufsstraße. Die Gründe für den Insolvenzantrag seien vielfältig, erläutert Gert Schaller im TV -Gespräch . Eines schickt er vorweg: Letztendlich sei er als Inhaber verantwortlich. Herausreden wolle er sich nicht.Als Hauptgrund gibt Schaller den Verdrängungswettbewerb an, den die Großen - wie Media-Markt oder Saturn - zu Lasten der Kleinen betreiben würden. "Da können wir nicht mithalten", resigniert er. Nicht unschuldig sei in diesem Zusammenhang auch der Gesetzgeber, der es zugelassen habe, dass zum Einkaufspreis verkauft werden könne.Etliche Einflüsse hätten seiner Firma das Leben schwer gemacht. Beispielsweise die IHK mit ihren "Zwangsbeiträgen", von denen die Kammer dann auch noch E-Bay-Top-Seller-Kurse für Ich-AG-Gründer anbiete. Als ob das Internet ihm und anderen seiner Branche das Leben nicht schon schwer genug mache. Oder das "weiße" Angebot in SB-Warenhäusern.Enttäuscht vom Kooperationspartner

Enttäuscht ist Schaller von seinem Kooperationspartner, der RIC (Ruefach-Interfunk-Cooperation), über die er seit 25 Jahren - in jüngster Zeit unter dem Label "Red Zac" - seine Elektro-Geräte, wie Fernseher, Videorekorder, Radios oder Kühltruhen, beziehe. "Die haben ein Verhalten an den Tag gelegt wie jede Bank", ärgert er sich, "und sich über Lösungen keine großen Gedanken gemacht". Das "Red Zac"-Konzept tauge nichts für serviceorientierte Unternehmen, habe er gelernt. Von der RIC fühlt er sich "über den Tisch gezogen".Natürlich habe auch die allgemeine wirtschaftliche Situation in Deutschland negativen Einfluss. "Auch in Saarburg ist das Weihnachtsgeschäft seit fünf Jahren rückläufig. Am Samstagnachmittag vor Weihnachten ist die Stadt tot", weiß Schaller. Für den Einzelhandel befürchtet er in Saarburg und anderen Kleinstädten eine "dramatische Entwicklung".Sowohl IHK als auch RIC waren gestern für eine Stellungnahme nicht erreichbar.