Endlich im Heimatrevier

Harald Lahr will, dass sich alle Bürger sicher fühlen. Vor allem in seiner Heimat ist ihm das wichtig. Deshalb übernimmt der Trassemer die stellvertretende Leitung der Polizeiinspektion Saarburg. Zuletzt hat der erfahrene Polizist eine aufsehenerregende Fahndung in Trier erfolgreich geleitet.

Saarburg/Konz. Harald Lahr fühlt sich wohl in der Saarburger Polizeiinspektion (PI). "Hier bin ich groß geworden, und nach langer Zeit bin ich nach Hause gekommen", sagt der neue stellvertretende Leiter der PI im Gespräch mit dem TV. Der 46-jährige Polizeihauptkommissar, der in Perl an der Obermosel aufgewachsen ist und jetzt mit seiner Frau und seinen drei Kindern in Trassem lebt, hat den Posten von Armin Wacht übernommen. Dieser ist nach knapp sieben Jahren in Saarburg nun Datenschutzbeauftragter des Polizeipräsidiums Trier. In dieser Funktion kümmert er sich zum Beispiel um die Kameraüberwachung im öffentlichen Raum.
Lahr sitzt hingegen in Wachts altem Büro. In Saarburg kennt sich der gebürtige Perler bestens aus, denn er ist dort zur Schule gegangen. "Es ist doch toll, dort zu arbeiten, wo andere Urlaub machen", sagt er und blickt aus dem Fenster auf die Stadt. "Ich lebe hier und will, dass sich meine Familie sicher fühlt", beschreibt er seinen Antrieb. Ziel sei es, das Sicherheitsgefühl der Menschen zu stärken. Dazu müsse man sich Vertrauen und Respekt erarbeiten, das Zwischenmenschliche sei sehr wichtig.
Mit PI-Leiter Markus Kohl funktioniert das schon mal. Kohl freut sich über den neuen Mitstreiter, der vor allem bei der Organisation von Großeinsätzen, zum Beispiel bei Fußballspielen in Trier und Koblenz, wichtige Erfahrungen gesammelt hat. Zuletzt war der Trassemer verantwortlich für die Sicherheit auf dem Trierer Weihnachtsmarkt. Somit war Lahr auch Mitentscheider bei der Großfahndung nach dem Mann, der in einem Parkhaus in der Trierer Innenstadt eine Schreckschusspistole abgefeuert haben soll und später in einem Elektromarkt in Trier gefasst wurde ("Schreckschuss-Schütze sitzt in Haft", TV vom 16. Dezember).
"Man muss immer vom Ernstfall ausgehen", erklärt der 46-Jährige seine Philosophie bei der Organisation von Großeinsätzen. Nur so sei es möglich, den Bürgern ein Sicherheitsgefühl zu bieten. So sei es auch bei den Silvesterkontrollen am Kölner Hauptbahnhof gewesen, als Hunderte Männer überprüft worden seien. Die Debatte nach diesem Einsatz verstehe er nicht, sagt Lahr: "Hier wird nur über die Twitter-Nachricht und die Abkürzung Nafri diskutiert."
Das Kurzwort für Nordafrikaner habe er während seiner langen Karriere bei der rheinland-pfälzischen Polizei nie gehört. Aus seiner Sicht dürfe es bei der Debatte ohnehin nicht um solche Nebenaspekte gehen: Das Einsatzkonzept müsse vor dem Hintergrund der massenhaften sexuellen Übergriffe des vergangenen Jahres betrachtet werden. Darauf aufbauend sei die Einsatztaktik der Kölner Polizei richtig und logisch gewesen.
Der Polizeihauptkommissar veranschaulicht seine These mit einem Beispiel aus Trier: Nachdem 2012 an Weiberfastnacht 60 Jugendliche mit Alkoholvergiftungen ins Krankenhaus gebracht wurden und die Polizei zudem 100 Platzverweise aussprechen musste, folgten 2013 ein striktes Alkoholverbot und Tristesse in der Fußgängerzone. 2014 durfte im "Narrenkäfig", einem abgeschirmten Bereich, getrunken werden. Seit 2015 funktioniert die Party wieder ohne größere Restriktionen.
Ein erster Großeinsatz erwartet den neuen stellvertretenden PI-Leiter am 25. Februar beim Karnevalsnachtumzug in Saarburg. Dort will PI-Leiter Markus Kohl die Polizeipräsenz erhöhen, um junge Trinker intensiver zu kontrollieren. Für Lahr gehören solche Einsätze zum gewohnten Alltag. Noch nicht gewöhnt hat er sich an die rosafarbenen Wände in seinem neuen Büro. Die will er noch anders streichen.Extra

Harald Lahr stammt aus dem saarländischen Perl. 1988 beginnt er seine Polizeilaufbahn in Enkenbach (Pfalz). Es folgen eine Station in Schifferstadt (Pfalz) und ein Studium an der Polizeihochschule Hahn. Später arbeitet Lahr unter anderem in Andernach und in Koblenz. 2006 wechselt er zum Polizeipräsidium Trier. Anfang 2016 übernimmt er die Leitung der Innenstadtwache. Lahr wohnt in Trassem, ist verheiratet und hat drei Kinder. cmkExtra

Zur Polizeiinspektion (PI) Saarburg gehört auch die Wache in Konz. Insgesamt arbeiten dort 56 Polizeibeamte und fünf Angestellte. Zuständig ist die PI für die Verbandsgemeinden Konz und Saarburg sowie Teile der Verbandsgemeinde Kell am See. In dem 380 Quadratkilometer großen Bereich leben knapp 63 500 Menschen in 58 Orten. Die größten Städte sind Konz (laut Polizei 19 418 Einwohner, Zweitwohnsitze mitgezählt) und Saarburg (7744). cmk

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