Endlich mal Familienleben

Sie haben das Restaurant im Freilichtmuseum Roscheiderhof etabliert und 15 Jahre lang erfolgreich geführt. Jetzt brechen Anja und Jörg Thömmes auf zu neuen Ufern. Für Ende August haben sie das Pachtverhältnis gekündigt - zum Bedauern der Museumsleitung.

Konz. Im Anzeigenteil des TV war es vor wenigen Tagen nachzulesen: Das Museum Roscheiderhof sucht für seine Hofschänke zum 1. September 2014 einen neuen Pächter. Anja und Jörg Thömmes haben gekündigt. Gab es da vielleicht Streit? Doch das Museum gibt eilig Entwarnung. Man sei immer gut miteinander zurechtgekommen, sagt Museumsleiter Ulrich Haas. Und bedauert: "Wir hätten gerne weitergemacht mit dem Ehepaar Thömmes."
Anja und Jörg Thömmes haben seit ihrem Start am 1. Mai 1999 in der Tat die Gastronomie auf dem Roscheiderhof, die vorher über zaghafte Versuche nicht hinauskam, auf ein professionelles Niveau gebracht. Sie haben das rustikale Ambiente und ihr gastronomisches Angebot rasch auf einen Nenner bringen können. Themenabende locken die Freunde deftiger Kost an, und für alle, die sich nach erledigtem Museumsbesuch bei Kaffee, Kuchen, Bier oder Viez erholen wollen, ist gleichfalls gesorgt.
Kein Wunder, dass sich der Umsatz rundweg befriedigend gestaltete, und das, obwohl in der kalten Jahreszeit der Besucherstrom zum Museum weitgehend verebbt. Zwar liegen Zahlen nicht vor, doch Pächter und Museum betonen unisono, alles laufe bestens und es gebe für den Ausstieg keinerlei wirtschaftliche Ursachen. Die Gründe liegen woanders. "Wir sind zuletzt 1997 in Urlaub gefahren", sagt Anja Thömmes. Und ergänzt: "Bei Familienfeiern kann nur immer einer hin, weil der andere arbeiten muss. Jetzt wollen wir noch etwas vom Leben haben."
Für das Ehepaar Thömmes ist der Abschied vom Roscheiderhof kein Ausstieg aus dem Beruf. Sie bleiben in der Gastronomie, allerdings in neuer Funktion. Unter dem Titel "derGASTROdoc" werden sie ab 1. September ihr Wissen und ihre langjährige Gastronomie-Erfahrung an Jüngere weitergeben ( www.dergastrodoc.de ). Viel zu oft schlittern ehrgeizige Berufsanfänger in eine wirtschaftliche und manchmal auch menschliche Katastrophe, weil ihnen Wissen, Erfahrung und berufliche Standfestigkeit fehlen. Da können Anja und Jörg Thömmes beraten, unterstützen, Kontakte vermitteln. "Der Bedarf dafür ist da." Wer in die Gastronomie einsteigen will, muss sich allerdings über eines klar sein: "Das ist kein Fulltime-Job, sondern ein dreifacher Fulltime-Job. Wer hier nur Chef spielen will, ist rasch wieder draußen."
Jetzt steht erst einmal der Sommer an und damit die Hochsaison. "Da werden wir uns genauso engagieren wie bisher."
Wer die Hofschänke übernimmt, steht noch in den Sternen. An Bewerbern dürfte es wohl kaum mangeln. Jörg Thömmes zählt die Vorteile auf: "ein traumhaftes Restaurant, ein idyllischer Biergarten, ein supernetter Kundenstamm und ein gutes Verhältnis zur Museumsleitung". Aus deren Sicht kommt das Museum ohne Restaurant ohnehin nicht mehr aus. "Alle Museen haben Gastronomie", sagt Ulrich Haas.