Energie aus Mais in Grimburg

Der Verbandsgemeinderat Hermeskeil hat am Mittwochabend bei drei Gegenstimmen der Änderung des im VG-Gebiet gültigen Flächennutzungsplans zugestimmt. Damit kann die Gemeinde Grimburg ihr Projekt "Bioenergiedorf" weiterverfolgen, das als wichtigen Baustein die Errichtung einer Biogasanlage am Sportplatz vorsieht.

Mit ihren Plänen, in Grimburg eine Zentralheizung für das ganze Dorf zu installieren, hat die Gemeinde zuletzt einen empfindlichen Rückschlag erlitten. Im Februar erklärte die "Pfalzwerke AG", die für fünf Millionen Euro im Hochwaldort eine Biogasanlage errichten und von dort aus ein Nahwärmenetz aufbauen wollte, ihren Ausstieg aus dem Projekt "Bioenergiedorf". Nichtsdestotrotz hält die Gemeinde an diesem ehrgeizigen Vorhaben fest. Diesen Grundsatzbeschluss hat die Wählergruppe von Ortsbürgermeister Franz-Josef Weber Anfang April mit ihrer Mehrheit im Grimburger Rat durchgesetzt (der TV berichtete).

Seitdem sucht Grimburg nach einem neuen Investor fürs Bioenergiedorf. "Es gibt momentan Gespräche. Spruchreif ist aber noch nichts", sagt Weber am Donnerstag auf TV-Anfrage zur aktuellen Situation.

Am Vorabend hat der Verbandsgemeinderat Hermeskeil jedoch eine Entscheidung getroffen, die aus Sicht Webers "die Sache für uns erleichtert, weil jetzt für einen Investor Planungssicherheit gegeben ist".

Denn mit drei Gegenstimmen aus den Reihen der FWG hat dieses Gremium die von Grimburger Seite beantragte Änderung des Flächennutzungsplans, der für das gesamte VG-Gebiet gültig ist, durchgewunken. Somit wird im Bereich des Grimburger Sportplatzes ein bislang für landwirtschaftliche Nutzung vorgesehenes Areal künftig als Sonderbaugebiet ausgewiesen. Das ist die Voraussetzung dafür, dass an dieser Stelle eine Biogasanlage gebaut werden kann.

Der Hermeskeiler Bürgermeister Michael Hülpes (CDU) hatte zuvor an bereits im Juli 2008 formulierte Bedingungen erinnert, an die der VG-Rat seine Zustimmung zum Bau der Grimburger Biogasanlage gekoppelt hatte. So soll diese nur mit nachwachsenden Rohstoffen (also Mais oder Grassilage), nicht aber mit Lebensmittelresten gefüttert werden. Außerdem hatten noch die Pfalzwerke im Herbst 2009 ein zweites Gutachten erstellen lassen, das Geruchsbelästigungen der Gemeinden Grimburg und Gusenburg durch den Betrieb der Biogasanlage ausschließt. Die zunächst vorgelegte Version hatte der VG-Rat nicht akzeptiert, weil sie auf Wetterdaten aus dem bayerischen Hof basierte. Beim nachgebesserten Gutachten wurden meteorologische Werte aus der Station im saarländischen Berus zugrunde gelegt. Da damit die Auflagen des VG-Rats erfüllt wurden, sprach sich das Gremium mit großer Mehrheit für die Änderung des Flächennutzungsplans aus.

Damit kann Grimburg das Projekt "Bioenergiedorf" weiterverfolgen. Laut Weber soll die Biogasanlage von Landwirten aus dem benachbarten Saarland und dem Bereich Kell beliefert werden.

Ausdrücklich macht er gegenüber dem TV deutlich, dass es der Gemeinde weniger um die Suche nach einem Investor für eine Biogasanlage, sondern vor allem um das Nahwärmenetz geht. Weber: "Wir wollen als Infrastruktur-Maßnahme unseren Bürgern günstige Wärme und Energie liefern. Dafür brauchen wir aber einen Ofen, und deshalb ist die Biogasanlage das Mittel zum Zweck."

Meinung Luftleerer Raum
Trotz des Rückziehers der Pfalzwerke und obwohl damit momentan kein Geldgeber da ist: Die Gemeinde Grimburg und speziell ihr Ortsbürgermeister halten weiter unverdrossen an ihrer Plänen für ein Bioenergiedorf fest. Das hat der VG-Rat gewusst und deshalb dem Projekt keine Steine in den Weg gelegt. Das ist ein solidarischer Schritt, wenngleich festzuhalten bleibt: Es war eine Entscheidung im völlig luftleeren Raum. Denn ob Grimburg Bioenergiedorf wird, ist völlig offen. Für einen Investor mag zwar der Betrieb einer Biogasanlage lukrativ sein. Anders sieht es aber mit dem Nahwärmenetz aus. Das zu bauen kostet viel Geld und würde sich nur lohnen, wenn sich viele Grimburger daran anschließen lassen. Zumindest zu Pfalzwerke-Zeiten schien dieses Interesse aber ziemlich gering zu sein. a.munsteiner@volksfreund.de