Entdeckungen für Ohr und Auge

Gefühlvolle Gesänge und tanzbare Songs: Mit einem vom Publikum bejubelten Doppelkonzert mit The Late Call und Black Rust in der ehemaligen Pfarrkirche in Kastel hat sich das vierte Singer-Songwriter-Festival verabschiedet. Das letzte Konzert der vom Trierischen Volksfreund präsentierten sechsteiligen Reihe entpuppte sich als Geheimtipp.

Kastel-Staadt. Die Stimme durchdringt die Stille. Die Augen geschlossen, ganz in seine Musik vertieft, begleitet von seiner Gitarre, singt Johannes Mayer alias The Late Call im Chor der Kirche St. Johannes der Täufer in Kastel. "Fribourg" ist eines seiner Solostücke. Auch die Begleitung von Henrik Roger (Keyboard, Gitarre) und Simon Ståalhamre (Drums) bei den anderen Liedern zeichnet sich durch Zurückhaltung aus - bis sich Mayers und Ståalhamres Stimmen gemeinsam erheben.
Erstmals bespielt Veranstalter Christof Kramp die kleine Kirche - das Singer-Songwriter-Festival ist bekannt für ungewöhnliche Locations wie die Wawerner Synagoge oder die Saarburger Glockengießerei. Kramp ist zufrieden mit der Resonanz der Konzertreihe, in der er neben bekannten Größen wie Götz Widmann auf unbekannte Musiker setzt.
Mayer - vor mehr als zwei Jahren von Münster nach Stockholm gezogen - singt von Neuanfängen, Hoffnungen und Rückschlägen. Doch anders als auf seinem zweiten Album "You already have a home", das er mit Bläsern und Streichern arrangiert, setzt er in Kastel auf Minimalbesetzung. Seine Liveauftritte bestreitet er mit verschiedenen Musikern. "Die Konzerte werden dann ganz individuell", sagt er. Die gut 50 Gäste lassen sich bezaubern von seinen introvertierten melancholischen Folkpop-Songs.
Die Abendsonne fällt durch die alten Doppelfenster, das rote Kreuzrippengewölbe der alten Kirche sorgt für eine beeindruckende Akustik. Eine große Herausforderung für die zweite Band des Abends: Black Rust. Die Bässe donnern durchs Kirchenschiff. Julian Jacobi zupft seinen Kontrabass - ein seltener Anblick im Folk- und Indierock. Einer der Höhepunkte des Abends: Die Musiker stöpseln ihre Instrumente aus, stellen sich in die Kirchenmitte und stimmen "Still" an, eine folkige Ballade mit Glockenspiel und Akkordeon.
Rockige Stücke mit Mandoline, Drums (Adrian Hemley) und Keyboard (Christoph Seiler), Popsongs mit Posaune - Black Rust zeichnet sich durch abwechslungsreiche Instrumentalisierung aus - getragen von Jonas Künnes einprägsamer Stimme. Blitzschnell wechselt Julian Osthues von Gitarre zu Posaune, von Mandoline zu Harp, von Akkordeon zu Trompete. Selbst das ruhig beginnende "Having panic about a new world war" endet mit einem ohrenbetäubenden Crescendo - frenetisch gefeiert vom Publikum. mehi