Entwicklungsplan für den Nationalpark Hunsrück-Hochwald: Jetzt sind Ideen der Bürger gefragt

Nationalpark : Nationalparkplan: Jetzt sind die Ideen der Bürger gefragt

Der Nationalparkplan, das Betriebshandbuch für die Entwicklung des Schutzgebiets im Hunsrück, soll bis 2020 vorliegen. Wer sich dabei einbringen will, bekommt dazu in nächster Zeit einige Chancen. Eine der ersten – das Bürgerforum am Samstag – nutzten nur wenige, um bei Themen wie Jagd, Tourismus und Wegeführung mitzureden.

Es ist das dritte Mal, dass der Verein Freundeskreis Nationalpark Hunsrück zum Bürgerforum am Birkenfelder Umweltcampus eingeladen hat. „Hier können sich die Leute mit Vorschlägen oder Kritik wunderbar einbringen“, lobt der Vereinsvorsitzende Hans-Joachim Billert die Veranstaltung. Sie ist als jährlicher Pflichttermin im Staatsvertrag zum 2015 gegründeten Nationalpark Hunsrück-Hochwald verankert, um Bürgern regelmäßig die Chance zur Beteiligung zu geben. Über die Resonanz ist Billert diesmal jedoch ein wenig enttäuscht. „Sonst waren 200 Interessierte da, heute sind es vielleicht 50.“ Die Menschen, auch die eigenen 700 Vereinsmitglieder, zu mobilisieren, werde immer schwieriger.

Wichtiger Anlass Dabei geht es bei diesem Bürgerforum um das entscheidende Instrument für die weitere Entwicklung des noch jungen Schutzgebiets. Bis 2020 soll der Nationalparkplan vorliegen, sozusagen das Betriebshandbuch für die nächsten 30 Jahre. „Den Plan wollen wir mit den Bürgern gemeinsam erarbeiten“, kündigt Sören Sturm vom Nationalparkamt an.

Um zu erfahren, was die Bürger zu den „Kernthemen“ zu sagen haben, haben die Veranstalter acht Stände im Saal aufgebaut. Sie repräsentieren die acht Themenfelder, aus denen sich der Nationalparkplan maßgeblich zusammensetzen wird: Bildung, Gebietsentwicklung, Wildtiermanagement, Forschung/Monitoring, Wegeplan, Historie, Regionalentwicklung/Tourismus, Medien/Information. Besucher finden dazu Informationen auf Karten, Flyern und Stellwänden. Vereinsmitglieder und Mitarbeiter des Nationalparksamts stehen für Erklärungen bereit, sammeln Ideen, Kritik und Anregungen.

Thema Wege Juliane Becker interessiert sich für den Wegeplan, der als erstes Modul des Nationalparkplans so gut wie fertig ist. Seit Ende 2017 liefen dazu Gespräche mit Kommunen, Forstämtern und Interessensgruppen wie Radfahrern und Wanderern. Um zu klären, wo Wege im ehemaligen Wirtschaftswald zurückgebaut werden können, um der Natur mehr Raum zu lassen. „Ich habe heute erfahren, dass ich weiterhin diese älteren Wege nutzen darf. Ich muss sie mir nur selbst freitrampeln“, sagt Juliane Becker und lobt die „Vielzahl äußerst detaillierter und gut aufbereiteter Themen“ im Saal.

Reiterin Katrin Kunz aus Leisel (Kreis Birkenfeld) hat Vorschläge zu Reitwegen gemacht. Zum Ergebnis sagt sie: „Es ist etwas anders als gedacht, aber nicht schlecht.“ Ihr heutiger Hinweis betrifft aber die Radfahrer. „An vielen Wegen stehen Durchfahrt-verboten-Schilder. Aber kaum einer weiß, dass laut Waldgesetz Radfahrer dort trotzdem fahren dürfen.“ Bei Hannah Bettac und Rainer-Maria Kreten vom Nationalparkamt regt Kunz deshalb an, über diese Schilder besser aufzuklären oder deutlichere Hinweise anzubringen.

„Von solchen Rückmeldungen profitieren wir“, sagt Hannah Bettac. 300 Kilometer forstliche Wege würden unter Beteiligung der Bürger auf 200 reduziert. Die Genehmigung des Wegeplans durch das Land werde Anfang 2019 erwartet, dann beginne die „große Aufgabe“, die Wege zu beschildern und „zu kommunizieren, wer wo unterwegs sein darf“. Beim Nationalparkplan hofft die Behörde auf eine ähnlich hohe Mitwirkung der Bürger. Neben Infoveranstaltungen werde man wieder gezielt auf Gemeinden und betroffene Interessensgruppen zugehen. Ein weiterer Kanal könnte laut Hans-Joachim Billert die im Internet ausgestrahlte Radiosendung des Freundeskreises sein, die inzwischen eine treue Zuhörerschaft habe.

Thema Wildtiere Dort wollen Billert und Fachmann Martin Dörscher demnächst über das Wildtiermanagement informieren – das Modul des Parkplans, das als nächstes angepackt wird. An seinem Stand erläutert Dörscher, wie beispielsweise mit Hilfe von Fotofallen Daten zur Bewegung von Reh, Fuchs und Wildschwein ermittelt wurden. Wichtiger für die Regulierung der Tierbestände sei allerdings die jährlich im April organisierte Zählung, bei der Teams mit Scheinwerfern durch den Wald fahren und jedes gesichtete Wild aufschreiben. „Daran können wir sehen, wo zum Beispiel die Rotwilddichte okay ist, oder wo wir mit Rücksicht auf die Nachbarn durch Jagd eingreifen müssen.“ Beobachtet werde auch, wie sich die bei Börfink eingerichtete Jagdruhezone auswirke.

Thema Tourismus Am Stand Regionalentwicklung erkundigen sich Besucher bei Sören Sturm nach dem Erfolg der Partner-Initiative des Nationalparks. Dabei erhalten Gastronomiebetriebe, die sich mit Zielen des Schutzgebiets identifizieren, ein Zertifikat für besondere Qualität, Regionalität und Nachhaltigkeit. „Wir haben jetzt 40 Partner“, sagt Sturm. „Das hat in so kurzer Zeit bislang kein anderer Nationalpark hinbekommen.“ Die Betriebe seien wichtige „Innovationstreiber“, mit denen vieles umsetzbar sei – vom Sonnenschirm mit Wildkatzen-Logo bis zum Nationalpark-Kaffeegedeck. Ein Besucher kritisiert, dass noch zu wenig Impulse von den Kommunen kämen. „Wir brauchen ergänzende Angebote im Umfeld, damit der Gast auch länger als einen Tag in der Region bleibt“, bestätigt Sturm. Hier seien auch Bürgermeister und Wirtschaftsförderer gefragt.

Chancen zum Mitreden Alle Anregungen aus dem Forum will das Nationalparkamt bündeln und auf ihre Umsetzbarkeit prüfen. Amtsleiter Harald Egidi betont: „Wir sind mit einem noch nie dagewesenen Bürgerbeteiligungsprozess gestartet, den wollen wir nicht abreißen lassen.“ Einen ersten Zwischenstand zum Nationalparkplan wolle man im Frühjahr 2019 vorstellen. „Wir steigen jetzt voll ein. Wer sich einbringen will, muss das jetzt tun.“ Gelegenheiten dazu werde es immer wieder geben, beispielsweise bei den monatlichen Nationalparkakademien (siehe Info).