1. Region
  2. Konz, Saarburg & Hochwald

Er setzte sich gegen das Vergessen ein

Er setzte sich gegen das Vergessen ein

Es ist auch für seine Heimatstadt Hermeskeil eine traurige Nachricht: Heinz Kahn, langjähriger Vorsitzender der Jüdischen Kultusgemeinde Koblenz, ist tot. Er starb im Alter von 91 Jahren. Heinz Kahn, Sohn eines Hermeskeiler Tierarzts, überlebte als Einziger seiner Familie den Holocaust.

Hermeskeil/Polch. Mahnen und Aussöhnen: Das war für Heinz Kahn immer wichtig. Der Tierarzt, der in Polch lebte und praktizierte, stand für den Dialog zwischen Juden und Christen. Und nicht nur das. Als Zeitzeuge suchte er in seiner Funktion als Vorsitzender des Jüdischen Kultusgemeinde Koblenz immer wieder das Gespräch mit der jüngeren Generation.
Heinz Kahn wurde am 13. April 1922 in Hermeskeil geboren. Schon sein Vater Moritz war Tierarzt gewesen und als Weltkriegsteilnehmer hoch angesehen. Niemand konnte ahnen, was der Familie noch bevorstand, zumal Sohn Heinz und seine jüngere Schwester Gertrud eine unbeschwerte Kindheit erlebten. Mit dem Besuch der höheren Schule änderte sich alles. Zwar war Heinz Kahn ein guter Schüler, musste allerdings ab 1936 die zunehmende Diskriminierung durch Lehrer und Mitschüler ertragen. Noch vor dem Abitur verließ Heinz Kahn die Schule und machte zunächst eine kaufmännische Ausbildung, ging dann aber in einer Schlosserei in Frankfurt in die Lehre. Nach dem 9. November 1938 verschärfte sich die Situation dramatisch. Der Lehrling wurde zu Zwangsarbeiten in der "Judenkolonne" in Köln und Trier verpflichtet.
Im Februar 1943 verhaftete die Gestapo Heinz Kahn und seine Angehörigen. Es folgte die Deportation nach Auschwitz. Seine Familie sollte er nie wieder sehen. Er überlebte, wohl auch deshalb, weil er in das Lager Buna/Monowitz verlegt wurde, wo er unter anderem seine Mitgefangenen pflegte und sich unentbehrlich machte.
In dieser Zeit knüpfte Heinz Kahn auch Kontakt zum kommunistischen Widerstand. Weil er auch in der Schreibstube eingesetzt wurde, konnte er anderen helfen, indem er ihre Nummern durch die von Toten austauschte. Er selbst verlor um 100 Verwandte. Heinz Kahn überlebte den Todesmarsch im Januar 1945. Im KZ Buchenwald wurde er schließlich von US-Truppen befreit. Er wanderte nicht wie viele andere Juden aus, sondern blieb in Deutschland. Heinz Kahn gilt als Gründer der neuen jüdischen Gemeinde in Trier. Er holte sein Abitur nach und ging dann nach Berlin, wo er erfolgreich Tiermedizin studierte. Nach dem Studium zog er nach Polch.
1987 übernahm Heinz Kahn den Vorsitz der Jüdischen Kultusgemeinde Koblenz und engagierte sich auch in anderen Ehrenämtern. Seine Leistungen wurden unter anderem mit dem Verdienstkreuz Erster Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik gewürdigt.
Heinz Kahns letzter Besuch in seine Heimatstadt war im Sommer 2013 - und zwar aus Anlass der 100-Jahr-Feier des Hermeskeiler Gymnasiums. Sieben Jahre zuvor war Heinz Kahn auch anwesend, als der Künstler Gunter Demnig vor seinem Elternhaus in der Trierer Straße 55 drei sogenannte Stolpersteine verlegte. Sie erinnern an Kahns Vater Moritz, seine Mutter Elise und seine Schwester Gertrud, die 1943 im Vernichtungslager Auschwitz ermordet wurden.