Erfolge und Rückschläge

HERMESKEIL. Ein Jahr nach Amtsantritt hat der neu formierte Vorstand des Hermeskeiler Gewebeverbands (HGV) eine weitgehend positive Bilanz seiner bisherigen Arbeit gezogen. Kritik übten die organisierten Einzelhändler jedoch an der Zusammenarbeit mit der Stadt.

"Die Stimmung ist zwar weiterhin alles andere als euphorisch. Jammern hilft aber nichts" - so fasste ganz am Ende der Jahreshauptversammlung die neue HGV-Sprecherin Claudia Fuchs die Gemütslage vieler Hermeskeiler Einzelhändler zusammen. Dass bei ihr zumindest vorsichtiger Optimismus anklang, hängt nicht zuletzt mit dem Start der Neubebauung am Donatusplatz zusammen. "Auf viele Dinge haben wir lange gewartet, und wir lechzen danach, dass es nach diesem Stau weitergeht", sprach die CDU-Stadträtin die Erwartungen ihrer gewerbetreibenden Kollegen deutlich aus. Etwas mehr als ein Jahr ist es her, dass der 74 Mitglieder starke HGV führungslos in eine Existenz bedrohende Krise getaumelt war. Nur mit Müh' und Not wurde in Fuchs, Anne Asbeck, Andreas Noll und Markus Porten ein Quartett gefunden, das die Vorstandsgeschäfte übernahm. Die Bilanz ihrer bisherigen Tätigkeit, die die Führungsriege vorstellte, weist mehrere erfolgreiche Aktivitäten auf. Es gab aber auch - das verhehlten Fuchs und Co. nicht - einige Rückschläge. "Überwiegend zufrieden" seien HGV und ausstellende Händler mit dem Verlauf der Gewerbeschau im März gewesen, obwohl die Besucherzahlen etwas unter denen von 2003 lagen. Einig war man sich seitens der HGV-Mitglieder auch darüber, dass sich das Experiment "Friesenmarkt" im April gelohnt habe. Dafür wurde zwar der verkaufsoffene Sonntag während der Stadtwoche im Juli fallen gelassen. Die "tolle Besucher-Resonanz" (Fuchs) beim Friesenmarkt habe jedoch gezeigt, dass diese Entscheidung richtig war. "Das werden wir in jedem Fall noch mal so machen", kündigte Fuchs eine Neuauflage am 8. und 9. April 2006 an.Kein Kunstschnee beim Weihnachtsmarkt

Es gab aber auch Grund zum Frust: "Mit unserer Idee, zusammen mit der Stadt einen Marketingverein zu gründen, sind wir auf ganzer Linie gescheitert", bedauerte Fuchs. Weil der HGV den Aufwand für so viele Veranstaltungen nicht mehr allein stemmen könne, habe man die Kräfte bündeln wollen und vorgeschlagen, dass im Marketingverein nebenberuflich ein Mitarbeiter eingestellt werden sollte, die sich dieser Aufgabe annimmt. "Mit diesem Konzept sind wir in den Beratungen mit den städtischen Gremien aber in der Luft zerrissen worden", zeigte sich auch Porten enttäuscht. Auf Granit biss der HGV auch, als er bei der Stadt eine neue, strengere Plakatverordnung beantragte, "weil es hier wegen der vielen Banner aussieht wie in einem Alptraum", so Fuchs. Der Stadtrat habe dieses Ansinnen jedoch abgeschmettert und auf bestehende Regelungen verwiesen, die das Anbringen von Plakaten bereits mit Auflagen verbinden würden. Bauchweh bereite ihr schließlich auch die Planung für den Weihnachtsmarkt 2005, sagte Fuchs weiter. Das liege aber keineswegs daran, dass es in der Vergangenheit wegen zu warmen Wetters zweimal nicht damit geklappt hat, Kunstschnee vom Erbeskopf in die Hermeskeiler Fußgängerzone zu schaffen. In diesem Punkt ist die Haltung des HGV klar: "Ein drittes Mal machen wir das nicht. Das halten wir nervlich nicht mehr durch", sagte Fuchs. Weil im vorigen Jahr zwischen HGV und Stadt als gemeinsamer Veranstalter Unstimmigkeiten aufgetreten waren, fordern die Einzelhändler für den Markt 2005 verbindliche Regelungen. Der Bauhof müsse künftig den Transport und das Aufstellen der Verkaufshütten übernehmen und die Stromversorgung gewährleisten. Der HGV kümmere sich im Gegenzug um die Werbung und die Organisation des Rahmenprogramms - formulierte der Verband seine Vorstellungen, von denen er nicht zurückweichen will. Denn, so Fuchs: "Wenn wir das nicht durchbekommen, sehen wir schon in diesem Jahr keine Chance mehr, den Markt mitzuorganisieren."

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