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Erfolgreiche Schatzsuche in der Mosel

 Gerd Siemon taucht auf aus der Mosel: In seinen Händen hält er einen Kelch und den dazugehörigen Deckel. Beides wurde im Dezember 2015 bei einem Einbruch in der Wellener Kirche gestohlen. TV-Fotos (2): Jürgen Boie
Gerd Siemon taucht auf aus der Mosel: In seinen Händen hält er einen Kelch und den dazugehörigen Deckel. Beides wurde im Dezember 2015 bei einem Einbruch in der Wellener Kirche gestohlen. TV-Fotos (2): Jürgen Boie FOTO: Jürgen Boie (jbo) ("TV-Upload Boie"
Wellen. Einige seit einem Einbruch in der Wellener Pfarrkirche St. Kunibert im Dezember 2015 verschwundenen Gegenstände sind wiedergefunden worden. Ein Taucher entdeckte Kelche, eine Schale - und Pokale, die offensichtlich von Sportvereinen stammen.

Wellen. Es wabert noch der Frühnebel über der Obermosel, als sich Gerd Siemon vom gleichnamigen Trierer Tauch-Service bereit macht zum Tauchgang. Sein Auftrag: die aus der Wellener Pfarrkirche St. Kunibert im Dezember 2015 gestohlenen Gegenstände - die Monstranz und einige Kelche - aus dem Fluss zu holen. Die Diebe gaben bei ihrer Festnahme an, dass sie die gestohlenen Gegenstände von der Brücke nach Grevenmacher ins Wasser geworfen hätten.

Kurz nach 10 Uhr hat die Wasserschutzpolizei die Mosel zwischen der Schleuse in Grevenmacher und dem Hafen Mertert für die Schifffahrt gesperrt. Gerd Siemon springt in voller Tauchermontur ins Wasser. Der Helm, der allein schon rund 30 Kilogramm wiegt, ist mit einer starken LED-Lampe und einer Kamera ausgestattet. Zusätzlich gibt es eine Sprechverbindung zum Boot, auf dem Steve Koch als Sicherungstaucher die Aktion überwacht und in Notfällen dem Taucher zu Hilfe eilen kann. Außerdem an Bord: ein Bootsführer, der auch die Tauchtechnik bedienen kann, wenn der Sicherungstaucher ebenfalls ins Wasser steigen muss.

Systematisch sucht Siemon den Grund der Mosel ab. Die Diebe hatten ihre Beute angeblich in der Mitte der Brücke ins Wasser geworfen. Siemon kennt das Gelände, da er beim Abriss der alten Wellener Brücke beteiligt war. Er weiß daher, dass an der Stelle, wo früher ein Brückenpfeiler im Wasser stand, eine Vertiefung im Flussbett ist. Und prompt wird er fündig: Schon nach wenigen Tauchminuten bringt er einen Kelch mit einem Deckel zum Beiboot, das sein Sohn Jan steuert. Der Vergleich mit den Abbildungen in der polizeilichen Informationsmappe ergibt unzweifelhaft, dass die Gegenstände aus der Wellener Kirche stammen.

Dann krabbelt Siemon weiter auf dem Flussgrund und "fächert" mit den Händen durch den Sand. Die Bedingungen sind optimal: kein Wind, relativ klares Wasser, angenehme Temperaturen. Siemon sieht unter Wasser ungefähr zwei Meter weit und hat ein klare Sicht, wie ein Blick auf den Kameramonitor an Bord beweist. Siemon bewegt sich von der Flussmitte ausgehend nach links und rechts. "Das hat den Vorteil, dass das Boot mit der Ausrüstung an einer Stelle liegen kann und die 50 Meter langen Versorgungsleitungen ausreichen, um nahe ans Ufer heranzukommen", erläutert Sicherungstaucher Koch.

Die Wassertiefe rund um die Brücke beträgt rund 3,30 Meter. Der Taucher bleibt fast schon von allein schon aufgrund des Gewichts der Ausrüstung unter Wasser. Zwei kleinere Bleipakete sorgen für die restlichen Kilo.
Vier Stunden dauert der Tauchgang. Auch die weiteren Gegenstände - ein mit Edelsteinen besetzter Kelch samt Deckel und eine Schale - werden gefunden. Außerdem zur Überraschung der Crew zwei Sport-Pokale. Auf einem lässt sich mühsam entziffern, dass er bei einem Jugendturnier im Mai 1982 in Andernach vergeben wurde.
Die Monstranz bleibt verschwunden. Für Gerd Siemon ist klar, "dass sie nicht von der Brücke ins Wasser geworfen wurde". Sein Argument: Da die leichten Deckel in großer Nähe zur Brücke auf dem Flussgrund lagen, hätte sich die weitaus schwerere und größere Monstranz auch dort befinden müssen.

Siemon hat, wie er sagt, den Tauchgang privat organisiert - natürlich angemeldet beim Wasser- und Schifffahrtsamt und bei der Wasserschutzpolizei. "Meine Mutter hat mich aufgefordert, doch etwas zu unternehmen", erklärt er. Die Polizei musste aufgrund von schwierigen Wetterbedingungen ihren geplanten Tauchgang zweimal absagen, zuletzt im März. Seither gab es keine Bemühungen mehr, in der Mosel nach dem Diebesgut zu suchen. jbo

 Mission gelungen: Das Team vom Trierer Tauch-Service.
Mission gelungen: Das Team vom Trierer Tauch-Service. FOTO: Jürgen Boie (jbo) ("TV-Upload Boie"