Erfolgreicher Kampf für die Ortsumgehung

Erfolgreicher Kampf für die Ortsumgehung

Ohne große Party feiert die Bürgerinitiative am Sonntag, 9. Januar, ein Jubiläum. 15 Jahre lang haben sich 25 Könener für die B 51-Ortsumgehung eingesetzt. Seit dem 22. Dezember 2010 ist bekannt, dass der Baustart für das Projekt für 2011 geplant ist.

Konz. Der Blick aus dem Fenster führt Erwin Carl jedes Mal vor Augen, wofür er kämpft. Von seinem Büro aus sieht der Sprecher der Bürgerinitiative (BI) für die Ortsumgehung Konz-Könen täglich, wie sich der Verkehr durch den Ort schlängelt.

Das soll sich bald ändern. Am 22. Dezember 2010 kam das Signal aus Berlin und Mainz, dass der Bau der Umgehungsstraße 2011 beginnt. Der Verkehr läuft dann am Ort vorbei. Das ist nicht zuletzt der 15 Jahre langen Arbeit der Bürgerinitiative zu verdanken, die am 9. Januar 1996 gegründet wurde.

"Wenn nicht immer die ganze Truppe hinter mir gestanden hätte, hätte das nie funktioniert", sagt Carl. Mit der Truppe meint er die rund 25 Könener, die gemeinsam für die Umgehung kämpfen. "Unser Logo ist ein bellender Hund. Wir bellen ja auch, dass hier etwas fehlt!"

Die BI hat Hunderte Schilder aufgestellt, Unterschriften gesammelt und Lobbyarbeit betrieben. Carl betont: "Keiner von uns ist in einer politischen Partei." Die BI wolle sich nicht vor einen politischen Karren spannen lassen. Das Büro von Carl ist nüchtern eingerichtet. Ein Tisch, Stühle, ein Schreibtisch mit Computer und Drucker. An der Wand hängt ein Plan, der zeigt, wo die Ortsumgehung verlaufen soll. Dieser Raum ist die Schaltzentrale der BI. Hier stehen die wichtigsten Waffen im Kampf um Aufmerksamkeit: ein Faxgerät, ein Telefon, ein Regal voller Ordner.

Das Faxgerät läuft oft auf Hochtouren



Gerade das Faxgerät lief oft auf Hochtouren. Jedes Mal, wenn Carl eine Mitteilung verschickt hat, geht sie an mehr als 15 Nummern raus - darunter die Staatskanzlei des rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten Kurt Beck, das Bundes- und das Landesverkehrsministerium sowie Bundes- und Landesparlamentarier aus der Region.

Mit dem Telefon hat Carl seine Mitstreiter über alles informiert. Im Oktober 2010 hat er zum Beispiel innerhalb einer Stunde rund 20 Menschen zusammengetrommelt, um Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer zu empfangen. Dieser war auf Einladung des CDU-Bundesparlamentariers Bernhard Kaster überraschend in den Ort gekommen. Die BI hat ihm spontan einen großen Bahnhof bereitet. Der Minister war beeindruckt.

Die Ordner in Carls Büro bergen den größten Schatz. Darin sind alle Artikel, Pressemitteilungen und Faxe zu finden, sozusagen die gesamte Kommunikation über das Thema Ortsumgehung. "Wenn ein Artikel erscheint, wird er ausgeschnitten und auf ein Din-A4-Blatt geklebt, gefaxt und eingeordnet", sagt Carl. Für jedes Jahr Bürger-Engagement stehen ein oder zwei Ordner im Regal, und es könnte sich noch weiter füllen. Denn der angekündigte Baubeginn soll nicht das Ende der BI bedeuten. "Die Politiker können davon ausgehen, dass wir ein ständiger Unruheherd in ihrer Umgebung bleiben", sagt Carl. Er will den Projektverlauf kritisch begleiten und hofft darauf, dass ab Mitte 2011 gebaut wird.

Ein großes Fest ist am Geburtstag der Bürgerinitiative nicht geplant. Erst für Samstag, 22. Januar, will Carl alle einladen, die die Könener Sache im Laufe der vergangenen 15 Jahre unterstützt haben. Bescheiden erklärt er: "Die Bürgerinitiative sagt dann Dankeschön." Extra Sternstunden der Bürgerinitiative: Ein anfänglicher Höhepunkt ist eine von der BI organisierte Demonstration mit 200 Teilnehmern am 1. Juni 1996. Am 20. Februar 2002 folgt ein symbolischer Spatenstich. Im März 2003 wird das Projekt in den vordringlichen Bedarf des Bundesverkehrswegeplans aufgenommen. Vier Jahre später startete das Planfeststellungsverfahren. Trotzdem wird das Projekt mehrere Jahre lang nicht in den Bundeshaushalt aufgenommen. Vor dem 15. Geburtstag der Bürgerinitiative am 22. Dezember 2010 kommt das Signal aus Berlin und Mainz, dass mit dem Bau der Ortsumgehung 2011 begonnen wird. (cmk)Extra Drei Fragen an Bundestagsabgeordneten Bernhard Kaster (CDU) über den langen Weg zur Entscheidung in Berlin: Was war aus Ihrer Sicht ausschlaggebend dafür, dass sich das Bundesverkehrsministerium für die Ortsumgehung Konz-Könen ausgesprochen hat? Kaster: Jedes Jahr schlagen alle Bundesländer mehr Straßenbauprojekte zum Neubeginn vor, als Mittel zur Verfügung stehen. Bei so vielen konkurrierenden Projekten bundesweit ist es ein absoluter Glücksfall, wenn der Bundesminister sich persönlich eine Maßnahme vor Ort ansieht. Ich bin Peter Ramsauer sehr dankbar, dass er meinem Wunsch nachkam und am 21. Oktober 2010 Könen besucht hat. Dort haben die Bürger das Projekt überzeugend und sympathisch präsentiert. Wie wurde in Berlin die Entscheidung gefällt? Kaster: Die Entscheidung muss nach den Gesprächen zwischen dem Bund und den Ländern politisch getroffen werden. Das heißt, Bundesminister Peter Ramsauer entscheidet im Rahmen der verfügbaren Haushaltsmittel persönlich. Eine sehr schwierige Entscheidung, da sehr viele gut begründete Projekte aus den Ländern vorgeschlagen werden. Ich bin froh, dass er den Nachholbedarf der Region Trier erkannt hat, und die Entlastung von Konz-Könen jetzt konkret in Angriff genommen wird. Welche Möglichkeiten hatten Sie als Abgeordneter der Regierungspartei aus der Region, auf diese Entscheidung Einfluss zu nehmen? Kaster: Der persönliche Kontakt ist das Wichtigste - auch für Konz-Könen: Etliche Besuche im Bundesverkehrsministerium und Gespräche mit Herrn Ramsauer sowie Staatssekretär Andreas Scheuer sind der Entscheidung vorangegangen. Zum Beispiel ein Arbeitsfrühstück am 18. Juni, der Ortstermin im Oktober und ein persönliches Gespräch mit Herrn Ramsauer am 14. Dezember. Schließlich bekam ich telefonisch das positive Signal des Ministers.

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