Kultur: Erinnerungen an einen Meilenstein

Kultur : Erinnerungen an einen Meilenstein

Lebendiger Auftakt mit Laiendarstellerinnen: Eine Wanderausstellung zum Jahrestag des Frauenwahlrechts ist zurzeit im Kloster Karthaus zu sehen.

„Frauen wählt, jede Stimme zählt!“ So hallte es am 19.Januar 1919 durch Deutschland. An diesem Tag durften Frauen in Deutschland erstmals wählen. Diese Worte konnten am Samstag auch die mehr als 150 Besucher im Festsaal des Klosters Karthaus in Konz hören. Die Gleichstellungsbeauftragten der Verbandsgemeinden und des Landkreises Trier-Saarburg haben anlässlich des 100. Jahrestags des Frauenwahlrechts eine Wanderausstellung konzipiert und für den Jahrestag aus dem Saarland zurück nach Konz geholt. Das revolutionäre und historische Datum hatte Laiendarsteller dazu bewegt, eine lebende Ausstellung auf die Bühne zu bringen.

Nachdem die Hauptorganisatorinnen Iris Molter-Abel und Anne Hennen die Zuhörer begrüßt hatten, gab es Grußworte von Joachim Weber, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Konz, und des Trier-Saarburger Landrats Günther Schartz. Zahlreiche weitere Politiker sind der Einladung der Gleichstellungsbeauftragten gefolgt.

Als Moderatorin führte Claudia Seeling die Anwesenden durch die Zeit der Entstehung des Frauenwahlrechts. Dann wurde es im Festsaal laut, und die Blicke galten zehn Frauen in schwarzen Mänteln mit Wahlplakaten: „Frauen wählt, jede Stimme zählt“, riefen sie. Auf der Bühne spielten die Laiendarstellerinnen folglich zehn bedeutende Frauen, die Deutschland zwischen 1918 bis heute bewegten, so dass die Ausstellung lebendig wurde.

Unter anderem gab es ein Gespräch zwischen Moderatorin Seeling und Marie Juchacz im Jahr 1919. Sie war die erste Frau, die im Reichstag eine Rede halten durfte. Weiter kam Lenelotte von Bothmer zum Wort. Sie löste 1970 einen Skandal aus, weil sie als erste Frau im Bundestag eine Rede in einem Hosenanzug hielt. Ein Schmunzeln ging durch den Saal. Am Ende gab es natürlich auch noch einen Austausch mit der ersten Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Ausstellung „Frauen die Geschichte schrieben“ in Konz

„Wir haben heute versucht, unsere Ausstellung lebendig werden zu lassen. Meilensteine der Zeit haben wir herausgestellt. Wann ist was Wichtiges passiert, wann kam die Frau das erste Mal in ein Amt? Die Darstellerinnen sollten die Ausstellung mit Leben füllen. Die Fragen zur Unterhaltung hat jeder für sich selber vorher ausgesucht“, erklärt Claudia Seeling die lebendige Ausstellung.

Nach einer Pause folgte der zweite Höhepunkt des Abends: eine musikalische Reise in die 1970er und 1980er Jahre. Sonja Pesie interpretierte starke Frauen und Sängerinnen wie Aretha Franklin und Helen Redy. Thomas Molter schilderte anschaulich das bewegende Leben der Sängerinnen.

„Mir als Gleichstellungsbeauftragte im Landkreis Trier-Saarburg ist es ein großes Anliegen, dass auch möglichst viele Frauen in der Politik tätig sind. Und da wir in diesem Jahr wieder Kommunalwahlen haben, haben wir mit dieser Veranstaltung einen Akzent gesetzt, um eben für die Wahl zu werben und Frauen zu animieren, sich wählen zu lassen oder ein Mandat anzunehmen“, sagt Anne Hennen.

Die Frauen im Festsaal lobten die Veranstaltung:  „Ich fand es super interessant, dass die Frauen, die in der Geschichte vieles erreicht haben, hier nochmals vorgestellt wurden und ihre Biografie ans Tageslicht kam“, sagt zum Beispiel Marita Sing. „Gerade hatten wir unter Frauen ein Gespräch, wie es derzeit mit dem Aufstellen der Frauen in der Politik ist. Auch angesichts der historischen Vorbilder, die heute vorgestellt wurden“, sagt Annemarie Scherf. Lachend fügt sie hinzu „Ich halte es unbedingt für nötig, dass eine Frauenpartei gegründet wird.“

Die Wanderausstellung „100 Jahre Frauenwahlrecht – Meilensteine der Geschichte“ ist noch bis zum 25. Januar im Kloster Karthaus in Konz zu sehen. Danach geht es weiter nach Mainz, Wiesbaden und Bitburg.

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