Erlebnistag im Saartal: Glocken, Gänse, glückliche Kühe und guter Wein

Kostenpflichtiger Inhalt: Kultur und Bildung : Erlebnistag Saar-Obermosel: Von Glocken, Gänsen, glücklichen Kühen und gutem Wein (Fotos und Video)

Beim Erlebnistag Saar-Obermosel erfahren die Teilnehmer, was die Region so besonders macht. Anleitung für einen spannenden Tag.

In der Esse der alten Schmiede faucht ein Höllenfeuer. Louis Theobald stochert mit einem Eisenstab in der Glut, lässt Funken sprühen. Schelmisch zwinkert der Metallkünstler mit den Augen, als er sich an die in sicherem Abstand wartenden Zuschauer wendet und ihnen seine nicht von Handschuhen geschützten Hände zeigt. „Wenn es jetzt nach verbrannten Steak riecht, dann sind das meine Finger.“

Dann demonstriert der Mann mit dem charakteristischen weißen Gabelbart den Teilnehmern des Erlebnistags zur Heimatwoche Saar-Obermosel, wie sich 800 Grad heißer Stahl unter den Schlägen eines mächtigen Hammers zu einer Spitze formen lässt. Robert Zaccaria ist mit seiner Frau Hannelore Schild aus Zerf auf Einladung des Trierischen Volksfreunds und der SWR-Landesschau in die Glockengießerei nach Saarburg gekommen. Mit Lederschürze und einem leichteren Schlaginstrument ausgestattet, gelingt es ihm unter dem Applaus der anderen Gäste, es dem erfahrenen Schmied nachzutun. „Vor zwei Jahren habe ich schon einmal einen Kurs gemacht“, sagt er. „Metallbearbeitung ist einfach faszinierend.“

Landesschau-Moderator Martin Seidler darf in einem zweiten Versuch sogar eine Stahlschnecke formen und ist stolz wie Bolle. Er wird in den kommenden Stunden noch einige Male von den 20 Gästen zu besonderen Experimenten motiviert, wenn es zum Hofgut Serrig und in den Keller des Weinguts Saarstein geht. Als der 1,90-Meter-Mann dort durch die enge Luke in einen leeren Stahltank klettert und sich nur mit großer Anstrengung wieder herauswinden kann, bekommt er den größten Applaus des Tages.

Doch davor ist interessiertes Staunen angesagt. Zum Beispiel im Museum der Glockengießerei Mabilon, durch die Marco Zimmer führt. „Ein Gießer konnte früher in 15 Minuten die Arbeit von sechs Monaten ruinieren“, erzählt er in der Gießhalle. 230 Jahre lang sind in der riesigen Dammgrube Glocken gegossen und „geboren“ worden. 7800 Unikate seien dort entstanden und in die ganze Welt verkauft worden. „Bei nur 80 Glocken ist der erste Guss nicht geglückt. Das ist ein Beleg für die Qualitätsarbeit bei Mabilon.“

Erlebnistag in bewegten Bildern: Von Glocken, Gänsen und glücklichen Kühen

Die letzte in Saarburg mit Handarbeit und viel Erfahrung gegossene Glocke war 450 Kilogramm schwer und wurde im Jahr 2002 nach Lima in Peru geliefert, für einen Preis von 19 000 Euro. Das und noch viel mehr erzählt der Erlebnisführer den Gästen bei seinen kurzweiligen Führungen durch die Räume und die Fertigungsschritte bis zum wohlklingenden Endprodukt. Die dafür notwendigen Klöppel, aber auch ganze Glockenstühle und Treppen, sind in der Mabilon-Schmiede entstanden.

Fingerfertig und genau muss auch in der Flechterei des Hofguts Serrig gearbeitet werden, wo zum Beispiel antike Stühle eine neue Sitzbespannung erhalten. Konzentriert und sicher fädeln junge Frauen und Männer hier das gelbe Flechtmaterial durch die vielen Bohrlöcher, bis das typische Muster der neuen Sitzoberfläche entsteht. „Das Flechtmaterial muss immer feucht bleiben“, erläutert Hofgutleiter Michael Köbler den staunenden Gästen. 170 Erwachsene mit geistiger Behinderung werden im Hofgut bei Temmels betreut, das auch 150 Hektar Fläche bewirtschaftet. 40 Festangestellte und weitere Auszubildende und Aushilfskräfte kümmern sich in der beruflichen Reha-Einrichtung um sie. Sie sind Anleiter und Freunde zugleich.

Der Umsatz von mehr als 17 Millionen Euro jährlich wird auch mit der Zucht und Verwertung von Tieren erzielt. Derzeit muhen 60 Mutterkühe auf den weitläufigen Weideflächen. „Die werden hier 20 bis 25 Jahre alt“, sagt Michael Köbler, der seine Gäste davor mit der historischen Karl-Marx-Feldbahn über das Areal kutschiert hat. Die begeisterten Teilnehmer aus der gesamten Region dürfen auch erleben, wie 600 ausgewachsene Gänse aufgeregt schnatternd im Pulk von ihrem Gatter zum einige Hundert Meter entfernten Teich watscheln.

Auf dem Hofgut Serrig dürfen Kühe 25 Jahre alt werden. Warum das so ist, erfahren die Teilnehmer der Besichtigung. Foto: Rainer Neubert
Zum Abschluss gibt’s ein Glas Wein auf dem Weingut Schloss Saarfels. Foto: Rainer Neubert

Myriam Speicher ist mit ihrem Mann aus Schweich-Issel ins Saartal gekommen. „Es ist toll“, lobt sie das Programm des Erlebnistags. „Wir haben sehr viele neue Dinge erfahren.“ Bei der abschließenden Weinprobe in Schloss Saarstein schließt sich nicht nur Martin Kutscheid (Daun) dieser Meinung an. „Besonders gefallen hat mir die Führung hier. Ich war noch nie in einem Weinkeller.“ Hausherr Christian Ebert hört solches Lob gern. Und Moderator Martin Seidler? Der ist froh, dass er wieder den Ausgang aus dem Stahltank gefunden hat.

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