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Erste Schritte auf ausgezeichneter Strecke

Erste Schritte auf ausgezeichneter Strecke

Startschuss am Saar-Hunsrück-Steig: Mit einer grenzüberschreitenden Wanderung von der Hochwaldalm bei Wadrill zur Burg Grimburg wurde am Mittwoch der insgesamt 180 Kilometer lange Premium-Wanderweg offiziell eröffnet. Bei der Auftaktveranstaltung schnürten 160 Teilnehmer ihre Stiefel.

Wenn selbst Minister, Staatssekretäre und Landräte ihren Anzug im Schrank lassen, mit legeren Freizeitkleidern zu einem offiziellen Termin kommen und sich dort eine blaue Kappe aufs Haupt setzen lassen, muss das schon einen triftigen Grund haben. Bei der Einweihung des Saar-Hunsrück-Steigs wäre alles andere als ein sportliches Outfit aber schlichtweg unpassend gewesen. Die Hochwaldalm bei Wadrill war am Mittwoch bei bestem Wanderwetter Treffpunkt für 160 geladene Gäste, darunter eine große Riege an Bürgermeistern und Touristikern, aber auch viele Vertreter von Wandervereinen aus der Region. Von dort startete die symbolische erste Etappe auf dem Premium-Wanderweg "Saar-Hunsrück-Steig", der zwei Bundesländer verbindet und auf seiner 180 Kilometer langen Strecke von der Saarschleife beziehungsweise Trier nach Idar-Oberstein eine reizvolle Mittelgebirgslandschaft mit vielen Sehenswürdigkeiten am Wegesrand durchquert.

Wandersiegel kommt im Herbst

Bis die Zertifizierung abgeschlossen ist, und der Weg das "Deutsche Wandersiegel" erhält, wird es zwar Herbst. Der Anspruch ist aber bereits jetzt deutlich formuliert: "Der Saar-Hunsrück-Steig ist kein Allerweltsweg, sondern ein Qualitätsprodukt, das es verdient hat, in der Bundesliga mitzuspielen", betonte der Trier-Saarburger Landrat Günther Schartz.

Seine Merzig-Waderner Amtskollegin Daniela Schlegel-Friedrich pflichtete dieser Einschätzung bei: "Der Weg bietet allen touristischen Leistungsträgern eine große Chance, die Wertschöpfung in unserer Region zu steigern", sagte die neue Vorstandsvorsitzende des Vereins Naturpark Saar-Hunsrück. Dafür sei es aber zwingend erforderlich, dass sich heimische Hotellerie und Gastronomie künftig gezielt auf die Bedürfnisse der Wandertouristen einstellen. Siegfried Englert, Staatssekretär im rheinland-pfälzischen Wirtschaftsministerium, wies deshalb darauf hin, "dass jetzt erst der Anfang gemacht ist. Weitere Schritte müssen folgen, denn ein Premiumweg bedarf ständiger Betreuung". Im Land sollen schon 2008 drei weitere prädikatisierte Weitwanderwege eröffnet werden, kündigte Englert an, der hinzufügte: "Wir setzen auf qualitätsorientierten Tourismus. Denn nur so kann man langfristig am Markt bestehen."

Dann aber waren der Worte genug gewechselt: Mit dem saarländischen Wirtschaftsminister Hanspeter Georgi an der Spitze brach der Tross zu einer vier Kilometer langen Tour auf, die im Kleinen das Konzept des Weges deutlich machte. Breite Forstautobahnen oder gar geteerte Wege werden auf dem Steig weitgehend gemieden.

Stattdessen ging es - unterbrochen von einem Zwischenstopp an der Landesgrenze, wo die Politprominenz symbolisch einen Grenzbaum durchsägte - auf schmalen Pfaden und über Stock und Stein zuerst hinunter ins romantische Wadrilltal und danach bergauf zum Ziel an der Grimburg, wo auf die Wanderer ein zünftiges Mittagessen wartete.

Meinung

Gutes, günstiges Zugpferd

Wird der Steig den erhofften Schub für den Tourismus im Naturpark Saar-Hunsrück bringen und der neue Premium-Weg zum Ansturm der Wandersleut' aus ganz Deutschland führen? Am Eröffnungstag lässt sich diese Frage sicher nicht beantworten. Fakt ist jedoch: Was den Trend in der Tourismus-Branche angeht, setzen Saarländer und Rheinland-Pfälzer mit ihrem Gemeinschaftsprojekt auf das richtige Zugpferd. Denn: Wandern boomt und der Markt floriert. Insofern bietet sich heimischer Hotellerie und Gastronomie mit dem Prädikatsprodukt "Saar-Hunsrück-Steig" durchaus eine gute Chance, Aktiv-Urlauber als neue Gäste anzusprechen und die Umsätze zu steigern. Dabei sollte nicht unerwähnt bleiben, dass sich all diese Möglichkeiten eröffnen, ohne dass die öffentliche Hand dafür einen immensen finanziellen Aufwand betreiben musste. Eins ist aber auch klar: Als bundesweit verhältnismäßig unbekannte Region hat die unbestritten reizvolle Strecke durch den Naturpark erschwerte Ausgangsbedingungen, wenn sie in Konkurrenz zu den etablierten Wandergebieten in Deutschland tritt. Deshalb wäre es auch eine übertriebene Erwartungshaltung, wenn man für den Saar-Hunsrück-Steig den furiosen Auftakterfolg des "Rheinsteigs" mit zirka 100 000 Wanderern in den ersten sechs Monaten als Maßstab anlegen würde. a.munsteiner@volksfreund.de