Erste Sitzung des Gemeinderats Heddert: Suche nach Ortsbürgermeister geht weiter

Kommunalpolitik : Stellvertreter sind da, aber noch kein neuer Ortschef für Heddert

So jung wie lange nicht mehr sind die Mitglieder im Gemeinderat Heddert und die am Montag gewählten Beigeordneten. Offen ist allerdings nach wie vor, wer das oberste politische Ehrenamt im Dorf übernehmen wird.

Die Wahl eines Ortsbürgermeisters ist Punkt drei in der ersten Sitzung des neuen Hedderter Gemeinderats. Josef Wagner, bis zur Ernennung eines Nachfolgers noch geschäftsführender Gemeindechef, blickt forschend in die Runde: „Gibt es Vorschläge?“, fragt er am Montagabend die sechs Ratsmitglieder und eine Hand voll Zuhörer im Haus Helena. Ihre Reaktionen: Schweigen und Kopfschütteln. „Dann können wir heute niemanden wählen.“

Josef Wagner hat 15 Jahre lang in Heddert die Geschicke der Gemeinde gelenkt, war zur Kommunalwahl am 26. Mai aber nicht mehr angetreten. „Irgendwann ist mal Schluss, ich will einfach weniger machen“, sagt der scheidende Ortschef, der auch noch Mitglied der FWG-Fraktion im Verbandsgemeinderat Saarburg-Kell ist. Nach seiner Absage fand sich im Hochwaldort mit etwa 260 Einwohnern kein Bewerber, die Direktwahl des Ortschefs durch die Bürger fiel somit aus. Für solche Fälle sieht die Gemeindeordnung vor, dass der Ortsbürgermeister oder die Ortsbürgermeisterin in der ersten Sitzung vom neuen Gemeinderat gewählt wird.

Doch die Suche in Heddert gestaltet sich schwierig. „Im neuen Rat sitzen drei Mitglieder, die noch keine kommunalpolitische Erfahrung haben“, erläutert Wagner. Die Älteren hätten berufliche Verpflichtungen, die mit dem zeitraubenden Ehrenamt nicht vereinbar seien. Zudem hätten einige der Erfahrensten im Rat aufgehört. Dennoch sind alle optimistisch, dass sich bald ein Gemeindechef findet. „Wir müssen uns erst mal einarbeiten“, sagt Ratsmitglied Manfred Wagner. Womöglich melde sich nach einer gewissen Zeit doch noch ein Interessent. Josef Wagner bringt scherzhaft die Kirmes (siehe Info) im August ins Spiel. „Ich sehe es kommen: Wenn wir da am Montag im Festzelt zusammensitzen, dann küren wir einen Ortsbürgermeister“, sagt er und lacht. Eile sehe er allerdings nicht geboten. „Gut Ding will Weile haben. Und schließlich bin ich ja auch noch da und führe die Geschäfte erst mal weiter.“

Laut Norbert Willems von der Verwaltung der Verbandsgemeinde Saarburg-Kell gibt die Gemeindeordnung keine Frist vor, bis zu der ein Nachfolger ernannt sein muss. „Die Kommunalaufsicht drängt aber schon darauf, dass es nicht zu lange dauert.“ Denn im Prinzip fehle dem früheren Ortschef, dessen Amtszeit abgelaufen sei, die „demokratische Legitimation für diese Aufgabe“.

Gänzlich unproblematisch läuft dagegen die Wahl der beiden Beigeordneten, die den künftigen Gemeindechef oder die Chefin bei Bedarf vertreten werden. Felix Scherf (25) und Michael Geisen (34) werden mit jeweils sechs Ja-Stimmen zum ersten und zweiten Beigeordneten gewählt. „So junge Beigeordnete hatten wir lange nicht“, sagt Josef Wagner. Es sei „eine tolle Sache“, dass junge Leute im Rat mitarbeiten wollten. Aber auch deren Vorgänger seien nicht vergessen. Die ausgeschiedenen Ratsmitglieder würden demnächst noch „gebührend verabschiedet“. 

Der neue Gemeinderat Heddert mit dem noch geschäftsführenden Ortsbürgermeister Josef Wagner (links) und dem hauptamtlichen Beigeordneten der Verbandsgemeinde Saarburg-Kell, Martin Alten (Dritter von rechts). Foto: Trierischer Volksfreund/Christa Weber

VG-Beigeordneter Martin Alten lobt die „gute Mischung“ im Hedderter Rat, wenn auch – wie von einer Zuhörerin kritisch bemerkt – keine Frau ins Gremium gewählt worden sei. Kurios sei sicherlich, dass mit Felix und Matthias Scherf, Manfred und Martin Wagner sowie Michael und Simon Geisen drei Brüderpaare die Politik im Ort gestalteten. Da alle sechs in der Feuerwehr aktiv seien, könne künftig „nichts anbrennen“.

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