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Erster Luxemburger Ortschef in Sicht

Erster Luxemburger Ortschef in Sicht

Maurice Meysenburg will sich am 25. Juli durch den Gemeinderat zum neuen Ortsbürgermeister von Paschel wählen lassen. Das klingt zunächst nicht besonders bemerkenswert, ist es aber: Denn der pensionierte Polizist, der seit 2008 im 240-Einwohnerdorf lebt, ist luxemburgischer Staatsangehöriger. Meysenburg wäre der landesweit einzige EU-Ausländer, der an der Spitze seines deutschen Wohnorts steht.

Paschel. Zusammen mit seiner Frau Monique hat Maurice Meysenburg vor sechs Jahren im Hochwaldort Paschel ein neues Zuhause gefunden. "Wir fühlen uns hier sehr wohl. Folglich ist es an der Zeit, etwas zurückzugeben", sagt der 65-Jährige, der drei erwachsene Kinder und drei Enkel hat und Luxemburger ist.
Konkret heißt das: Meysenburg bewirbt sich am Freitag, 25. Juli, als neuer Ortsbürgermeister von Paschel und strebt eine Wahl durch den Rat an.
Das Besondere an dieser Kandidatur: Meysenburg wäre aktuell der einzige EU-Ausländer, der an der Spitze einer rheinland-pfälzischen Gemeinde steht. Und er wäre der erste Luxemburger überhaupt, der einen solchen Posten inne hat (siehe Extra).
Das Spitzenamt in Paschel ist vakant, weil dessen Inhaber Erich Thiel nicht mehr weitermachen will. Das hatte Thiel schon weit vor der Kommunalwahl am 25. Mai betont. In seiner Luxemburger Heimat war Meysenburg Chef-Kommissar bei der Polizei. Er leitete unter anderem die Dienststelle Niederanven/Schüttringen und musste in dieser Funktion am 6. November 2002 zur Absturzstelle einer Luxair-Maschine eilen. 20 Menschen starben damals.
Nach seiner Pensionierung 2003 war Meysenburg dann acht Jahre lang ehrenamtlicher Generalsekretär der luxemburgischen Polizeigewerkschaft. Er ist im Großherzogtum also ein bekannter Mann.
Dass er dennoch seinen Wohnsitz nach Deutschland verlegte, erklärt Meysenburg so: "In Luxemburg sind die Preise für neue Häuser fast unbezahlbar." Im Internet entdeckten er und seine Frau die Immobilie im Pascheler Neubaugebiet, schauten sie sich an und fassten schnell den Entschluss, sie zu kaufen: "Ich wollte immer in einer Höhenlage wohnen. Das hier ist eine Gegend, wie sie mir gefällt." In den vergangenen Jahren war Meysenburg schon regelmäßig Zuhörer bei den Ratssitzungen. "Wenn man im Ausland wohnt, dann sollte man sich auch für die Sachen interessieren, die dort passieren."
Deshalb hatte Meysenburg sich am 25. Mai auch für einen Platz im Pascheler Gemeinderat beworben. Der wurde nach dem Prinzip der Mehrheitswahl ermittelt. Das heißt: Es gab keine verschiedenen Listen und Parteien. Meysenburg hatte vorher schon ein Flugblatt im Dorf vereilt. Darin kündigte er bereits an, dass er nach "einem Plebiszit der Pascheler Wahlgemeinschaft auch gewillt wäre, als Ortsbürgermeister zu kandidieren." Das Ergebnis übertraf aber dann alle Erwartungen: 147 Pascheler hatten ihre Stimme abgegeben. Davon machten 104 Stimmen hinter Meysenburgs Namen ein Kreuz. Das war das mit Abstand beste Ergebnis aller Kandidaten und bestärkte Meysenburg in seinem Entschluss. "Etwa 70 Prozent der Leute haben für mich gestimmt. Das finde ich fantastisch und zeigt, dass die Leute keine Berührungsängste haben", sagt Meysenburg. Er gehe schon davon aus, dass der sechsköpfige Pascheler Rat ihm am 25. Juli das Vertrauen schenkt und wählt.
Diesbezüglich hat auch Noch-Ortschef Thiel keine Bedenken: Meysenburgs Abschneiden am 25. Mai sei ein klarer Beweis, "dass er den Rückhalt der Bevölkerung hat. Ich traue es ihm auch ohne Wenn und Aber zu, dass er das Amt gut ausfüllt."
Meysenburg betont, dass er sich im Fall der Wahl "auf die neue Herausforderung freut. Denn mit 65 gehört man noch nicht zum alten Eisen". Wichtige politische Themenfelder sieht Meysenburg in der schuldenfreien Gemeinde Paschel zum einen darin, dass durch die Verlegung von Glasfaserkabeln die DSL-Versorgung verbessert wird. Zum anderen gebe es im Ortskern einige leerstehende Häuser, über deren zukünftige Nutzung man sich Gedanken machen müsse.
Extra

Gemäß Artikel 20 des Vertrags über die Arbeitsweise der Europäischen Union (AEUV) hat jeder EU-Bürger - unabhängig von seiner Staatsbürgerschaft - das Recht, in seinem Wohnsitzland in ein kommunales Amt gewählt zu werden. Dazu zählt auch der Posten des Ortsbürgermeisters. Nach Auskunft des statistischen Landesamts in Bad Ems "ist am 25. Mai landesweit kein EU-Ausländer zum Ortsbürgermeister gewählt worden. Auch die Gemeinderäte haben nach den bei uns eingegangenen Meldungen bislang keinen EU-Ausländer zum Ortsbürgermeister gewählt". Wenn Maurice Meysenburg Gemeindechef in Paschel wird, wäre das zwar aktuell einzigartig, aber dennoch kein Novum. Laut statistischem Landesamt war von 2009 bis 2014 in Tiefenthal (Verbandsgemeinde Bad Kreuznach) eine Österreicherin Ortsbürgermeisterin. "Informationen über frühere Direktwahlen liegen nicht vor", so die Behörde. Am 25. Mai hatte in Langsur (VG Trier-Land) mit Armand Welsch ebenfalls ein Luxemburger als Ortsbürgermeister kandidiert. Der Vorsitzende einer freien Wählergruppe unterlag aber in der Direktwahl durch die Bürger gegen Maria Braun (CDU). ax