Erstes islamisches Zentrum in Hermeskeil - Bei Integration helfen und Einheimischen den Glauben näherbringen

Erstes islamisches Zentrum in Hermeskeil - Bei Integration helfen und Einheimischen den Glauben näherbringen

Sie wollen Anlaufstelle für Muslime im Hochwald sein, aber auch einheimischen Christen ihre Werte näherbringen: Das haben sich die Mitglieder des islamischen Kulturzentrums in Hermeskeil vorgenommen, das am Dienstag eröffnet wurde. Die Stadt sieht in dem neuen Verein einen wichtigen Partner in Sachen Integration.

Hermeskeil. Die Wände sind in hellem Grün und Weiß gestrichen. Den dunkelroten Fußboden schützt eine Plastikfolie, weil die Gäste heute ihre Schuhe ausnahmsweise nicht am Eingang ausziehen müssen. Vor einem kleinen Gebetsteppich am Fenster hat ein junger Mann die Stimme erhoben, er ruft die Gläubigen auf Arabisch zum Gebet.

Die Räume am Langen Markt schräg gegenüber des Rathauses gehören zum ersten islamischen Kulturzentrum in Hermeskeil, das am Dienstagabend offiziell eröffnet wurde. 50 Gäste nahmen zunächst an einer Feierstunde im Mehrgenerationenhaus teil, darunter viele ehemalige Flüchtlinge, die im Hochwald ihre neue Heimat gefunden haben.

Hinter dem Zentrum steht ein neuer Verein (siehe Extra), dessen Vorsitz Mohammad El Hussein übernommen hat. Der Palästinenser lebt seit 25 Jahren in Deutschland und ist eingebürgert. Mit dem Verein will er seinen Glaubensbrüdern Hilfe anbieten, aber auch Vorurteile abbauen: "Mittlerweile gibt es in der Stadt viele Flüchtlinge muslimischen Glaubens, für die bislang kein Gebetsraum da war", sagte El Hussein in seinem Grußwort. Dieses Angebot mache nun der Verein. Es gehe auch darum, die Neuankömmlinge aus Syrien, Somalia oder Eritrea bei ihrer Integration in die Gesellschaft zu unterstützen. Deshalb biete der Verein Deutschkurse an, wolle aber auch über europäische Kultur, Werte und Regeln des Zusammenlebens informieren. Nach dem Freitagsgebet soll es Vorträge geben, "wo wir über aktuelle Themen, nicht nur religiöse, sprechen".Angebot auch für Einheimische


Der Verein wende sich aber nicht nur an Muslime: "Wir wollen für alle da sein, die sich für den Islam als Religion und Kultur interessieren. Unsere Türen stehen für jedermann offen", sagte der Vereinsvorsitzende. Deshalb sei der Religions- und Arabischunterricht, in dem ein "toleranter, weltoffener Islam" präsentiert werde, auch für Besucher zugänglich. "So wollen wir an einem friedlichen Miteinander von Menschen unterschiedlicher Herkunft mitarbeiten." Das islamische Kulturzentrum sei der erste Verein in Hermeskeil mit einer solchen Zielsetzung, betonte El Hussein.

Viele Eröffnungsgäste stünden bereits für eine "gelungene Inte-gration", sagte Diakon Andreas Webel von der Pfarrei St. Franziskus Hermeskeil. Etwa die 15-jährige Faduma, die bei der Ferienfreizeit von Pfarrei, Mehrgenerationenhaus und Familiennetzwerk Hafen als Betreuerin dabei war. "Mir macht es Spaß, mit den Kindern etwas zu unternehmen", sagt Faduma, die vor drei Jahren aus Somalia in den Hochwald kam. Sie habe mit den Kindern Filme geguckt, gebastelt und gemalt. "Ich mag es nicht, zu Hause zu hocken."

Der Dank des Vereins gilt vielen Unterstützern der Neugründung. Stadt und Pfarrei haben laut El Hussein bei der Anmeldung geholfen, das Mehrgenerationenhaus stellte kostenlos Räume für den Sprachunterricht bereit. Die Renovierung der Gebetsräume - Frauen und Männer beten voneinander getrennt - hat das islamische Kulturzentrum in Trier finanziell unterstützt. Die Albukhary Moschee in Konz habe "den richtigen Weg zum Erfolg gezeigt". Der Verein finanziere sich über Mitgliedsbeiträge und Spenden und sei "weiter auf Hilfe angewiesen", damit er auch langfristig "bei der Integration helfen" könne, appellierte El Hussein an die Bürger.

Stadtbürgermeister Mathias Queck erklärte, Hermeskeil brauche den Verein als "Bindeglied zwischen unseren Bürgern christlichen Glaubens und ihren muslimischen Mitbürgern". Für die Stadt sei das Zentrum ein "wichtiger Ansprechpartner", der auf Probleme im Zusammenleben aufmerksam machen könne: "Sagen sie uns, wo der Schuh drückt", forderte Queck den Vorstand auf. Michael Hülpes, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Hermeskeil lobte, dass das Zentrum einen Beitrag zur Integration leisten und den Bürgern die "positiven Seiten des Islam" näherbringen wolle. Ein Verein biete immer auch die Möglichkeit, "sich abzuschotten", sagt Hülpes. "Das wäre falsch. Nutzen sie ihn, um offen auf die Hermeskeiler zuzugehen."Meinung

Kluger Schritt
Die Einrichtung eines islamischen Kulturzentrums ist für Hermeskeil ein guter und kluger Schritt. Vorurteile lassen sich nur verhindern, Konflikte nur entschärfen, wenn die neuen Mitglieder der Gesellschaft auch an dieser teilhaben. Wenn sie sich nicht abschotten, sondern offen auf ihre Mitbürger zugehen. Dazu bietet der neue Verein mit dem Zentrum im Stadtkern die perfekte Möglichkeit. Er schafft einen Ort zur Begegnung und kann als Vermittler dienen. Für den Erfolg ist er aber nicht allein zuständig: Die Hermeskeiler müssen das Angebot jetzt auch nutzen. c.weber@volksfreund.deExtra

Gebetbücher stehen für die Besucher griffbereit. Foto: (h_hochw )
Zentral gelegen, mitten in der Hermeskeiler Fußgängerzone: Mohammad El Hussein vor dem Eingang des islamischen Kulturzentrums am Langen Markt. Foto: (h_hochw )

Die Räume des islamischen Kulturzentrums befinden in der Hermeskeiler Fußgängerzone, Langer Markt 28. Der eingetragene Verein wird seit dem 21. Juli im Handelsregister des Amtsgerichts Wittlich geführt. Der Vorstand: Mohammad El Hussein (Vorsitzender), Aden Samatar (Stellvertreter), Houssein Abdulhak (Sekretär), Mukhles Musa (Finanzen), Hasan Murshed, Saleh Omardin, Cuma Karatas (Beisitzer). Kontakt: ikzh@outlook.de cweb

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