1. Region
  2. Konz, Saarburg & Hochwald

Es brennt, aber die örtliche Feuerwehr erfährt nichts davon: In Palzem-Kreuzweiler ist das passiert. Die Ursache ist erkannt, eine Lösung in Sicht.

Kostenpflichtiger Inhalt: Feuerwehr : Wehr vor Ort kommt trotz Notrufs nicht

Nach einem Brand in Palzem-Kreuzweiler gibt es Kritik daran, dass die ortsansässige Feuerwehr nicht alarmiert wurde. Das Problem: Die Sirene lässt sich nicht per Funk in Gang setzen – weder in Kreuzweiler noch in zehn weiteren Orten. Eine Lösung ist in Sicht.

Manfred Linden ärgert sich über die unzureichende Technik der Feuerwehr in seinem Wohnort Palzem-Kreuzweiler. Denn fast wäre deshalb sein Wirtschaftsgebäude im Dezember abgebrannt.

Brand und Problem Ein Wagen, der nah an dem Gebäude geparkt war, hatte aufgrund eines technischen Defekts im Motorraum angefangen zu brennen. Linden sagt: „Bis die Feuerwehr da war, hatte ich den Brand mit Nachbarn gelöscht. Wir haben sieben Feuerlöscher geleert und das Auto schließlich auf die Straße gezogen.“ Das Feuer habe die Fassade des Gebäudes schwarz gefärbt, Fenster seien geborsten. Linden: „Da hätte Schlimmeres passieren können! In dem Gebäude waren Schweine.“

Das Problem: Auf den Notruf hin sind laut Linden die Feuerwehren vom vier Kilometer entfernten Palzem und dem elf Kilometer entfernten Wincheringen angerückt. Elf Minuten habe es gedauert, bis die ersten Brandschützer da gewesen seien, sagt Linden. Dabei hat der Ortsteil Kreuzweiler eine eigene Wehr, die theoretisch schneller hätten da sein können. Linden: „Es waren sogar einige Wehrleute zu Hause, aber die Sirene ging nicht. Sie kann per Funk nicht von Trier aus ausgelöst werden.“ Bernhard Hein, Wehrleiter der Verbandsgemeinde Saarburg-Kell, widerspricht bei der Zeitangabe. Er sagt: „Die Feuerwehr Palzem war innerhalb der Hilfsfrist (angestrebte Zeit zwischen Notruf und Eintreffen der Hilfskräfte) von acht Minuten an der Einsatzstelle und hat sofort die Löschmaßnahmen eingeleitet.“ Kurz darauf sei die Feuerwehr Wincheringen eingetroffen. Die Nachlöscharbeiten hätten die Wehren gemeinsam ausgeführt.

Problemursache Dass die Funk­alarmierung in Palzem-Kreuzweiler nicht funktioniert, hängt laut Nathalie Hartl, Pressesprecherin der Verbandsgemeindeverwaltung Saarburg-Kell, damit zusammen, dass der Ortsteil – genauso wie zehn weitere kleine Ortsteile (siehe Info) – kein eigenes Feuerwehrfahrzeug hat, das über den entsprechenden Funk verfügt. Die Wehren können dann auch nicht zurückmelden, dass sie unterwegs sind. Die Kreuzweilerer Wehr hat lediglich einen Tragkraftspritzenanhänger, der nur mit Hilfe eines Schleppers bewegt werden kann.

Brandmelder als erste Abhilfe Wehrleiter Bernhard Hein erklärt, dass die Saarburger Feuerwehreinsatzzentrale bei einem Notruf aus Orten ohne Funkalarmierung versucht, die Wehrführer telefonisch zu erreichen, damit diese die Sirene per Knopf auslösen. Der Wehrleiter sagt: „Das klappt aber oft nicht.“ Im Fall des Kreuzweilerer Brands sei nicht telefoniert worden, weil die Einsatzzentrale dafür zu spät besetzt gewesen sei.

Generell könne jeder den Sirenenknopf drücken, sagt Hein. Die Einwohner wüssten in der Regel, wo dieser sei. In Kreuzweiler befindet sich der Sirenenknopf, auch Brandmelder genannt, an der Bushaltestelle, die laut Hein 30 Meter von der Einsatzstelle entfernt liegt. Rätselhaft bleibt, warum beim Brand im Dezember niemand den Knopf gedrückt hat. Der Wehrleiter sagt: „Drei Wehrleute von Kreuzweiler waren an der Einsatzstelle. Einer von ihnen hätte die eigene Sirene auslösen können.“ Untätig waren die Kreuzweilerer aber nicht. Einer der drei Wehrleute wohnt direkt gegenüber des Einsatzorts und hat laut Hein gleich zu Beginn mit dem Feuerlöscher eingegriffen.

Der stellvertretende Wehrführer von Kreuzweiler, Patrick Mertes, war laut eigener Aussage nicht bei dem Brand dabei und will sich auf  TV-Anfrage auch generell nicht äußern. Einen Wehrführer gibt es in Kreuzweiler nicht, genauso wie in Dilmar. Die Wehren der beiden Orte sollen fusionieren. Hein sagt: „Nach dem Fusionsbeschluss der beiden Feuerwehren soll die Neuwahl erfolgen. Dies wird in den nächsten Wochen der Fall sein.“

App als Zwischenschritt Das Problem der fehlenden Funkalarmierung in Kreuzweiler und den anderen zehn Ortsteilen soll bald der Vergangenheit angehören. Wie Wehrleiter Hein berichtet, werden die Wehrleute künftig per App (Programm auf dem Handy) Bescheid kommen, wenn es brennt. Hein: „Wir sind da dran. Wir brauchen dafür die datenschutzrechtlichen Einwilligungen der Wehrleute. Deshalb haben wir sie alle angeschrieben.“ Generell seien Funksirenen aber auch nicht mehr zeitgemäß, sagt Hein. Deshalb wird schon lange über den Digitalfunk geredet.

Digitalfunk als Lösung Seit 2006 soll der Digitalfunk in der Region Trier installiert werden. Auf Nachfrage teilt Ernst Mettlach, Pressesprecher der Stadt Trier, mit: „Nach Auskunft des Landes Rheinland-Pfalz soll in diesem Jahr im Bereich der Integrierten Leitstelle Trier mit dem Aufbau der digitalen Alarmierung begonnen werden. Ende 2020 ist ein Probebetrieb angedacht.“ Für den Digitalfunk erhält jedes Feuerwehrmitglied einen Funkmeldeempfänger und ist darüber ereichbar.