Es geht nur in Etappen

Neuhütten-Muhl · Im Herz der Wildnis von morgen übernachten. Das ist die Idee, die hinter dem Projekt eines Nationalparkcamps in Neuhütten-Muhl steckt. Allerdings müssen dafür rund 650 000 Euro investiert werden. Trotz der Aussicht auf hohe Landeszuschüsse ist es für die Ortsgemeinde problematisch, das nötige Geld auf einen Schlag aufzubringen. Deshalb will der Rat nun eine Salamitaktik anwenden.

 Gleich kommt es an seinen Platz: Jan Gorges (links) und Volker Leonhard von der Straßenmeisterei Thalfang haben vor einigen Tagen am Eingang von Muhl ein neues Ortsschild aufgehängt. Denn der Neuhüttener Ortsteil hat das Recht, den Namen „Nationalparkgemeinde“ zu tragen. TV-Foto: Axel Munsteiner

Gleich kommt es an seinen Platz: Jan Gorges (links) und Volker Leonhard von der Straßenmeisterei Thalfang haben vor einigen Tagen am Eingang von Muhl ein neues Ortsschild aufgehängt. Denn der Neuhüttener Ortsteil hat das Recht, den Namen „Nationalparkgemeinde“ zu tragen. TV-Foto: Axel Munsteiner

Foto: (h_hochw )

Neuhütten-Muhl. Nun sind sie also endlich da - die ersten sichtbaren Zeichen, dass Neuhütten und sein Ortsteil Muhl im Nationalpark Hunsrück-Hochwald liegen. Vor einigen Tagen hat die Straßenmeisterei in beiden Dörfern ebenso wie in Damflos und Züsch an den Eingängen neue gelbe Ortsschilder mit der Aufschrift "Nationalparkgemeinde" aufgestellt.
Wie lange es dauern wird, bis in Muhl aus der ersten konkreten Idee für ein touristisches Nationalparkprojekt im Gebiet der Verbandsgemeinde Hermeskeil Realität wird, ist allerdings noch offen. Denn die Errichtung des Nationalparkcamps in Muhl (der TV berichtete mehrfach) wird aus Kostengründen nicht in einem Rutsch möglich sein. Es soll in zwei Schritten entstehen, wobei der Baustart frühestens 2017 erfolgen kann.

Das Projekt: Der Neuhüttener Ortsteil Muhl hat eine große Besonderheit. Er wird komplett vom Nationalpark umgeben und liegt wie eine Insel im Schutzgebiet. Daher bietet sich Muhl als Ausgangspunkt für Touren mit und ohne Ranger an. In Form von Hütten sollen Übernachtungsmöglichkeiten entstehen. Angedachter Standort dafür ist die große Wiese hinter dem Muhler Bürgerhaus, das auch in die Planung eingebunden wird. Dort könnten unter anderem die Sanitäranlagen für die Übernachtungsgäste eingerichtet werden. Im Vorraum ist eine Infostelle des Nationalparks angedacht. Allerdings ist das Bürgerhaus sanierungsbedürftig. Die Ausstattung, also auch die Toiletten, "sind Stand der 1960er Jahre. Duschen gibt es gar keine", sagt der Neuhüttener Ortschef Peter Kretz.

Das Finanzierungsproblem:
650 000 Euro müssten nach bisheriger Schätzung und Planung insgesamt in das Vorhaben investiert werden. Neuhütten hat zwar gute Aussichten, dass es in den Genuss der vom Land angekündigten "Premium-Förderung" von 75 Prozent für Projekte in den Nationalparkgemeinden kommt. Beim dafür bereitstehenden Zuschusstopf aus dem sogenannten EU-Leaderprogramm - der von der Lokalen Aktionsgruppe (LAG) Erbeskopf verwaltet wird - gibt es aber einen Haken. Einzelprojekte werden maximal mit 250 000 Euro bezuschusst. Die Kosten für das Nationalparkcamp sind aber deutlich höher. "Wir könnten auf diesem Weg also nie eine seriöse Gesamtfinanzierung hinbekommen", sagt Kretz, dessen Ort seit langem in den Haushalten rote Zahlen schreibt.
Die angedachte Lösung:
Bei einem Gespräch im Mainzer Umweltministerium haben die Neuhüttener daher den Rat erhalten, das Vorhaben Nationalparkcamp in zwei Teile zu splitten und Prioritäten zu setzen. Dem ist der Gemeinderat nun in seiner jüngsten Sitzung mit einem einstimmigen Beschluss gefolgt.
Zunächst soll die Sanierung des Muhler Bürgerhauses angepackt werden. Im am selben Abend verabschiedeten Etat 2016 sind dafür 10 000 Euro an Planungskosten vorgesehen. 2017 könnte es dann laut Ortschef Peter Kretz mit den Sanierungsarbeiten losgehen, wobei allein dieser Projektteil wohl um die 300 000 Euro kosten wird.
Erst im zweiten Schritt sollen dann die Übernachtungshütten gebaut werden. Einen Termin zu nennen, ab wann das geschieht, wäre für den Ortschef aber verfrüht, wie er im Gespräch mit dem Trierischen Volksfreund sagt.
Es ist also noch Geduld gefragt, bis Outdoor-Touristen in Muhl die Möglichkeit haben, mitten in der Wildnis in festen Hütten zu campieren.Extra

Die von der CDU-Landtagsfraktion geforderten Einsparungen beim Nationalpark (der TV berichtete mehrfach) kommen in Neuhütten überhaupt nicht gut an. Ortschef Peter Kretz sagt, dass der Vorschlag darauf hinauslaufe, "den Nationalpark auszuhungern. Für mich stellt sich da die Frage, wie die CDU mit den Menschen in unserer Region umgehen will. Es fehlt nicht viel, um zu sagen, dass wir uns verschaukelt fühlen". Allerdings schließen sich die Neuhüttener auch der Kritik an der Mobilitätsstudie an, die das Umweltministerium Ende Oktober vorgelegt hatte. In Neuhütten gibt es ebenfalls Unverständnis darüber, dass die in der Studie vorgeschlagenen Buslinien nur außen um den Nationalpark herumführen und vornehmlich Touristen an die Eingangstore bringen sollen, wohingegen nicht an eine innere Erschließung des Nationalparkgebiets und die Verbesserung des öffentlichen Personennahverkehrs der dort liegenden Orte gedacht worden sei. "Mir erschließt sich nicht die Sinnhaftigkeit, dass man im Zentrum des Nationalparks keine Busse haben will und dort alles im Individualverkehr mit Autos laufen soll", sagt Kretz. Ausdrücklich schließen sich die Neuhüttener der Forderung der Verbandsgemeinde Birkenfeld an. Diese pocht darauf, dass eine Buslinie durch den Nationalpark (Arbeitstitel Köhlerbuslinie) eingerichtet werden soll. Diese würde vom Bahnhof Neubrücke über Birkenfeld, Brücken, Börfink, Muhl, Neuhütten, Züsch und Damflos nach Hermeskeil führen. Umweltministerin Ulrike Höfken (Grüne) betont auf TV-Anfrage, "dass die Kritikpunkte und Vorschläge aus der Region im zukünftigen Mobilitätskonzept berücksichtigt werden sollen". Auch der Vorschlag mit dem Arbeitstitel Köhlerbuslinie soll aufgegriffen werden, da er laut Höfken "geeignet ist, um die kreis- und verkehrsverbundübergreifende Erschließung der Orte zu verbessern". ax

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