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Windkraft
Es geht voran – zumindest für vier Räder

 Zwischen Reinsfeld und Hinzert-Pölert drehen sich schon lange die Rotoren. Jetzt rückt auch die Genehmigung für einen Teil des Windparks Hochwald ein Stück näher.
Zwischen Reinsfeld und Hinzert-Pölert drehen sich schon lange die Rotoren. Jetzt rückt auch die Genehmigung für einen Teil des Windparks Hochwald ein Stück näher. FOTO: h_hochw <h_hochw@volksfreund.de>
Reinsfeld. Die Entwickler des Windparks Hochwald haben im Reinsfelder Gemeinderat von einem Rückschlag berichtet. Wegen eines Rotmilans sind für einen Teil der Anlagen weitere Untersuchungen nötig. Es gibt aber auch Fortschritte. Von Christa Weber
Christa Weber

Dominik Eichert war zuletzt vor fast genau einem Jahr Gast im Reinsfelder Gemeinderat. Damals berichtete der Projektleiter von der Firma Gaia, die gemeinsam mit

der Energie Baden-Württemberg AG (EnBW ) den Windpark Hochwald bei Reinsfeld bauen will, von den aktuellen Fortschritten. Man warte auf die Genehmigung der Anlagen durch die Kreisverwaltung, hieß es. Ein Jahr später habe sich daran wenig geändert, erklärte Eichert nun in der jüngsten Sitzung des Rats: „Wir sind immer noch nicht so weit. Aber wir sind unserem Ziel näher denn je.“ Es gehe in kleinen Schritten voran.

Laut Eichert gibt es für vier geplante Windräder auf Reinsfelder Gebiet keine Hindernisse mehr. Für diese Anlagen könne das notwendige Genehmigungsverfahren mit Beteiligung der Öffentlichkeit bald starten. Im Umfeld der anderen fünf Windräder habe jedoch ein Rotmilan seinen Horst bezogen. Um die Brutstätte dieser Raubvögel herum wird ein Schutzabstand von 1500 Metern zu den Anlagen empfohlen. „Wir gehen davon aus, dass wir diesen Abstand unterschreiten können“, sagte der Projektleiter. Dazu seien allerdings im Sommer sogenannte Aktionsraumanalysen nötig. Dabei beobachten die Gutachter, wo genau sich die Vögel aufhalten und welche Gebiete sie wie häufig überfliegen.

Weitgehend abgestimmt mit der unteren Naturschutzbehörde sind laut Eichert die Ausgleichsmaßnahmen, die den Eingriff in die Natur kompensieren sollen. Die Gemeinde Reinsfeld wird dafür Flächen bereitstellen. Unter anderem werden Waldflächen stillgelegt, Fichten durch Laubbäume ersetzt und Magerwiesen gepflegt. Dafür erhält die Gemeinde etwa 440 000 Euro. Der Vertrag hierzu werde bald aufgesetzt und könne in der nächsten Ratssitzung Ende März unterzeichnet werden, teilte der Gaia-Mitarbeiter mit.

Eichert ging auch auf die bisherigen Schwierigkeiten des Projekts Windpark Hochwald ein, das 2012 gestartet war. Seitdem hätten die Betreiber mehrfach Gutachen nachliefern und Unterlagen überarbeiten müssen – und dann oft lange Zeit auf Rückmeldung der Kreisbehörde gewartet. Die Behörde habe „sehr umfangreiche Unterlagen eingefordert“. Mit dem Rotmilan sei nun unerwartet ein neues Problem aufgetaucht. Zum Umgang mit dem geschützten Raubvogel gebe es aber inzwischen gute Leitfäden. Zudem stünden die Gutachter in engem Kontakt mit der Behörde. Dennoch sei es schwierig, etwas zum weiteren Zeitplan zu sagen.

Vorsichtig geschätzt könnte im April/Mai die Beteiligung der Öffentlichkeit beginnen. Dann haben auch Bürger einen Monat lang Zeit, sich im Internet und bei der Kreisverwaltung über die vier geplanten Windräder zu informieren, die nicht vom Rotmilan tangiert sind. Die Genehmigung erhofft Eichert für Juli: „Unserer Meinung nach kommen hierzu keine Hinweise mehr, die eine Überarbeitung erfordern könnten.“ Für den zweiten Anlagen-Block könnte das Verfahren nach den Rotmilan-Analysen im Herbst starten. Käme die Genehmigung rechtzeitig, könnte im Winter 2019/2020 mit Rodungen und dem Bau der Räder begonnen werden.

Ortsbürgermeister Rainer Spies (SPD) merkte an, dass man schon seit sieben Jahren am Windpark Hochwald arbeite. „Wir haben geschafft wie verrückt und schon früh gute Verträge geschlossen.“Glücklicherweise hielten die Betreiber daran trotz der Verzögerungen fest. Dass es mit der Genehmigung so lange dauere, sei unverständlich – zumal für den Windpark Rascheid der Bescheid seit Sommer 2018 vorliege. Hartmut Heck, beauftragter Bürgermeister der Verbandsgemeinde Hermeskeil, betonte, dass die Umstände in Rascheid andere seien. Reinsfeld wäre ähnlich weit, wäre das Problem Rotmilan nicht aufgetaucht. Heck mahnte: „Alles auf die Kreisverwaltung zu schieben, halte ich für unglücklich.“ Bei einem Treffen mit dem Landrat und Spies wolle man das Thema in kleiner Runde besprechen.

Andreas Weist (CDU) lieferte sich ein Wortgefecht mit dem Ortschef, nachdem dieser ihn als „Windkraftgegner“ bezeichnet hatte. Weist sagte dem TV nach der Sitzung, dass Windräder seiner Meinung nach nicht in ein Waldgebiet gehörten: „Die Untere Naturschutzbehörde prüft daher die Anträge sehr sorgfältig und trifft keine voreiligen Entscheidungen. Das ist gut so.“