Es grünt so grün in Mosel und Saar - Von Blaualgen und anderen Wasserpflanzen

Es grünt so grün in Mosel und Saar - Von Blaualgen und anderen Wasserpflanzen

2017 wachsen die Wasserpflanzen prächtig in den Flüssen der Region. Sie sind ein Zeichen für klares Wasser. Von einer guten Wasserqualität sprechen die Experten dennoch nicht.

Wer in diesem Jahr desöfteren an Mosel oder Saar spazieren gegangen oder mit dem Rad entlanggefahren ist, konnte es beobachten: Die Flüsse wurden - zumindest in den Randbereichen - zunehmend grün. Nicht nur durch Blaualgen, die auch Probleme bereitet haben und dies noch tun (siehe Extra), sondern auch durch Wasserpflanzen.

Dr. Andreas Sundermeier von der Bundesanstalt für Gewässerkunde sagt: "2017 ist ein gutes Wasserpflanzenjahr." Woran das genau liegt, kann er nicht sagen. Generell begünstige jedoch viel Sonne, wenig Regen und dadurch wenig Abfluss das Wachstum dieser Pflanzen, meint der Geoökologe. Auch die Wassertemperatur und -trübung hätten einen Einfluss auf das Wachstum. Sundermeier untersucht die Entwicklung von Ausgleichsflächen für den Ausbau der zweiten Moselschleusen bei Minheim und Graach. Er sagt: "Aktuell kommen etwa zehn verschiedene Wasserpflanzenarten recht häufig in der Mosel vor. Weitere fünf Arten sind sporadisch anzutreffen." Da die Bedingungen fast überall an Mosel und Saar ähnlich sind, hält er seine Beobachtungen für übertragbar.

Zu den häufigsten Arten in der deutschen Mosel gehören laut dem Experten die bekannte Gelbe Teichrose (siehe Foto), die gesetzlich geschützt ist. Vielen Bürgern fallen laut Sundermeier die Schwimmblätter des Knoten-Laichkrauts (Foto) auf. Das Kraut sei für viele große Flüsse typisch. Auch eine in Rheinland-Pfalz und dem Saarland als stark gefährdet geltende Art ist dabei: das wärmeliebende Große Nixenkraut (Foto), das in der Regel nur in kleinen Mengen auftritt.

Ob sich die Zahl der Wasserpflanzenarten in den vergangenen zehn Jahren erhöht hat, kann der Experte nicht sagen. Sundermeier: "Wir verfügen in der Bundesanstalt für Gewässerkunde nicht über verlässliche historische Daten zu den Artenzahlen." Sicher ist jedoch, dass es mehr Arten sind als vor Jahrzehnten. Sundermeyer: "Das Wasser ist klarer, als es noch vor 30 Jahren war. Dadurch sind die Lichtverhältnisse im Gewässer günstiger für Wasserpflanzen." Generell sei die Vermehrung von Wasserpflanzen ein positives Zeichen für eine verbesserte Gewässerqualität. Die Pflanzen gehörten zu einer intakten Umwelt dazu und würden durch den Aufstau von Mosel und Saar gefördert, weil die Strömung nicht so stark sei.

Von sauberem Wasser will der Geoökologe dennoch nicht reden. Er verweist auf die Experten des Landesamts für Umwelt Rheinland-Pfalz. Diese nennen einige Probleme bezüglich der Mosel. Die meisten seien auch auf die Saar übertragbar., heißt es. Demnach müssten die Nährstoffgehalte (Phosphor und Stickstoff) weiter reduziert werden, um ein übermäßiges Wachstum von Schwebalgen zu verringern. Die Salzbelastung durch Einleitungen bei der Sodaherstellung in die französische Mosel sei zwar verbessert worden, der Eintrag jedoch immer noch recht hoch. Fortschritte seien bei den Emissionen von Schwermetallen zu verzeichnen, in der oberen Mosel sei jedoch die nationale Norm für Kupfer überschritten. Pflanzenschutzmittel und Arzeneimittelwirkstoffe seien aktuell zu beobachten. Die Konzentration liege unter den Qualitätsnormen.

Milan Sell, Pressesprecher des Landesamts für Umwelt, zählt weitere Problemstoffe auf, die durch die Luft in die Mosel gelangen wie Quecksilber und polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe. An diese Stoffe, die überall vorkämen, werde ein strenger Bewertungsmaßstab angelegt. Dennoch führe vor allem ihre Anwesenheit dazu, dass ein "nicht guter chemischer Zustand" für die Mosel festgestellt werde.

Auch das ökologische Potenzial wird derzeit eher negativ eingeschätzt. Es gilt als unbefriedigend.Extra: BLAUALGEN: WARNUNG VOR WASSERKONTAKT

Foto: (h_sab )
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Seite Mitte August haben sich laut Landesamt für Umwelt gefährliche Blaualgen in den Uferbereichen und den Stauhaltungen der Mosel zwischen Frankreich, Luxemburg und Koblenz ausgebreitet ("Blaualgen in der Mosel: Nicht ins Wasser", TV vom 12. August). Mittlerweile zeigten sich die giftgrünen Algenschlieren und -teppiche nicht mehr überall ganz so auffällig, heißt es. Das Amt warnt dennoch weiterhin davor, Gewässer- und Uferbereiche mit deutlich grüner Färbung zu meiden. Auch sollte das Moselwasser nicht getrunken oder verschluckt werden. Haustiere sollten vom Wasser ferngehalten werden. Der Grund: Die Blaualgen, die eigentlich Bakterien sind, können Reizungen der Haut und Schleimhäute, Übelkeit, Durchfall und Erbrechen verursachen. Einige Veranstaltungen wie ein Moselschwimmen und eine Ruderregatta sind laut Landesamt im August abgesagt worden. Warum dieses für die Mosel neue Phänomen der starken Blaualgenvermehrung auftritt, ist für die Experten weiterhin schwierig zu fassen. Sie können nur Vermutungen aufstellen, durch welche Faktoren es begünstigt wird. Dazu zählen Nährstoffeinträge, eine lange Aufenthaltszeit des Wassers durch die Stauregulierung bei gleichzeitig niedrigem Abfluss, die zunehmend warmen Temperaturen sowie wechselhafte Witterungsverhältnisse mit wiederholten, kleineren Niederschlagsereignissen. Laut Landesamt verfolgen die zuständigen Behörden die weitere Entwicklung der Algenblüte intensiv. Sollten die Witterungsbedingungen in nächster Zeit durch Niederschläge zu höherem Abfluss der Mosel führen, gehen die Gewässerökologen von einem deutlichen Abklingen des Phänomens aus. Doch nicht nur wegen der Blaualgen rät das Landesamt für Umwelt vom Schwimmen in der Mosel ab, sondern auch wegen des Schiffsverkehrs und der Strömungen. Zudem könnten sich Schwimmer mit Krankheitserreger infizieren.

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