Es ist endgültig aus

Der letzte Funken Hoffnung auf einen Neustart mit kleiner Besetzung ist erloschen. Wegen der Wirtschaftskrise hat der neue, ungarische Besitzer des seit einem Jahr geschlossenen "Hochwald-Türenwerks" in Kell am See seine Pläne zur Wiederaufnahme der Produktion fallen lassen. Die Maschinen sollen nun verkauft, die Firmenhallen vermietet werden.

Kell am See. Vor fast genau einem Jahr wurde im insolventen "Hochwald-Türenwerk" die Produktion eingestellt. Die Schließung des seit 1950 in Kell ansässigen Traditionsbetriebs der Familie Haag bedeutete, dass sich circa 150 Mitarbeiter einen neuen Job suchen mussten. Im August 2008 deutete sich aber die Möglichkeit eines Neuanfangs im kleineren Rahmen an. Der ungarische Unternehmer Roland Geiger wurde für einen Kaufpreis von 2,7 Millionen Euro Besitzer der Maschinen und des Firmengeländes in der Keller Kapellenstraße. Erklärtes Ziel der neu gegründeten Geiger GmbH war es, die Türenproduktion wieder aufzunehmen. Circa 15 Menschen - zumeist aus der früheren Belegschaft - setzten in diese Aussichten auf Wiederbelebung ihre Hoffnungen. "Bis Mitte Februar haben wir auch intensiv darauf hingearbeitet", sagt Markus Haag im TV-Gespräch. Der frühere Türenwerk-Geschäftsführer ist von Geiger, der selbst kein Deutsch spricht, als Repräsentant der neuen Besitzer-Gesellschaft eingestellt worden. Mit vier Personen habe man bereits im Herbst 2008 damit begonnen, die Maschinen und Anlagen zu warten, zu überholen und sie für das Wiederanlaufen der Produktion bereit zu machen. Dazu wird es nun aber doch nicht kommen. "Wir müssen leider unsere Pläne rückgängig machen, weil uns die Wirtschaftskrise einen Strich durch die Rechnung gemacht hat", so Haag. Wegen der Herkunft und der Kontakte des neuen Türenwerk-Besitzers sei es die ursprüngliche Absicht der Geiger GmbH gewesen, die künftig in Kell hergestellten Türen schwerpunktmäßig in Osteuropa zu verkaufen. Weil es in diesen Ländern aber zuletzt einen deutlichen Verfall der Währungen gegeben habe, könnten sich die potenziellen Kunden Exportwaren aus dem Euro-Raum kaum mehr leisten. "Auf absehbare Zeit ist auch nicht damit zu rechnen, dass sich an dieser ungünstigen Marktlage etwas ändert und an einen Neustart zu denken ist".

Der Chef der Geiger GmbH wolle nun vielmehr die Maschinen und Anlagen im Türenwerk "gewinnbringend absetzen", wie es Haag formuliert. Die Firmenhallen soll entweder verkauft oder, was wahrscheinlicher sei, vermietet werden. Einige Miet-Interessenten gebe es zwar. Klar sei aber auch, dass es wegen der aktuellen Wirtschaftskrise auch für diese Absichten erschwerte Bedingungen gibt. Für den Keller Ortsbürgermeister Markus Lehnen (CDU) ist die Gewissheit, "dass oben der Schornstein aus bleibt" eine Hiobsbotschaft. Vor allem gelte das für die betroffenen Arbeitskräfte. Aber auch für die Gemeinde sei die "riesige Fläche mit leeren Hallen, denen womöglich der Verfall droht", ein großes Problem. Man dürfe jetzt aber nicht den Kopf in den Sand stecken. "Wir müssen schauen, dass die Hallen wieder in Wert gesetzt und genutzt werden. Das wird die Gemeinde mit den Mitteln, die ihr zu Gebote stehen, tatkräftig unterstützen", sagt Lehnen.