Etwas von Afrika bleibt

SCHWEICH. (s.b.) "Wenn ihr nicht nach Afrika kommen könnt, dann kommt Afrika eben zu euch!" – spricht’s, grinst breit von einem Ohr zum anderen, wirft Schulleiter Friedhelm Weber eine Trommel zu, und gemeinsam trommeln sich beide vor faszinierter Zuhörerschaft weit hinein in die unendlichen Ebenen Afrikas...

Der Senegalese Ibrahima Ndiaye, der sich Ibo nennt, nahm die Kinder der Grundschule Schweich mit auf eine Reise durch seinen Kontinent, "so groß wie 84-mal Deutschland" mit 52 Ländern und 20 Sprachen. In einer Autorenlesung der ganz besonderen Art ließ der Musiker, Tänzer und Schriftsteller, der seit 18 Jahren in Deutschland lebt, die Kinder staunen. Staunen vor afrikanischen Begrüßungs-Ritualen, "für die wir uns viel Zeit nehmen, so zwischen zehn und 15 Minuten", vor dem Respekt vor alten Menschen, "die wir wertschätzen und vor deren Alter wir uns höflich verneigen", und vor dem liebevollen Respekt Eltern und Lehrern gegenüber, "die uns ihre Zeit schenken, uns erziehen und bilden". Gespannt lauschen die Dritt- und Viertklässler, als Ibo vom Schulalltag in seiner Heimat erzählt. Seine Stimme wird sehr leise, so wie es die Lehrerin zu Hause in Dakar immer gemacht hat, damit alle zuhören sollten, "denn sie sagte alles nur einmal, Wiederholen, das war nicht ihr Job", erinnert er sich und lässt die Augen kullern. Seine Botschaft einer Kultur der Toleranz, der Achtung, Disziplin und Liebe verpackt er treffsicher und mit Augenzwinkern, er ist eine Frohnatur, gestikuliert mit Händen und Füßen, erst recht, wenn er über gute Manieren, Bescheidenheit und Dankbarkeit spricht. Seine Geschichten liest er nicht am Pult vor, er erzählt sie mit musikalischem Klangholz, "so wie es meine Großmutter am Abend immer getan hat", und bezieht die Kinder mit ein. Den zehnjährigen Marvin lässt er als heimtückische Hyäne von Bauchkrämpfen geschüttelt am Boden ausharren, während der schlaue Hase Jan im Schatten der Affenbrotbäume Schutz sucht und die eingebildete Hyäne zu überlisten vermag. Ibos Märchen aus dem Senegal, "Ndumbelaan, das Reich der Tiere", oder "Amadou ma Amadou" sind Quellen belehrender Heiterkeit, und wenn man den 42-jährigen studierten Germanisten, Romanisten und Anglisten beim Erzählen erlebt, dann spürt man, dass etwas von seiner afrikanischen Heimat, etwas von der inneren Freude und der Liebe zur Natur zurückbleibt - nicht nur in der Erinnerung der Kinder.