Projekt in Saarburg: Experten zeigen Kindern, woher der Traubensaft kommt

Projekt in Saarburg : Experten zeigen Kindern, woher der Traubensaft kommt

Das Projekt Kinderwingert soll dem Nachwuchs Natur und Kulturlandschaft näherbringen und Spaß machen. Vor 20, 30 Jahren wäre wohl keiner auf die Idee gekommen, ein solches Vorhaben zu starten.

Als Christiane Wagner vom Weingut Dr. Wagner aus Saarburg von dem Projekt Kinderwingert (Kiwi) las, dachte sie gleich: Das könnten wir bei uns machen. Die Mutter eines dreijährigen Sohns schlug dies dem befreundeten Kultur- und Weinbotschafter aus Trassem, Guido Schramm, vor, und er war sogleich mit im Boot. Zusammen bieten die beiden das Projekt, das fünf Treffen zwischen März und Oktober umfasst, nun in Saarburg an.

Die Kinder dürfen sich dabei ihre eigene Rebe aussuchen, ihr einen Namen geben und die Pflanze schneiden und binden. Sie begleiten die Trauben bis zum Keltern und erstellen ein Wingertsbuch, das bei jedem Treffen mit neuen Infoblättern, Bildern, Geschichten, gepressten Pflanzen und Erinnerungsstücken gefüllt wird. Sie gehen mit der Lupe auf die Suche nach Tieren rund um den Weinstock. Zum Abschluss bekommt jedes Kind eine Flasche Traubensaft und ein Diplom. Mitmachen können Kinder ab der zweiten Klasse (sie sollten schon etwas schreiben können) bis zum Alter von zwölf Jahren.

Christiane Wagner sagt: „Kinder haben heute oft wenig Bezug zur Natur und wissen auch nicht mehr, woher das Essen kommt. Sie sehen, dass der Spinat aus der Tiefkühltruhe genommen wird.“ Früher hätten viele Familien mindestens ein paar Rebstöcke hinter dem Haus und auch einen Nutzgarten gehabt. Im Herbst hätten die Winzer die ganze Familie für die Lese zusammengetrommelt. Doch das werde immer weniger. Wagner: „Seit 15 bis 20 Jahren gibt es immer weniger Nebenerwerbswinzer. Die Nachfolger fehlen, weil oft Mann und Frau arbeiten gehen und dann keine Zeit mehr haben.“ Hinzu käme, dass die Nebenerwerbswinzer oft die Trauben abgegeben hätten, für die in bestimmten Jahren wenig Geld gezahlt wurde. Auch die Winzergenossenschaften hätten zugemacht. Dass Weinberge aufgegeben wurden, hat zur Entwicklung von Brachen geführt. Wagner: „Aber Gott sei Dank wollen viele Winzerbetriebe größer werden und kaufen Brachen auf, um sie wieder zu bewirtschaften.“ Auch sie plane ihr Weingut, das sie in der fünften Generation führt, zu vergrößern.

Die ursprüngliche Idee zum Kinderwingert hatte 2007 die Kultur- und Weinbotschafterin Barbara Reif aus Nierstein in Rheinhessen. Sie hat das Projekt entwickelt und sich urheberrechtlich schützen lassen. Seit neun Jahren gibt es auch in Trittenheim einen Kinderwingert. Im vergangenen Jahr wurde ein solcher erstmals in Traben-­Trarbach eingerichtet. Kultur- und Weinbotschafter Guido Schramm aus Trassem hat seine Kollegin Barbara Reif besucht und sich in Trittenheim einen Termin mit Kindern angeschaut, um sich für das Projekt in Saarburg kundig zu machen.

Der Wingert an der Saar, in dem die Kinder laut Wagner vor allem Spaß haben sollen und nebenher etwas lernen, liegt in der Saarburger Kupp über den Dächern der Stadt. „Eine tolle Lage mit schöner Aussicht und alten Reben“, schwärmt Guido Schramm, dem es ein Herzensanliegen ist, dass die Wein-Kulturlandschaft erhalten bleibt. Die Steillagen, die es auch an der Saar gebe, seien schützenswert. Sie gäben bedrohten Tier- und Pflanzenarten einen Rückzugsort, den die industrielle Landwirtschaft nicht mehr gewähre.

Die Frage, ob Alkohol und die damit verbundenen möglichen Gefahren in dem Projekt thematisiert würden, überrascht Wagner und Schramm. Wagner sagt: „Kinder interessieren sich eher für Traubensaft.“ Schramm ergänzt, dass dies in erster Linie ein Auftrag der Schulen sei, aber man überlegen könne, dieses Thema in Abhängigkeit des Alters der Kinder anzusprechen (mehr zu diesem Thema auf Seite 10).

Die Termine im Saarburger Kinderwingert: jeweils samstags um 13 Uhr und zwar am 9. März, 11. Mai, 22. Juni, 17. August und 19. Oktober (Termine können wetterbedingt verschoben werden). Die Treffen dauern etwa 1,5 Stunden, Eltern oder Großeltern können zuschauen. Anmeldung: Die Kinder können bis Samstag, 2. März, angemeldet werden bei Kultur- und Weinbotschafter Guido Schramm, Telefon 06581/920767, E-Mail: info@tourzumsaarwein.de

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