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Experteninterview zu Mobbing an der Schule mit Werner Ebner

Interview : Mobbingopfer brauchen massive Hilfe

Mobbingexperte Werner Ebner gibt Tipps zum Umgang mit Quälereien und Psychoterror.

Werner Ebner ist examinierter Lehrer und hat sich in Sachen Mobbing und Gewaltprävention beständig fortgebildet. Er ist Vorstandsmitglied des Landesschulbeirats Baden-Württemberg und betreibt seit dem Jahr 2000 das größte Internetportal zu Mobbing an Schulen in Europa (www.schueler-mobbing.de) und weitere Portale zum Thema. Zum TV sagt er, dass er allein am Telefon mehr als 15 000 Beratungen gemacht hat.

Wie erkennen Eltern und Lehrer am besten, ob Kinder/Jugendliche gemobbt werden?

Werner Ebner: Der einfachste und sicherste Weg geht über das Smartphone. Ich habe dazu eine App entwickelt, einen Mobbingtest für Android und iPhone. Der Test ist absolut anonym, die Auswertung erfolgt sofort, die Antworten kann man sich ausdrucken oder mailen, was für eine Analyse vorteilhaft ist. Es werden keine Daten aus dem Smartphone gesammelt, werbefrei, kostenlos.

Es gibt zahlreiche Empfehlungen von Experten, was zu tun ist. Was hilft den Betroffenen denn am meisten?

Ebner: Suche dir moralischen und menschlichen Rückhalt und Unterstützung bei Verbündeten in deiner Klasse, nötigenfalls auch in anderen Klassen, falls möglich. (1) Sprich Schülerinnen und Schüler in deiner Umgebung auf das Problem an. (2) Protokolliere jede Art von Übergriffen (Mobbingtagebuch). (3) Wenn möglich, sichere dir die Aussagen von Zeugen. (4) Fordere deine Mitschüler, aber auch die beteiligten Lehrer notfalls schriftlich auf, das unerwünschte Verhalten zu unterlassen. (5) Geht der Terror weiter, wende dich an die Schulleitung, den Vertrauenslehrer oder den Beratungslehrer. (6) Kommst du damit nicht klar, hol dir professionelle Hilfe durch den Beratungslehrer, Psychologen oder eine Erziehungsberatungsstelle. Das ist vor allem wichtig, weil deine Eltern dich unterstützen sollten. Die Erfahrung zeigt, dass Opfer massive Unterstützung brauchen. Die Schule muss das abstellen und die Eltern müssen es einfordern. Verweigert die Schule, hilft nur ein Schulwechsel. Ein Klassenwechsel bringt nichts!

Helfen das Internet und die zahlreichen Beratungsseiten online bei Mobbing weiter?

Ebner: Das Mobbingproblem muss vor Ort an der Schule gelöst werden, dort ist es auch entstanden. Beteiligte sind Menschen: Täter, Opfer, Mitläufer, Passive, Lehrer. Das Internet wird niemals das Problem lösen, dazu braucht es Menschen mit Mut, Zivilcourage und Liebe zu den Kindern. Wer auf der Suche nach Tipps ist, die ihm weiterhelfen könnten, dem empfehle ich meine Internetseiten. Da stecken 20 Jahre konkrete praktische Erfahrung drin.