Fährverkehr und Zollhäuschen

SCHWEICH. (fcg) Wie sah es in Schweich um die Jahrhundertwende aus? Wie haben sich die Dörfer der Verbandsgemeinden Ruwer, Schweich und Trier-Land im Laufe der Zeit entwickelt? Diesen und anderen historischen Fragen spürt der Trierische Volksfreund ab sofort jeden Donnerstag in seiner neuen Reihe "Stadt- und Dorfgeschichte(n)" nach.

Zum Auftakt präsentieren wir heute ein historisches Foto der Stadt Schweich aus dem Jahr 1927. Kreisarchivarin Barbara Weiter-Matysiak hat sich zu dem Bild, das aus der Glasplattensammlung des Kreisarchivs stammt, Gedanken gemacht, und beschreibt, was darauf zu sehen ist: Bis 1906 fand der flussüberschreitende Verkehr bei Schweich per Fähre statt. Der 1784 errichtete Fährturm auf der linken Moselseite (außerhalb des Bildausschnittes) steht heute noch, der Turm auf dem rechten Moselufer musste 1902 der Moseltalbahn weichen. Die Fähre war deshalb nur noch eingeschränkt nutzbar. Also beschloss der Schweicher Gemeinderat, im gleichen Jahr in direkter Verlängerung der heutigen Brückenstraße (damals Reihstraße/Reihgasse) eine Moselbrücke bauen zu lassen, die am 1. Oktober 1906 dem Verkehr übergeben wurde. Die Gemeinde erhob zur Deckung der Kosten einen Brückenzoll - das "Zollhäuschen" ist auf dem Bild deutlich erkennbar. Die Brücke bestand nur etwa 39 Jahre, sie wurde am Nachmittag des 4. März 1945, einen Tag nach der amerikanischen Besetzung Triers, von deutschen Truppen gesprengt. 1946 wurden ihre Trümmer beseitigt und mit dem Bau einer neuen Brücke begonnen, die am 14. November 1948 dem Verkehr übergeben wurde. Der Krieg zerstörte die Brücke und Gebäude

Am Brückenfuß links der Mosel (auf dem Foto das große weiße Gebäude auf der gegenüberliegenden Uferseite) ist das 1758 erbaute, ursprünglich allein stehende, so genannte Fähr- und ehemalige Amtshaus St. Maximin sichtbar (nach seinen späteren Bewohnern auch Adams- oder Hisgenhaus genannt). Die Trierer Abtei St. Maximin besaß seit dem Mittelalter die Fährrechte für Schweich, und verwaltete im 18. Jahrhundert von dort aus auch das Amt St. Maximin, das 19 Ortschaften, Teile des heutigen Stadtbereiches von Trier und die Gemarkung "Schweicher Fahr" umfasste. Das Gebäude wurde während der französischen Herrschaft 1805 versteigert und 1945 durch Kriegsereignisse teilzerstört. Heute ist es nur noch etwa halb so lang wie auf dem Foto, denn nach dem Krieg wurde nur die straßenseitige Gebäudehälfte wieder aufgebaut. Am rechten Bildrand ist am Moselufer der rauchende Kalkofen der Familie Denhart zu sehen, der bis 1937 in Betrieb war. Der Kalk, der hier gebrannt wurde, wurde noch bis 1930 per Schiff angeliefert. Die Ruine des Kalkofens wurde 1957 abgerissen. Zwischen Schweich und Neumagen existierten zu Beginn des 20. Jahrhunderts - außer der Moseltalbahn auf dem rechten Flussufer - nur schmale Ortsverbindungen in teilweise sehr schlechtem Zustand. Deshalb nahm der Kreis Trier in den 20er-Jahren zur besseren wirtschaftlichen Erschließung des mittleren Moseltales den Bau der Mittelmoselstraße in sein Straßenbauprogramm auf. Die Straße wurde hochwassergeschützt auf dem linken Moselufer geführt, begann an der Schweicher Brücke und endete an der Neumagener Fähre. Da die Moselorte häufig durch Hochwasser belastet waren, wurde der Straßendamm gleichzeitig als Hochwasserschutzdamm für die gefährdeten Moselorte ausgeführt. 1927 begann man bei Schweich mit dem ersten Bauabschnitt der Straße. Gegen Ende der Bauarbeiten hat der Trierer Fotograf Pätz dieses Bild aufgenommen. Der Straßen- und Hochwasserschutzdamm ist bereits aufgeschüttet, die Straße erkennbar. Zum Transport der Erdmassen und der Steine für den Bau waren neben Lastkraftwagen auch Feldbahnen, die auf kurzzeitig verlegten Fördergleisen verkehrten, benutzt worden - sie sind auf dem Bild links der Brücke zu erkennen. An der Brücke selbst sind zum Anschluss an die Straße zwei Landbrückenpfeiler verlängert und die Brückenauffahrt erhöht worden, so dass sowohl von der Brücke als auch von Schweich aus eine problemlose Auffahrt auf die neue Straße möglich wurde. Die Mittelmoselstraße wurde am 14. und 15. Mai 1933 für den allgemeinen Verkehr eröffnet. Wenn auch Sie eine historische Anekdote kennen, einen für viele unverständlichen Namen eines Hauses, einer Straße oder eines Flurstücks erklären können oder zu einem historischen Ereignis eine ganz persönliche Geschichte zu erzählen haben, dann schreiben Sie bitte unter dem Stichwort "Stadtgeschichten" mit Ihrem Namen, Ihrer Adresse und Telefonnummer für etwaige Rückfragen an die E-Mail-Adresse trier@volksfreund.de. Wichtig für eine Veröffentlichung ist, dass ihre Geschichte knapp formuliert ist und etwa 60 Druckzeilen (à 30 Anschläge) umfasst. Falls Ihnen ein historisches Foto vorliegt, ist uns dieses (hinreichende Qualität vorausgesetzt) auch sehr willkommen. Die Lokalredaktion freut sich auf Ihre persönliche(n) Geschichte(n).

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