Fahndung auf der Uferterrasse

LONGUICH. Achtwöchige Baumaßnahmen rund um sein Lokal "Zum Nussbaum" am Moselufer in Longuich und ein öffentlicher Streit zwischen einem Gast und der Ortsbürgermeisterin waren ihm zu viel. Beides hat nun bei Wirt Bernd Gressnich das sprichwörtliche Fass zum Überlaufen gebracht.

Vor einigen Tagen erhielten Mitglieder des Gemeinderats Longuich Post von Bernd Gressnich, Inhaber des Lokals "Zum Nussbaum". In dem Brief schilderte der Gastronom ausführlich, was sich jüngst rund um sein Lokal und auf der Terrasse abgespielt hatte: Kanalbauarbeiten. "Das solche Baumaßnahmen erforderlich sind, soll keineswegs in Frage gestellt werden", schreibt Gressnich. Doch das "wie" spiele eine Rolle.Nur zwei von acht Parkplätzen erreichbar

"Ohne Absprache, beidseitig und direkt vor meinem Lokal, waren 70 Prozent der zur Verfügung stehenden Parkplätze dauerhaft nicht zu erreichen", behauptet der Wirt. Hinzu seien Lärm- und Schmutzbelästigungen gekommen. Dies alles habe sich "beachtlich auf den Umsatz ausgewirkt". "Der Ausbau der Straßen, der angekündigt war und in einer Bürgerversammlung vorgestellt wurde, hat sich etwas verzögert. Dies ist bei Baustellen nichts Ungewöhnliches", sagt Ortsbürgermeisterin Kathrin Schlöder (FWG) zu den Vorwürfen. Alle Anlieger bis auf Gressnich hätten dafür Verständnis. Schlöder sagt: "Die Herstellung der Straßen ist inzwischen abgeschlossen, und damit hat sich die Sache erledigt." Offenbar nicht ganz, wie nun bekannt wurde: An einem Abend im Mai kam es offenbar zu einem handfesten Streit zwischen der Bürgermeisterin und einem Gast des Lokals. Laut Gressnich seien wegen der Bauarbeiten nur zwei der acht Parkplätze des Lokals zu nutzen gewesen. "Deswegen parkte ein Gast seinen Wagen am Moselufer, gegenüber unserer Terrasse", sagt der Wirt. Zu diesem Zeitpunkt sei Ortsbürgermeisterin Kathrin Schlöder vorbeigekommen und habe den Gast aufgefordert, sein Fahrzeug unverzüglich zu entfernen, da sein Auto die Radfahrer behindere. "Manchmal parken da nicht nur meine Gäste, sondern auch die meiner Nachbarn oder Ortsfremde, die ihre Radtour hier beginnen", sagt der Gastwirt. Er habe die Situation mit der Ortsbürgermeisterin klären wollen, doch die sei wutentbrannt mit ihrem Fahrrad weitergefahren. "Da habe ich Frau Schlöder angerufen, weil ich die Situation ohne großes Aufsehen aus der Welt schaffen wollte. Sie knallte den Hörer auf", sagt Gressnich. Nach kurzer Zeit sei die Ortsbürgermeisterin wieder erschienen und habe den Gast aufgefordert, den Wagen zu entfernen. "Und sie wollte meinen Namen und meine Adresse wissen", sagt der Gast Peter Kertels. "Dazu sah ich keine Veranlassung, da es nicht in ihr Aufgabengebiet gehört und niemand dort behindert wurde", sagt Kertels. Kurzerhand habe Frau Schlöder eine Kamera hervorgeholt, um Fotos zu machen. "Ich habe ihr gesagt, dass ich nicht fotografiert werden möchte und sie auf mein Persönlichkeitsrecht aufmerksam gemacht", sagt Kertels. "Sie richtete weiterhin die Kamera auf mich." Er habe sich nicht mehr anders zu helfen gewusst und nach einem Glas gegriffen, das er in Richtung von Frau Schlöder geschüttet habe. "Der Inhalt traf sie am Arm", sagt Kertels. Mit den Worten "jetzt erst recht" habe die Ortsbürgermeisterin ihr Vorhaben fortgesetzt. "Das dritte Glas bewirkte, Frau Schlöder von ihrem Vorhaben abzubringen", sagt Wirt Gressnich."Die Polizei ermittelt noch"

Doch der Streit war damit noch nicht beendet: Die Ortsbürgermeisterin schaltete die Polizei ein und erstattete Anzeige gegen Kertels. "Ich wurde auf dem Uferweg von einem Gast der Gaststätte ,Zum Nussbaum‘ von deren Terrasse aus tätlich angegriffen", sagt Kathrin Schlöder. Weiter wollte sich die Ortsbürgermeisterin auf TV-Anfrage zu dem Vorfall nicht äußern, "da die Polizei noch ermittelt". Unstimmigkeiten zwischen dem Wirt Bernd Gressnich und der Gemeinde hat es in vergangener Zeit immer mal wieder gegeben. Der Hauptgrund: der Plan des Gastwirts, einen Bootsanlegesteg vor den Türen seines Lokals zu errichten (der TV berichtete). Die wasserrechtliche Erlaubnis und die Genehmigung vom Landesbetrieb Straßen und Verkehr Rheinland-Pfalz lägen ihm vor, sagt Gressnich, "doch die Gemeinde hat sich quer gelegt". Dieses "Hin und her" habe ihn viele Nerven und Geld gekostet. "Jetzt reicht es", findet der Gastronom. Er sei jedoch bereit, sich mit dem Ortsgemeinderat zusammenzusetzen, um eine Lösung zu finden.