Fahrgast würgt Kontrolleurin

Taben-Rodt/Saarburg · Hat die Zugbegleiterin den Fahrgast in den Arm gebissen, weil er sie in den Schwitzkasten genommen hatte - oder umgekehrt? Das Amtsgericht Trier versucht, eine gewaltsame Auseinandersetzung mit Körperverletzungen um 16 Euro Wechselgeld zu klären, die sich im rollenden Zug zwischen Taben-Rodt und Saarburg ereignete.

Der junge Angeklagte, der am Donnerstagmorgen 25 Minuten zu spät zu seinem Gerichtstermin das Amtsgericht in Trier betritt, wirkt blass und abgemagert. "Sein Zug habe wegen einer Baustelle Verspätung gehabt", erklärt der 25-Jährige, der eine weite Hose und eine schwarze Baseballmütze unter einer grauen Kapuze trägt, dem Richter Hans-Jürgen Ferring.

In einem Zug befand sich der junge Angeklagte aus dem Kreis Trier-Saarburg auch an einem Montagabend, 10. September, gegen 21 Uhr vergangenen Jahres. Er sei in Taben-Rodt in die Regionalbahn in Richtung Trier eingestiegen, um in Saarburg wieder auszusteigen, sagt der Angeklagte im Gerichtssaal. "Meine Mutter hatte mich an dem Tag angerufen und mir gesagt, dass meine Oma im Sterben liegt, weil sie einen Schlaganfall hatte. Die wollte ich besuchen fahren", erklärt der junge Mann.Streit um Wechselgeld


Auf der Fahrt wurde er dann von einer Zugbegleiterin gebeten, ihr einen gültigen Fahrschein vorzuzeigen, oder eine Fahrkarte für 3,45 Euro bei ihr zu kaufen. Der Angeklagte musste eine Karte kaufen und überreichte der Kontrolleurin einen 20-Euro-Schein. Bis zu diesem Punkt der Ereignisse sind sich alle Parteien im Gerichtssaal einig. Zum weiteren Verlauf der Zugfahrt widersprechen sich die Aussagen der Zugbegleiterin und die des Angeklagten.
Sicher ist, dass die Kontrolleurin dem Fahrgast nur 10 Euro Wechselgeld bar zurückgeben konnte und ihm über die restlichen 6,65 Euro eine Gutschrift aushändigen wollte. Eine solche Gutschrift hätte er nur am Trierer Hauptbahnhof einlösen können, sagt der Angeklagte, was ihm mit den zusätzlichen Fahrkosten bis dorthin letztlich einen Verlust beschert hätte.

Deshalb habe er der Frau den Geldschein wieder entrissen. "Die zwanzig Euro waren alles, was ich besessen habe", sagt der arbeitslose Angeklagte. Im Streitgespräch habe die Kontrolleurin ihm wiederum den Geldschein abgenommen, woraufhin er nach ihrer Geldbörse gegriffen habe, um sich daraus seine zwanzig Euro zu nehmen, schildert der Angeklagte die Ereignisse. Der Streit um die Geldbörse entwickelte sich zu einer körperlichen Auseinandersetzung.In den Arm gebissen


Die Zugbegleiterin, die wegen Urlaubs nicht am Prozess teilgenommen hat, habe ihn in den Arm gebissen, erklärt der Angeklagte vor Gericht. Allein deshalb habe er sie in den Schwitzkasten genommen. Er habe die Kontrolleurin so stark gewürgt, dass ihr schwarz vor Augen geworden sei, schildert der Richter die Ausein andersetzung.
"Ich wollte der Frau nicht weh tun", verteidigt sich der Angeklagte, der damals unter Drogeneinfluss stand, wie eine kurz darauf entnommene Blutprobe beweist. "Sie dachte wohl, ich wolle sie ausrauben, weil ich nach dem Zwanziger gegriffen habe." Dabei habe er sich nur sein eigenes Geld zurücknehmen wollen.Als ein weiterer Fahrgast der Zugbegleiterin zur Hilfe kam, konnte sie sich aus der Umklammerung befreien, wobei sie jedoch die Geldbörse auf den Boden fallen ließ. Sie rannte zum Schaffner und verständigte die Polizei, währenddessen der Passagier erneut seinen Geldschein aus der Geldbörse genommen haben soll, sagt Ferring.
Zum Ende des ersten Verhandlungstages bleibt die Frage ungeklärt, wer zuerst handgreiflich wurde.

Um den genauen Ablauf der Auseinandersetzung mit den daraus hervorgegangenen Körperverletzungen zu klären, ist ein weiterer Prozesstermin für Montag, 15. Juli, um 9.30 Uhr angesetzt. Dort sollen sowohl der Zeuge der Auseinandersetzung als auch die Polizeibeamten aussagen, die den jungen Mann am Bahnhof in Saarburg in Empfang nahmen und ihm dort die Handschellen anlegten.