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Fahrt frei auf Abschnitt zwei

REINSFELD/KELL AM SEE. Tausende haben ihn in den vergangenen Wochen schon getestet, seit gestern rollt es nun auch offiziell auf dem Ruwer-Hochwald-Radweg zwischen Reinsfeld und Kell am See. Die Eröffnung des zweiten, zirka sieben Kilometer langen Streckenabschnitts wurde am Sonntag gleich an mehreren Schauplätzen groß gefeiert. ARRAY(0x5fd08b60)

"Rad raus am Rathaus", so lautete gestern die Devise in Kell am See. Ebenso wie in Hermeskeil - am Einstiegsort liefen anschließend den ganzen Tag Aktivitäten am MGM-Sportpark - schwangen sich schon morgens um 9 Uhr die Freizeitsportler in den Sattel, um von zwei Seiten kommend zum gemeinsamen Treffpunkt in Reinsfeld zu strampeln. Dort angelangt gab es für den bunten Pulk der "Pedalritter" nämlich ein freudiges Ereignis zu feiern. Zwar haben die Radfahrer das schmale Asphaltband auf der früheren Bahntrasse schon seit Wochen fleißig in Beschlag genommen. Offiziell für den Verkehr freigegeben wurde das zweite Teilstück des Ruwer-Hochwald-Radwegs aber erst gestern. Doch bevor es los ging und sich das große "Peloton" auf den sieben Kilometer langen Weg machen konnte, schlug zunächst die Stunde der Festredner. Ob Reinsfelds Ortschef Rainer Spies oder Landrat Günther Schartz: Beide verglichen die Radweg-Eröffnung mit der ersten Fahrt der Hochwaldbahn zwischen Ruwer und Hermeskeil im Jahre 1889. Denn bedeutete das eine einst den Anfang der wirtschaftlichen Erschließung des Hochwaldraums, so hoffen die Politiker von heute, dass der Radweg künftig den Tourismus gewaltig ankurbeln wird. Ins gleiche Horn stieß später auch der Keller VG-Chef Werner Angsten, der den Radweg als "wichtigste Freizeiteinrichtung nach dem Krieg" , bezeichnete. Sein Hermeskeiler Kollege Michael Hülpes hob derweil das "wunderbare Gemeinschaftswerk" hervor, dass auf der später 48 Kilometer langen Strecke verwirklicht wird. Den grenzüberschreitenden Charakter des Radwegs stellte auch der Keller Ortsbürgermeister Markus Lehnen heraus, der von einer "schon jetzt pulsierenden Ader" sprach, "die neuen Schwung in unsere nachbarschaftlichen Beziehungen bringt". Allerdings wird es bis zur endgültigen Fertigstellung der Trasse und des Lückenschlusses bei Zerf - im unteren Ruwertal laufen aktuell die Arbeiten zwischen Gusterath-Tal und Pluwigerhammer - noch bis Ende 2009 dauern. 10,5 Millionen Euro wird der Radweg dann gekostet haben. Diese Summe könne man zwar durchaus kritisch hinterfragen, räumte Carsten Kühl, Staatssekretär im Mainzer Wirtschaftsministerium, ein. Das Land - das 80 Prozent der Baukosten übernimmt - sei aber davon überzeugt, dass "diese Investition vernünftig ist, weil sie für die Bevölkerung im Hochwald ein Mehr an Lebensqualität bedeute und zugleich in der Region ein attraktives touristisches Ziel etabliert". Dann aber waren der Worte genug gewechselt. Das obligatorische Band wurde durchschnitten und das Fahrerfeld setzte sich in Bewegung. Es durfte sich jedoch schon kurz darauf an der Gemarkungsgrenze zwischen Reinsfeld und Kell mit Obst und Obstler stärken, bevor es endgültig weiter nach Kell rollte. Die vorläufige Endstation des Radwegs hatte sich mit Hilfe der ortsansässigen Gastronomen besonders fein herausgeputzt. Und weil auch das Wetter mitspielte und es trocken blieb, herrschte vor dem Rathaus schon zur Mittagszeit Volksfest-Stimmung. Bevölkert wurde der Platz aber keineswegs nur von Radfahrern im sportlichen Outfit. Keinen Drahtesel hatten beispielsweise Walter und Helga Wisinger aus Krefeld dabei. Das Treiben in ihrem früheren Heimatort wollten sie sich dennoch nicht entgehen lassen. "Wir hätten es nie gedacht, finden es aber umso schöner, dass die alte Bahnstrecke wieder belebt werden konnte", freute sich das Ehepaar. "Eine "tolle Sache" ist der neue Radweg auch für Raimund Valerius, wobei für den Keller zwei Dinge besonders bemerkenswert sind: "Der Radweg ist nicht nur sehr stark frequentiert, er wird auch von Leuten in jedem Alter genutzt."