Fair-Teiler: Menschen bewahren in Saarburg und Konz Essbares vor der Tonne

Kostenpflichtiger Inhalt: Jetzt auch in Saarburg und Konz : Menschen bewahren Essbares vor der Tonne - Wie das mit dem Fair-Teiler funktioniert

In Trier sind es Hunderte, in Konz und Saarburg ist ihre Zahl zweistellig: Lebensmittelretter verteilen Essbares, das nicht mehr verkauft werden kann, im Bekanntenkreis, an Bedürftige oder anonym über Schränke. Ein solcher Fair-Teiler steht seit Kurzem auch in Saarburg.

Etwa 100 Kilogramm Essbares bewahren die Lebensmittelretter in Saarburg täglich vor dem Wegwerfen. In Saarburg ist die Menge relativ einfach zu schätzen, weil die Situation übersichtlich ist. 20 Menschen holen dort in fünf Läden (Supermärkte und Bäckereien) die Ware ab, die sich nicht mehr verkaufen lässt, weil beispielsweise das Mindesthaltbarkeitsdatum fast oder gerade abgelaufen ist. Bei Gemüse oder Obst reicht es, dass es nicht mehr ganz frisch aussieht. In Bäckereien bleibt am Abend zuweilen Brot oder Kuchen übrig.

In Konz sind es 40 bis 50 Retter und in Trier mittlerweile um die 400, die wiederum um die 30 Läden anfahren. Sie retten entsprechend mehr.

Birgit Bosch ist in Saarburg aktiv und erklärt: „In erster Linie wollen wir die Lebensmittel vor dem Mülleimer retten. Es geht aber auch darum, die Nahrungsmittel wertzuschätzen und nachhaltig zu handeln.“ Ein weiterer Punkt könne sein, Bedürftige zu unterstützen, doch sei dies kein Muss. Foodsharing (Lebensmittel teilen) nennt sich die Bewegung, bei der sich Menschen in Deutschland, Österreich und der Schweiz ehrenamtlich gegen die Verschwendung von Lebensmitteln einsetzen (siehe Info). Sie organisieren sich vor allem über das Internet. Jeder kann mitmachen. Regeln gibt es trotzdem.

Die Retter So verpflichten sich die so genannten Foodsaver, die die Lebensmittel in den Läden abholen, dies stetig zu tun – je nach Vereinbarung mit den Betrieben mal täglich, mal mehrmals pro Woche. Birgit Bosch sagt: „Die Saver geben die Sachen weiter an ihre Gruppe.“ Die einen verteilen die Ware in der Familie, andere in der Hausgemeinschaft. Wieder andere melden, was sie haben in einer Whats-App-Gruppe oder treffen sich zu bestimmten Zeiten an festen Orten. Bosch hat in ihrem Kreis der Abholer im vergangenen Jahr Veränderungen festgestellt: „Es sind immer mehr Bedürftige dazukommen. Die anderen haben sich zurückgezogen und sagen: ,Wir brauchen das ja nicht unbedingt. Ruf mich an, wenn du zu viel hast.’“

Lebensmittelschränke und -tische Die Lebensmittel können auch in einem öffentlich zugänglichen Schrank, einem sogenannten Fair-Teiler abgelegt werden, an dem sich jeder bedienen kann. Bauer: „Anfang Dezember ist unser Schrank, der an der Shell-Tankstelle in Saarburg steht, in Betrieb gegangen.“ Er werde bereits genutzt, doch könnten ruhig mehr Abholer kommen. Auch wer zu viel habe, könne dort Lebensmittel hineinlegen, allerdings keine Risikonahrungsmittel wie Hackfleisch oder frisch zubereitete Speisen, die rohes Ei enthalten. Täglich wird der Schrank kontrolliert und gereinigt. In Konz ist ein Fair-Tailer ab Mitte Januar am Seniorenheim in Karthaus geplant, wie Susanne Völkel, eine der vier Hauptverantwortlichen im Bezirk Trier, berichtet. In Karthaus gibt es laut Völkel auch Leute die Tische mit Lebensmitteln rausstellen. In Trier stehen bereits vier Fair-Tailer und zwar auf dem Viehmarkt, in der Straße Im Nonnenfeld, an der Uni und an der Fachhochschule.

Die Ladeninhaber Geschäfte, die beim Foodsharing mitmachen, sind oft an einem entsprechenden Aufkleber zu erkennen. Allerdings wollen sich nicht alle Händler outen. Udo Hackenberger vom Mühlenbackshop in Saarburg hat damit kein Problem. Er sagt: „Ich mache bei Foodsharing mit, weil es zu schade ist, die Sachen am Abend in den Hausmüll zu werfen. Da stecken gute Rohstoffe, Arbeit und Energie drin.“ Bei ihm blieben keine Riesenmengen übrig, sondern maximal fünf Prozent der Produktion. Große Firmen, bei denen es um 20 Prozent gehe, würden Kuchen und Brot in Biogasanlagen entsorgen, bei ihm lohne das nicht. Generell sei es schwierig, abzuschätzen, was und wie viel die Kunden täglich kaufen, das wechsle stetig.

Hackenberger war einmal dabei, als Lebensmittel verteilt wurden, und fühlte sich in seinem Tun bestätigt. Er berichtet: „Da freuen sich Leute über ein Stück Torte, das ist für die ein Highlight.“ Der Bäcker hat keine Angst, Kunden zu verlieren. Wer es sich leisten könne, gönne sich den Kuchen, wenn er Lust habe und warte nicht darauf, dass etwas übrig bleibe.

Susanne Völkel sieht auch trotz der 400 Foodsaver in Trier nicht die Gefahr, dass die Läden dadurch Einbußen erleiden würden. Im Gegenteil. Völkel: „Die Betriebe sparen enorm bei den Müllkosten.“ Sie müssten beispielsweise weniger Container bestellen.

Küche für alle Die Lebensmittelretter organisieren auch Aktionen. „Küche für alle“ (Küfa) gehört dazu. Sie gibt es in Trier und in Konz. Bei Küfa werden die geretteten Lebensmittel mit Interessierten zu einem Mahl zubereitet. Susanne Völkel sagt: „Jeder kann kommen und mitkochen oder auch nur mitessen.“ In Trier finden die Essen mal im Mergener Hof und mal im Ex-Haus statt. In Konz werden sie mit dem Haus der Jugend zusammen organisiert. Die nächste Küfa ist dort am 28. Januar, ab etwa 18 Uhr. Auch an Benefizveranstaltungen haben die Foodsharer schon teilgenommen oder dem Weltbürgerfrühstück in Trier.

Pläne Laut Susanne Völkel soll das Engagement von Foodsharing in der Region ausgeweitet werden. So sollen die nicht mehr verkäuflichen Lebensmittel auch bei den Zerfer Läden und Richtung Luxemburg eingesammelt werden. Allerdings räumt die Lehrerin ein: „Noch haben wir dort zu wenig Leute, um die Ladenbesitzer anzusprechen.“

Die Organisation Es sind einige Helfer nötig, um die Lebensmittelrettung zu organisieren, wie Susanne Völkel erklärt. Sie ist Botschafterin im Bezirk Trier, also Foodsharing-Verantwortliche dieses Bezirks, zu dem die Gruppe Konz/Saarburg gehört. Botschafter qualifizieren sich dadurch, dass sie eine Weile bei Foodsharing mitgearbeitet und nicht gegen Regeln verstoßen haben.

Fair-Teiler von Foodsharing in Saarburg. Foto: Privat

Für einzelne Betriebe sind die Betriebsverantwortlichen zuständig. Jeweils ein Team von Foodsavern ist einem Supermarkt zugeordnet und wird von den Betriebsverantwortlichen betreut. Wer als Foodsaver tätig werden möchte, muss einen umfassenden Fragebogen ausfüllen. Er oder sie verpflichtet sich, einen Verhaltenskodex einzuhalten, und unterzeichnet eine Erklärung zum Haftungsausschluss. In diesem sagt der Foodsaver zu, sämtliche gesammelten Lebensmittel „selbst zu genießen oder ausschließlich unentgeltlich an Dritte weiterzugeben“. Er verpflichtet sich, „die Lebensmittelspenden vor der Weitergabe nach bestem Wissen und Gewissen auf ihre Unbedenklichkeit zu überprüfen“.