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Fairer Handel in der Stadt Trier und im Landkreis Trier-Saarburg

Kostenpflichtiger Inhalt: Fairtrade in Kommunen : Kaffee, Blumen, Pflastersteine: Der Trend in Trier und Umgebung geht zu fairen Produkten ...

... und erste Gemeinden und Landkreise machen es vor. Die Stadt Trier achtet bei Einkäufen auf die Einhaltung bestimmter Vorgaben. Auch der Kreis Trier-Saarburg und andere Kommunen setzen auf Nachhaltigkeit. Besonders bei Schulessen spielt die regionale Herkunft der Zutaten eine wichtige Rolle.

150 Kilogramm Kaffee im Wert von etwa 1500 Euro werden pro Jahr im Konzer Rathaus verbraucht. Das ist eine Erkenntnis, die am Rand der jüngsten Sitzung des städtischen Haupt- und Finanzausschusses der Stadt Konz zutage gefördert wurde. Die Verwaltung hat einen Vertrag mit einem Kaffeemaschinen-Hersteller, der die Bohnen liefert. Kriterien wie Fairtrade oder Regionalität spielen da bisher keine Rolle. Das könnte sich jedoch bald nicht nur in Bezug auf den Kaffee ändern. Denn in Konz läuft zurzeit auf Stadt- und Verbandsgemeindeebene eine von den Grünen initiierte Diskussion darüber, wie bei der öffentlichen Beschaffung regionale und faire Produkte bevorzugt werden können. In anderen Verwaltungen der Region gibt es schon längst verbindliche Vorgaben für bestimmte Öko- oder Fairtrade-Zertifikate, sobald Waren mit Steuergeld bezahlt werden. So wollen Kreise, Städte und Gemeinden als Vorbild vorangehen, in dem sie gezielt regionale und fair produzierte Waren einsetzen.

Vorbild Trier Die Stadt Trier ist in der Region der Vorreiter in Sachen Fairer Handel. Sie hat sich beispielsweise 2019 zum siebten Mal als „Hauptstadt des Fairen Handels“ beworben. Bisher war ihr bestes Ergebnis in dem seit 2003 deutschlandweit alle zwei Jahre ausgerichteten Wettbewerb der vierte Platz 2017. Und der Trierer Stadtrat hat im Januar 2019 einen besonderen Beschluss gefällt und Trier zur ersten deutschen Stadt mit einem kommunalen Aktionsplan zur Umsetzung der 17 Nachhaltigkeitsziele der UN gemacht. Dieser Plan umfasst 193 konkrete Aktionen, die nach und nach umgesetzt werden sollen (der TV berichtete). Einige dieser Punkte betreffen die „öko-soziale Beschaffung“, wie Michael Schmitz, Pressesprecher der Stadt Trier, es ausdrückt (siehe Info).

Schon 2007 hat der Stadtrat laut Schmitz beschlossen, auf Produkte aus ausbeuterischer Kinderarbeit zu verzichten. Seitdem ist in städtischen Ausschreibungen immer eine bestimmte Formulierung zur entsprechenden UN-Konvention zu finden, die darauf hinweist, dass nur Produkte berücksichtigt werden, die ohne ausbeuterische Kinderarbeit entstanden sind. Produzenten aus Asien, Afrika oder Lateinamerika müssen immer eine Zertifizierung einer unabhängigen Organisation oder eine Selbstverpflichtung nachweisen, um in Trier eine Chance zu haben.

Diese Vorgaben gelten laut Schmitz für Kleidung und Textilien, Nahrungsmittel, Spielsachen oder Rohstoffe in der Bauwirtschaft. Wegen der Vorgaben sind zum Beispiel die Simeonstraße mit italienischem Porphyr aus Südtirol oder der neu gestaltete Platz zwischen Jüdemer- und Brückenstraße mit chinesischen Natursteinen mit Fair-Stone-Label gepflastert worden. Ergänzend zum allgemeinen Verbot von öffentlich finanzierten Produkten aus Kinderarbeit hat der Stadtrat in diesem Januar beschlossen, dass auf Trierer Friedhöfen Grabsteine verboten werden, die aus Kinderarbeit stammen. Die städtische Friedhofssatzung soll entsprechend geändert werden.


Fairtrade Town Schmitz zählt bei den Errungenschaften Triers zudem die Beteiligung an der Kampagne Fairtrade Town seit 2010 auf. An dieser Kampagne würden auch die Konzer Grünen gerne teilnehmen. Christian Fleischmann, Sprecher der Grünen im Konzer Stadtrat, argumentierte kürzlich im Haupt- und Finanzausschuss:  „Wir wären die erste Kommune im Kreis Trier-Saarburg.“ Es gebe viele coole Ideen zum Nachahmen. „Wir könnten ein tolles Signal senden“, erklärte Fleischmann.

Die Stadt Trier sendet dieses Signal schon länger unter anderem durch die Bewirtung bei Rats- und Ausschusssitzungen sowie im Büro des Oberbürgermeisters. Dort werden laut Schmitz seit dem Fairtrade-Town-Beschluss Kaffee und ein weiteres Produkt aus fairem Handel verwendet.

Auch Regionalität spielt eine Rolle: So werde zum Beispiel im Trierer Rathaus bei Bewirtungen eine Saftmischung eines regionalen Anbieters verwendet, die aus regionalem Bio-Apfelsaft und Fairtrade-zertifiziertem Mangosaft bestehe. Fair gehandelter Tee sei ebenfalls üblich. Bei Blumenpräsenten würden Blumen verschenkt, die aus fairem Handel oder regionalem Anbau stammten.

Kreis Trier-Saarburg Im Gebiet des Kreises spielt Fairtrade bisher kaum eine Rolle, die regionale Herkunft jedoch eine größere Rolle. In der Kreisverwaltung werden laut Pressesprecherin Martina Bosch teilweise regionale Produkte berücksichtigt: Für die Sitzungen und weiteren Veranstaltungen beziehe der Kreis Apfelsaft über eine Kelterei aus Welschbillig. „Die Äpfel dafür werden vom Naturschutzbund (Region Trier) angeliefert“, sagt Bosch. „Die Verpflegung während der Sitzungen wird stets bei ortsnahen Metzgereien und Bäckereien bestellt. Das gleiche gilt  für das Angebot in der Cafeteria der Kreisverwaltung.“ Der Wein, der im Rahmen von Veranstaltungen ausgeschenkt werde, werde ausschließlich bei heimischen Winzern bestellt.

Auch im Bereich der Schulverpflegung spielt die Regionalität eine wichtige Rolle. So sind die Caterer an den kreiseigenen Schulen laut Kreisverwaltung derzeit ausschließlich örtliche Anbieter mit Firmensitz im Kreis Trier-Saarburg und in Trier. Deren Produkte stammten zu einem nicht unerheblichen Teil aus regionalen Betrieben, sagt  Bosch. Bei den Ausschreibungen der Leistungen für die Mittagsverpflegung habe der Kreis vorgegeben, dass regional erzeugte Produkte zu bevorzugen seien. Bosch weiß nicht, ob der Kreis bei der anstehenden Ausschreibung fürs nächste Schuljahr Vorgaben zur Regionalität machen kann. Das liegt daran, dass der Kreis, der diesmal einen Auftrag für mehrere Schulen ausschreiben muss, die Grenze einer EU-weiten Ausschreibung überschreitet. Das erschwere es, regionale Aspekte in die Ausschreibung einzubauen. Der Kreis wolle sie aber soweit wie möglich berücksichtigen.


Verbandsgemeinden Die Verbandsgemeinden im Kreisgebiet arbeiten nur teilweise mit verbindlichen Vorgaben in Bezug auf soziale oder ökologische Nachhaltigkeit sowie Regionalität. So gelten in den Grundschulen der Verbandsgemeinden im Kreis in der Regel die Qualitätsstandards der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE), die zum Teil auch Nachhaltigkeit berücksichtigen. In der VG Ruwer sind die Caterer per Ausschreibung dazu verpflichtet, regionale und saisonale Zutaten zu verwenden. Die anderen Verbandsgemeinden legen zwar Wert auf regional und ökologisch produzierte Zutaten, aber machen keine Vorgaben in den Ausschreibungen für die Caterer. Mehrere Verwaltungen weisen darauf hin, dass sie regionale Anbieter fürs Schulessen haben, die in der Region einkaufen. Ansätze zur Nachhaltigkeit gibt es jedoch auch beim eingesetzten Druckerpapier oder bei der Versorgung von Gebäuden mit selbst produziertem Ökostrom.